Mengeringhäuser Prof. Jürgen Wolf leitet großes Forschungsprojekt zur Digitalisierung mittelalterlicher Handschriften

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Ein Ausschnitt der kostbaren „Arolser Weltchronik“. Jedes der 328 erhaltenen Blätter ist von Hand beschrieben und mit kunstvollen Initialen und Illustrationen verziert. Auch diese Handschrift wird vom „Handschriftencensus“ erfasst, den Prof. Jürgen Wolf leitet

Mengeringhausen / Marburg. Das kulturelle Erbe des mittelalterlichen Waldecks soll der internationalen Forschung mit wenigen Mausklicks zugänglich werden: Der „Handschriftencensus“ will alle deutschsprachigen Handschriften systematisch in einer frei zugänglichen Datenbank erfassen. 

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder hat beschlossen, aus der Idee engagierter Germanisten und Historiker ein großes Forschungsprojekt zu machen: Stolze 6,5 Millionen Euro stellen Bund und Länder dem „Handschriftencensus“  in ihrem sogenannten Akademienprogramm für die nächsten 20 Jahre zur Verfügung.

Die Federführung des Projekts liegt bei einem Mengeringhäuser: Der in Marburg lehrende Prof. Jürgen Wolf hat mit seinem Siegener Kollegen Dr. Nathanael Busch die Leitung erhalten.

Die Mainzer Akademie der Wissenschaften hat das Projekt zwar übertragen bekommen, angesiedelt ist es jedoch bei Prof. Wolfs Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters an der Marburger Philipps-Universität.

Es richtet ein „Kompetenzzentrum“ mit 4,5 Mitarbeiterstellen ein, auch die Datenbank betreut die Universität an der Lahn. Der Germanist Wolf war dort schon in den 1990er Jahren am Aufbau erster digitaler Sammlungen beteiligt – in Forscherkreisen als „Marburger Repertorium „bekannt. Daraus entwickelte sich 2006 die Arbeitsgruppe „Handschriftencensus“.

 Aus ihr soll im Projekt ein Beirat oder eine Akademiekommission werden, sie soll begleiten und die eingehenden Arbeiten prüfen.

Rund 26 000 deutschsprachige Handschriften aus dem Mittelalter sind noch vorhanden. Sie lagern in weltweit zerstreut mehr als 1500 Bibliotheken, Sammlungen und Archiven.

Das neue Projekt baut auf Katalogisierungs- und Forschungsprojekten auf, die zwar bereits beträchtliche Überlieferungsbestände dokumentieren, aber noch keinen Gesamtüberblick bieten. Mit dem „Handschriftencensus“ wird dieser Gesamtbestand nach wissenschaftlichen Standards aufgearbeitet, er wird anhand der aktuellen Forschungslage überprüft, erschlossen, normiert und allen historischen Disziplinen übers Internet zur Verfügung gestellt, er ist frei zugänglich.

Auch das kulturelle Erbe des mittelalterlichen Waldecks wird der internationalen Forschung so mit wenigen Mausklicks zugänglich.

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