Mobilitätsdaten zeigen starken Anstieg

Menschen in Waldeck-Frankenberg sind wieder mehr unterwegs

Das Auto ist nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel der Deutschen. Der ÖPNV wird noch immer weniger genutzt als vor der Pandemie. Auch auf den Straßen in Waldeck-Frankenberg wie hier auf der Bundesstraße 252 ist viel Verkehr.
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Das Auto ist nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel der Deutschen. Der ÖPNV wird noch immer weniger genutzt als vor der Pandemie. Auch auf den Straßen in Waldeck-Frankenberg wie hier auf der Bundesstraße 252 ist viel Verkehr.

In Waldeck-Frankenberg hat die Mobilität deutlich zugenommen im Vergleich zu vor zwei Jahren, hier bewegen sich die Menschen intensiver als in den Ballungszentren.

Waldeck-Frankenberg – „Wir bleiben Zuhause“ hieß es wochenlang zu Beginn der Corona-Pandemie, und auch im vergangenen Winter waren soziale Kontakte stark eingeschränkt. Jetzt sind die Menschen umso mehr unterwegs. Das geht aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervor.

Die aktuelle Studie, die auf Mobilfunkdaten beruht, zeigt deutschlandweit eine größere Mobilität als noch vor der Pandemie. Für Waldeck-Frankenberg wird sogar an einem Tag ein Anstieg um 46 Prozent angegeben. Diese anonymisierten Daten zu Einreisen und Bewegungen innerhalb des Landkreises beziehen sich auf den 4. September, einen Samstag. Sie wurden mit dem Durchschnitt der Samstage im September 2019 verglichen.

Mobilitätsstudie: Präsensunterricht hat zu mehr Bewegungen geführt

Bei Daten vom 11. August dieses Jahres zum Beispiel wurde für Waldeck-Frankenberg eine Zunahme der Mobilität von 31 Prozent verzeichnet. Dafür wurden die Daten der vorangegangenen 31 Tage herangezogen und mit denen des entsprechenden Zeitraumes aus dem Jahr 2019 verglichen. Die Mobilitätsindikatoren sollen aufzeigen, inwieweit die politisch verordneten Kontaktbeschränkungen während der Pandemie gewirkt haben. Besonders im Frühling 2020 sowie im vergangenen Winter waren die Menschen demnach deutlich weniger unterwegs.

Die Daten geben keinen Aufschluss darüber, wie sich die Menschen fortbewegen und auch nicht über weitere mögliche Ursachen für den starken Anstieg in ländlichen Gebieten und den Rückgang in den Ballungszentren.

Klar ist aber, dass beispielsweise der Präsenzunterricht wieder zu mehr Bewegungen führt. Es mache sich auch bemerkbar, wenn das Gewerbe wieder in vollen Schichten arbeitet, sagt Thomas Grebe, Geschäftsführer der Mineralölfirma und Tankstellenkette Grebe & Sohn aus Korbach. Der Absatz an den Tankstellen befinde sich seit Juni wieder annähernd auf dem Niveau von 2019. Zudem sind wieder mehr Menschen in ihrer Freizeit aktiv. Grebe: „Wir sehen auch an den Wochenenden wieder deutlich mehr Verkehr“.

Anstieg der Mobilität auch am Edersee spürbar

Erstmals seit Beginn der Pandemie haben die Deutschen wieder mehr Distanzen von 30 Kilometern und mehr als in den Sommermonaten des Jahres 2019 (plus 1 Prozent) zurückgelegt. Dies geht aus der Sonderauswertung experimenteller Daten hervor, mit denen das Statistische Bundesamt (Destatis) aktuelle Mobilitätsveränderungen in der Corona-Pandemie abbildet. Experimentelle Daten bedeutet, dass die Studie auf zugelieferten Fremddaten, hier Mobilfunkdaten, basiert.

Mit den Lockerungen der Kontaktbeschränkungen Anfang Juni waren auch sofort mehr Menschen in der Region rund um den Edersee unterwegs, berichtet Claus Günther von der Edersee-Touristic. Dort fänden zwar keine Verkehrserhebungen statt, doch die starke Zunahme der Bewegungen, die mit der Studie zur Mobilität belegt wird, spiegelt auch das wieder, was in der Tourismusregion zu spüren war: „Im Sommer hat der Verkehr zugenommen“. Der „Drang nach draußen“ sei im Sommer groß gewesen – im Sommer 2020 sei dies wegen der vorherigen sehr strengen Kontaktbeschränkungen sogar noch stärker ausgeprägt gewesen.

Viele Gäste reisen mit dem Auto an

Viele Gäste reisen Claus Günther zufolge mit dem Auto an. Ein aktueller Trend sei, dass die Gäste ihre Fahrräder, überwiegend E-Bikes, mitbringen und dann ihre Tour starten. „Das hat extrem stark zugenommen.“ Dass die meisten Urlauber – sowohl Tages- als auch Übernachtungsgäste – mit dem Auto anreisen, bringe vor allem an den Wochenenden eine hohe Verkehrsbelastung mit sich. „Die individuelle Mobilität liegt ganz weit vorne.“ Dieses Phänomen ist durch die Pandemie noch verschärft worden. Viele Reisende verzichteten zunächst auf Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um Kontakte zu reduzieren.

„Doch mein Eindruck ist, dass immer mehr Wanderer den Bus und das Anruf-Sammeltaxi nutzen, um an den Edersee zu gelangen“, so Günther. Am Edersee will man Anreize dafür schaffen, dass Touristen möglichst klimafreundlich unterwegs sind: Mit dem Bahn-Projekt Fahrtziel Natur, mit der Gäste-Card als Ticket für die freie Fahrt mit Bussen und Bahnen sowie einem Klimabonus, den Gäste bei Buchungen als Ausgleich für ihre Anreise mit dem Auto zugunsten von Klimaschutzprojekten zahlen können. (Stefanie Rösner)

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