Waldeck-Frankenberg

Milchbauern verbrüdern sich mit französischen "Revolutionären"

- Waldeck-Frankenberg (nv). Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: Die Ideale der französischen Revolution schreiben sich derzeit die Milchbauern auf die Fahnen. Am Mittwoch informierte ein französischer Landwirt in Harbshausen über den Milchstreik und rief zur Verbrüderung auf.

„Unsere Forderungen sind klar. Wir brauchen 40 statt 20 Cent pro Liter Milch“, betont Dirk Ulrich vom Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) Waldeck-Frankenberg bei der kurzfristig einberufenen Informationsveranstaltung auf dem Hof Büchsenschütz. Um kostendeckende Milchpreise zu erzielen, stehen die Reduzierung der Milchquote und die Streichung der Saldierung im Mittelpunkt.

Mit der Unterstützung der Molkereien rechnet der Vöhler, der sich bereits am Streik beteiligt und derzeit nur 50 Prozent seiner Milch liefert, nicht. Beim Besuch der Molkerei in Rimbeck am Dienstag sei den Milchbauern ausschließlich Desinteresse und Arroganz entgegengeschlagen. Die Bauern sollten ihr Problem selbst in die Hand nehmen und weniger liefern, habe es aus Reihen der Geschäftsleitung geheißen.

„Ohne die Aussetzung der Saldierung hat das aber keinen Zweck“, hebt Ulrich hervor. Außerdem sei es dem BDM kartellrechtlich untersagt, zum Streik aufzurufen. Da sich die Mitglieder allerdings anschließen dürfen, hatten sich die heimischen Landwirte bereits am Sonntag mit der „Revolution“ der Milchbauern in Frankreich solidarisch erklärt. Den Aufruf zur Verbrüderung übernahm schließlich der Franzose Damien Denault vom BDM-Partnerverband APLI. „Ich bin hier, um an Sie zu appellieren“, betonte der Franzose, der in der Nähe von Nantes einen Betrieb mit 130 Milchkühen bewirtschaftet. Seit eineinhalb Monaten ist er in Sachen fairer Milchpreis unterwegs. „Vier Franzosen reisen im Moment durch Deutschland, um über den Stand der Dinge in Frankreich zu informieren“, ergänzt BDM-Mitglied und Übersetzer Otto Schöneweis (Braunau). Beide Seiten wollen den gegenseitigen Austausch unbedingt fördern, um sich zu unterstützen. „Als die Deutschen im vergangenen Jahr gestreikt haben, haben wir in der Bretagne davon erst im Mai 2009 erfahren“, kritisiert er. Das dürfe nicht noch einmal passieren.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ-Zeitungsausgabe vom 17. September 2009.

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