Sinkender Milchpreis

Die Milch machts derzeit nicht

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Landwirt Heinz-Wilhelm Trümner beklagt die derzeitige Entwicklung des Milchpreises. Er kann mit seinen Milchkühen derzeit nicht kostendeckend produzieren.

Waldeck-Frankenberg. - „Zur Zeit lege ich drauf“, sagt Landwirt Heinz-Wilhelm Trümner. Die Milch, die seine 95 Milchkühe liefern, kann der Landwirt nicht mehr kostendeckend produzieren. Der Grund: Seit dem vergangenen Jahr geht der Milchpreis - das Geld, das ein Landwirt für einen Kilogramm Milch erhält - immer weiter nach unten.

Der Milchpreis bereitet vielen Landwirten derzeit erhebliches Kopfzerbrechen. Bekamen sie vor knapp einem Jahr noch rund 40 Cent pro Kilogramm - die Branche rechnet nicht in Litern - so sind es derzeit nur noch zwischen 28 und 29 Cent je Kilogramm. Für viele Landwirte bedeutet das, dass sie die Milch nicht mehr kostendeckend produzieren können.

So ergeht es auch Heinz-Wilhelm Trümner aus Schiffelbach. Rund 90 000 Liter produzieren seine Tiere pro Monat. Der jetzige Stand des Milchpreises bedeutet also, dass ihm im Monat mehr als 10 000 Euro fehlen. Das Problem: Die Kosten für die Produktion sinken nicht. Um kostendeckend zu arbeiten wäre laut Trümner, der Vorsitzender des Milchausschusses im Kreisbauernverband Marburg-Biedenkopf ist, ein Preis von mindestens 40 Cent nötig. „Zur Zeit lege ich drauf“, sagt er. Den Wegfall der Milchquote, die bis März diesen Jahres geregelt hat, wer welche Menge an Milch produzieren darf, macht der Landwirt nur zum Teil für die fallenden Preise verantwortlich, denn mehr produziert werde nicht, sagt er. Die Molkereien hätten jedoch den Wegfall genutzt, um ihre Preise bereits vorher niedrig anzusetzen, da sie von einer höheren Produktion ausgingen. Ähnlich beschreibt es auch Matthias Eckel, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband Frankenberg.

„Die Krise wurde herbeigeredet“, sagt er und verweist ebenfalls darauf, dass die Produktionsmenge unter dem Niveau des Vorjahres liege, als die Milchquote noch existierte. Von einer Milchschwemme sei zuvor die Rede gewesen, berichtet Eckel. Die Molkereien hätten zudem ihre Lagerkapazitäten erweitert, ergänzt Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Waldeck.

Betroffen sind alle Milchbauern, jedoch haben diejenigen, die vor kurzem noch in ihren Hof investiert haben, am ehesten an der momentanen Situation zu knabbern: „Das ist schon nicht so ohne“, sagt Wetekam.

Wie aber könnte eine Lösung des Problems aussehen? Trümner schlägt vor, durch eine unabhängige Kommission einen Mindestpreis bestimmen zu lassen - abhängig von derzeitigen Standarts und der Produktionskosten. Gleichzeitig solle die Kommission prüfen, wie hoch der Bedarf sei. Ein Ansatz dem Eckel kritisch gegenübersteht: „Auf einem freien Weltmarkt können wir nicht Deutschland oder gar Europa isoliert betrachten“. (ste)

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