Edersee: Niedriger Wasserstand in 2011 Katastrophe für Wasservögel

100 Millionen Kubikmeter in 21Tagen

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- Edersee (höh). Innerhalb von drei Wochen ist der Wasserstand im Edersee von 28,3 auf 132 Millionen Kubikmeter angestiegen. Das sind nur noch 6,60 Meter unter Vollstau. Der extrem niedrige Wasserstand im Sommer hatte aus ökologischer Sicht katastrophale Auswirkungen auf die Wasservögel.

Nach lang anhaltender Trockenheit füllen am Jahresende ergiebige Niederschläge und die Schneeschmelze innerhalb kurzer Zeit den Stausee. Am 4. Dezember wurde der niedrigste Wasserstand gemessen: Bei nur 28,4 Millionen Kubikmetern war sogar das Talsperren-Modell an der Bericher Hütte aufgetaucht. Bei einem Zulauf von derzeit 74,5 Kubikmetern Wasser pro Sekunde und einer Abgabe von 10 Kubikmetern steigt der Pegel weiter an. „Wir werden die Abgabe aber in Kürze erhöhen, weil wir in den Hochwasserschutzraum reinkommen“, erläutert Odeo Sigges vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Hannoversch Münden.

Ungewöhnlich früh sank im trockenen Rekordsommer 2011 der Wasserpegel im Edersee – ein Fiasko für die Tourismusbranche und eine Katastrophe für die Tierwelt. Am gesamten Edersee waren die dort brütenden Wasservögel beeinträchtigt, beobachtete Wolfgang Lübcke vom Edertaler NABU. „Insbesondere der Haubentaucher, der hessenweit am Edersee seinen größten Brutbestand hat, konnte keine einzige erfolgreiche Brut zeitigen.“

Negative Auswirkungen hatte der niedrige Wasserstand nach Angaben des Ornithologen auch auf das Laichgebiet der Hechte bei Herzhausen. In diesem Zusammenhang verwies Lübcke darauf, dass Angler seinerzeit die Ausweisung des Naturschutzgebiets „Ederseeufer bei Herzhausen“ als Kinderstube verschiedener Fischarten unterstützt haben. Aus Sicht der Naturschützer sollte der Einstau des Edersees bei Herzhausen unbedingt bis Mitte August gehalten werden, so Lübcke. Das decke zugleich die touristische Hauptsaison ab. Danach könne der Wasserstand allmählich abgesenkt werden, um die verschiedenen Funktionen des Sees zu gewährleisten, vor allem den Hochwasserschutz für die Dörfer im unteren Edertal. „Wenn es bei dem Elbehochwasser in der Ederseeregion zu einem Starkregen gekommen wäre, hätte der volle Edersee keinen Schutz mehr geboten.“

Wichtig sei aus ökologischer Sicht für die untere Eder, dass der Mindestablass aus dem Edersee von sechs Kubikme-tern pro Sekunde gewährleistet ist. „Ansonsten ergäben sich große Schäden für die Fauna des Flusses, der zu den naturnahesten in Hessen gehört.“ Insbesondere für die Charak-terarten der Äschenregion käme es zu Sauerstoffdefiziten.

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