NABU gibt Tipps 

Keine Angst vor Wespen

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Wespen sind allgemein ungefährlich, wenn sie nicht bedroht werden. 

Es gibt viele Wespenarten, die meisten von ihnen sind viel friedlicher als man denkt. Nur die „Gemeine Wespe“ und die „Deutsche Wespe“ sind verantwortlich für den schlechten Ruf der Wespen. Sie sind die ausgesprochen lästigen Besucher am Kaffeetisch oder bei einem Grillabend.

Wespen sind Raubtiere. Sie jagen und ernähren sich hauptsächlich von Insekten, insbesondere von Fliegen und Mücken. Vor allem in der Zeit der Brutpflege ist ihr Bedarf an fleischlicher Nahrung sehr groß. Eine alte Faustregel sagt, dass mit dem Ende der Blütezeit der Linde die Arbeiterinnen der Stöcke ausschwärmen und auf Jagd gehen. Die erbeuteten Insekten – oder auch das mit den Mundwerkzeugen herausgeschnittene Stück Wurst oder Fleisch werden dann von der Königin an die Larven verfüttert. Die Arbeiterinnen selbst lieben süße Futtermittel – zum Beispiel Baumsäfte, Blütennektar, Fallobst oder eben Kuchen, Marmelade oder Obstsäfte.

Nicht alle Wespen stechen

„Lästig werden Wespen erst im August oder September, wenn sich Drohnen und neue Königinnen entwickelt haben“, erklärt Bernd Hannover, der Insektenexperte des NABU Waldeck-Frankenberg, und sagt: „Es ist auch die Zeit, in der langsam das Sterben der Völker beginnt. Das macht sie nervöser und aggressiver. Eigentlich aber sind sie ganz friedlich – wenn sie sich nicht bedroht fühlen.“

Die Entfernung eines Wespen- oder Hornissennestes sollte man unbedingt Fachleuten überlassen.   

Ein kleiner Trost für die Ängstlichen mag außerdem sein, dass nicht alle Wespen stechen können. Nur die weiblichen Wespen haben einen dünnen, spitzen Stachel, mit dem sie sich nicht nur wehren, sondern auf der Jagd auch Insekten töten oder lähmen können. Männliche Wespen dagegen haben keinen Stachel. Zu ihrem Schutz aber imitieren sie die Bewegungen der Weibchen und täuschen einen Angriff nur vor.

„Ich bin jetzt 73 Jahre alt und wirklich viel draußen“, erzählt Bernd Hannover und betont: „Ich bin noch nie von einer Wespe gestochen worden. Ich stör’ mich nicht an ihnen, und wenn man sie in Ruhe lässt, tun sie gar nichts. Wirklich gefährlich sind die Stiche sowieso nur im Mund- oder Rachenraum oder für Allergiker.“

Tipps der NABU-Experten:

• Am Tisch: Wespen stechen sobald sie sich bedroht fühlen. Deshalb heftige Bewegungen vermeiden.

• Nicht Wegpusten: Das im Atem enthaltene Kohlendioxid gilt im Wespennest als Alarmsignal.

• Um von den ungeliebten Tischgästen gänzlich in Ruhe gelassen zu werden, empfiehlt sich eine Ablenkfütterung. Dazu eignen sich am besten überreife Weintrauben. Fünf bis zehn Meter vom Ort des eigentlichen Geschehens entfernt aufgestellt, halten sie die Wespen in Schach. Vorsicht: Unverdünnte Marmeladen machen aggressiv.

• Wespen können von Gerüchen wie Parfum, Cremes, Holzmöbelpolitur oder ähnlichen Düften angezogen werden. Außerdem fliegen Sie gerne auf bunte Kleidung.

• Um Wespen, Bienen und andere Insekten aus dem Haus zu halten, empfiehlt es sich, Fliegengaze an Fenstern und Türen anzubringen, insbesondere an Küchen-, Bad- und Kinderzimmerfenstern.

• Haben sich Wespen ins Haus verirrt, wird ein Glas über das Insekt gestülpt und vorsichtig ein Stück Papier als Boden untergeschoben, um das Tier wieder nach draußen zu bringen.

• Bleibt man auf einer Distanz von zwei bis drei Metern zum Nest und versperrt die Flugbahn der Wespen nicht, fühlen sie sich nicht bedroht.

• Das Wespengift aus der Wunde herausdrücken, nicht Aussaugen, da sich das Wespengift ansonsten über die Schleimhäute verteilt.

• Ist es noch nicht zu spät und man will eine Schwellung vermeiden, die Stichstelle mit Hilfe von heißem (!) Wasser und Waschlappen unter leichtem Druck abtupfen.

• Kühlen! Entweder mit Wasser oder besser noch mit Kühlkompressen.

• Der Saft der Zwiebel wirkt stark entzündungshemmend gegen Wespenstiche. Einfach halb aufschneiden und die Stichstelle sanft einreiben.

• Einstichstelle mit einem Tonerde-Umschlag oder auch kaltem Essigumschlag behandeln. Entzündungshemmende Salben und Cremes mit Antihistamin aus der Apotheke helfen.

Friedliche Riesen

Hornissen sind die sanften Riesen unter den Wespen. Die Königin wird zwischen 30 und 40 Millimeter groß, die männlichen Drohnen 21 bis 28 Millimeter und die Arbeiterinnen 18 bis 25 Millimeter. Sie sind aber wesentlich scheuer und berechenbarer als Wespen. „Sie sind wirklich harmlos“, sagt Bernd Hannover und betont: „Man muss sie schon sehr ärgern bevor sie aggressiv werden. Sie kommen auch nicht in die Nähe des Menschen um Futter zu suchen und halten die lästigen Wespen fern. Natürlich aber gelten die ‚Wespenregeln’ auch für sie, wenn man mit ihnen friedlich zusammenleben will.“

Wirklich gefährlich aber sind Hornissen nur für andere Insekten. Oft fangen sie ihre Beute im Flug: Wespen, Fliegen oder Motten. In Sekunden zerlegt, werden meist nur Brust und Hinterleib der Beute in das Nest getragen. Tag und Nacht auf Beutezug, fängt ein großes Volk täglich ein halbes Kilo Insekten, so viel wie fünf bis sechs Meisenfamilien. Im Gegensatz zu ihren Artgenossen sind Hornissen nachtaktiv. Bei ihrer nächtlichen Futtersuche werden sie von Licht angezogen und verirren sich oft durch geöffnete Fenster oder Terrassentüren ins Haus.

Wild umherfliegend mit lautem Brummen wirken sie dann besonders gefährlich. Der NABU-Experte hat dafür eine einfache Erklärung. „Sie verlieren im hellen Licht der Wohnung die Orientierung und wollen einfach nur raus. Am besten löscht man das Licht, gibt ihnen ein wenig Zeit sich wieder zurecht zu finden und macht Fenster und Türen auf. Wenn man dazu noch eine Lampe nach draußen stellt, werden sie schnell den Weg in die Freiheit finden.“ Der Mythos, dass sieben Hornissenstiche einen Menschen töten können, hält sich hartnäckig, ist aber völlig falsch. Das Gift der Hornisse ist sogar harmloser als das von Wespen und Bienen. Der Stich selbst aber ist durch den einen größeren und längeren Stachel, der tiefer in die Haut eindringen kann, deutlich schmerzhafter.

Alle Wespenvölker leben nur ein Jahr. „Da Hornissen und Wespen ein Nest nie zweimal nutzen“, so Bernd Hannover, „ist nicht zu befürchten, dass im nächsten Jahr an der gleichen Stelle ein Nest gebaut wird.“

Übrigens: Fast alle Wespenarten und ganz besonders Hornissen stehen unter besonderem Naturschutz. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet „Lebensstätten wildlebender Tiere ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören“. Ein solcher vernünftiger Grund ist beispielsweise dann gegeben, wenn Menschen durch die Existenz eines Wespen- oder Hornissennests gefährdet werden. Sie dürfen aber nicht auf eigene Faust bekämpft werden. Ein örtlicher Imker oder ein Kammerjäger sind die ersten Ansprechpartner bei der Beseitigung eines Nests und werden im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen aktiv.

Das eigenständige Entfernen oder das Töten von Hornissen, Wespen, Bienen und anderen Insekten kann mit Strafen von bis zu 50.000 Euro belegt werden. /Barbara Liese

Info

Weitere Informationen bietet die Broschüre „Bienen, Wespen und Hornissen – Kein Grund zur Panik“ aus der Reihe „NABU aktiv“. Neben Tipps zu Konfliktfällen gibt es ausführliche Infos zu Nisthilfen und zum insektenfreundlichen Garten. https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/hautfluegler/wespen-und-hornissen/02624.html#1 oder über den NABU-Shop

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