Auto im Test

Lust auf Kurvenhatz im Kultflitzer Mini Cooper SE 

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Der Mini Cooper SE - morgens am Edersee.

Der Mini Cooper SE vereint Kultdesign, Gokart-Feeling und Elektroantrieb. Lifestyle, Fahrspaßund Öko-Vernunft in einem Auto – passt das zusammen? Und bietet der kleine Briten-BMWauch Komfort und praktische Qualitäten?

Das hippe Box-Design im Retrostil haben die Münchener nur marginal geändert: Zwei Zentimeter höher haben sie den Elektro-Mini gesetzt, um die bewährte Antriebstechnik aus dem BMW i3 zu integrieren und die Akkus unter den Fahrzeugboden zu bekommen. So liegt der Gewichtsschwerpunkt tiefer als bei den Mini-Verbrennern für noch mehr Kurvenspaß. Zudem bleibt der Innenraum so groß wie bei den normalen Minis und bietet ausreichend Platz für den Autoalltag.

Hübsches Gesicht mit runden Tagfahrleuchten und geschlossenem Kühlergrill. 

Die etwas erhöhte Karosserie ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen, doch andere Details verraten den Mini-Stromer: die gelben Plaketten mit dem stilisierten E-Stecker, der geschlossene, gewölbte Frontgrill und, na klar, der fehlende Auspuff. Und wer sich für das entsprechende Ausstattungspaket entscheidet, kann sein Ökobewusstsein mit den knallgelben Außenspiegeln und den aerodynamisch optimierten, futuristisch gestylten Felgen zeigen.

Die Ausstattungslinien Trim S, M und L bieten viele Extras (Info: www.mini.de). Schon die Einstiegsvariante Trim S hat ein Connected Navi, Touch-Screen und Sprachsteuerung. Auch die Serienausstattung ist reichhaltig, dazu gehören DAB-Tuner, USB-Anschluss, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Apple Car-Play.

Die dritte Mini-Generation seit Übernahme durch BMW im Jahr 2001 wirkt mit der verlängerten Frontpartie und den größeren Leuchten noch selbstbewusster. Mit dem Facelift 2018 wurde die Optik mit weiteren schönen Spielereien und fortschrittlicher Technik verfeinert – dazu gehören zum Beispiel der Union Jack in den LED-Heckleuchten, LED-Scheinwerfer mit Matrix-Funktion und das neue Mini-Logo.

Originelles Interieur mit Retro-Flair.

Progressiv zeigt sich der Innen-Look mit reich verziertem Cockpit-Szenario: Futuristische Frische meets Classic Design. Die schicke Chromgriff-Fahrertür geöffnet und auf dem bequemen, weich gepolsterten Sportsitz mit perfektem Seitenhalt Platz genommen, hat man das Gefühl von Enge. Ja, hinter den wuchtigen Armaturen kommt trotz digitaler Displays ein Hauch von 60s-Rallye-Historie auf. Dabei bietet der Kleinwagen zumindest auf den Vordersitzen reichlich Platz für Kopf, Schultern und Beine. Hinten geht’s jedoch eng zu, aber der Kofferraum mit der breiten Klappe und niedrigen Ladekante ist erstaunlich praktisch. Immerhin zwei Wasserkisten passen nebeneinander hinein – bei hochgeklappten Rücksitzlehnen.

Highlight des Interieurs ist das tellergroße Zentraldisplay mit Infotainment und dem farbwechselnden LED-Lichtring. Über dem Lenkrad sitzt die Neuheit: der Tacho im flachen Slimdesigngehäuse, mit matter Scheibe und Chargeranzeige. Edel wie das gesamte Interieur, das mit vielfältigen optischen Akzenten spielt. Statt kühlem Purismus zählt Emotion und die Schau von hochwertigen Materialien: Hochglanzelemente in Piano Black, Chrom-Applikationen, griffige Schaltergummis und dick geschäumter Kunststoff auf dem Armaturenbrett.

BMW lässt grüßen bei der ergonomischen Perfektion und bei der leichten Bedienbarkeit. Das System mit Dreh-Drückschalter im Mitteltunnel zwischen den Sitzen ist so intuitiv einfach wie die kinderleichte Menüführung auf dem Touchdisplay.

Coole Kippschalter

Schöne Cockpit-Details sind die Chrom-Kippschalter im Retrodesign. Einer ist für die Zündung – kurz angetippt, schon ertönt das weit klingende Erkennungsgeräusch. Mit einem leisen Surren setzt sich der kleine Stromer in Bewegung. Nur dezenten Abrollgeräusche begleiten die leise Fahrt.

Kurzer Halt unterhalb von Schloss Waldeck.

Ein Fußtipp auf das „Gaspedal“, schon rast der Mini los. Mit dem „One-Pedal-Driving“ fühlt man sich ein bisschen wie im Autoscooter. Zum Bremsen einfach das Gaspedal nachlassen. Wen die starke Verzögerung stört, kann die Rekuperation zur Energierückführung einfach am linken Kippschalter minimieren und an der Kreuzung länger gleiten lassen. Und zum abrupten Stoppen gibt’s ja noch das Bremspedal.

Mit dem rechten Kippschalter, dem Toggle, lässt sich das Fahrerlebnis und die Effizienz einstellen. Das geht in vier Modi: SPORT, MID, GREEN und GREEN+. Das Leistungsabgabe variiert bei diesen Einstellungen nur wenig, selbst im grünen Sparmodus wirkt der Mini quicklebendig. In SPORT ist das Ansprechverhalten etwas spitzer, und bei Green+ werden Stromverbraucher wie die Klimaanlage ausgeschaltet. Besonders harmonisch und trotzdem spritzig wirkt das Fahren in der gelb leuchtenden MID-Einstellung. Wunderbar gleichmäßig und geschmeidig gleitet der Mini so dahin und lässt sich trotzdem in jeder Fahrsituation vehement beschleunigen. 184 PS und 270 Nm – die drücken beim Kickdown mächtig in die Sitze. Beim Start an der Ampel dürften nur Ferraris oder Porsches mithalten. 

In den Kurven reagiert der Mini extrem zielgenau und spurtreu. Ganz gleich wie scharf die direkte, mit gefühlvoll starken Widerstand rückmeldende Lenkung eingeschlagen wird. Wer besonders flott in die Biegung schießt, könnte den Fronttriebler sogar zum Driften bringen, zumal das ESP abschaltbar ist – schade, dass die Handbremse elektrisch ist. Auf jeden Fall macht sich die mittige Gewichtsverteilung und der niedrige Schwerpunkt in jeder Kurve wieselflink bemerkbar. Die 150 Kilogramm mehr gegenüber dem S-Benziner fallen kaum ins Gewicht. Träges Untersteuern - wie man es von den meisten Frontantrieblern her kennt - gibt auch bei flotter Fahrweise nicht. Dazu passt das straffe Sportfahrwerk, das trotz sensiblem Ansprechverhalten der Stoßdämpfer ausreichend Restkomfort lässt. Löcher oder andere Straßenunebenheiten im Asphalt schluckt der Elektromini spürbar souveräner als sein technischer Bruder BMW i3.

Heckleuchten mit Union Jack.

Mit seinem agilen Charakter und der kompakten, übersichtlichen Karossierie spielt der Mini SE seine Stärken auch in der City aus. Mit den vielen Starts und Stops im Verkehr lässt sich die Rekuperationsleistung - die Energierückgewinnung beim Bremsen - besonders effizient einsetzen. So beruhigt der Blick auf den Verbrauchswert: 15,1 kWh/100 km steht am unteren Rand des Bildschirms. Selbst bei sportlicher Fahrweise reicht das für etwa 200 Kilometer. Ok, die Reichweite ist nicht so groß wie bei den meisten aktuellen Konkurrenzmodellen, aber allemal ausreichend zum täglichen Arbeitsplatz-Pendeln oder Shopping-Ausflug in die City.

Auch beim Lademanagement ist der Mini Cooper SE up to date: Bei Wechselstrom schafft er bis zu elf Kilowatt Ladeleistung. Die relativ kleine 32,6-kWh-Batterie ist zu Hause an der Wallbox nach gut drei Stunden wieder komplett gefüllt. Und mit Gleichstrom (CCS) ist sogar eine Ladeleistung von 50 kW möglich. Das bedeutet: Schon nach 35 Minuten stehen an einer 50-kW-Schnellladestation 80 Prozent der Kapazität bereit und nach 85 Minuten ist der Mini voll geladen.

Fazit: Der coole Mini Cooper SE mit seinem agilen und geschmeidigen Fahrverhalten begeistert mit Fahrspaß, Komfort und Vernunft. Mit dem Retro-Future-Flitzer aus Oxford wird man zum Pendelgleiter, Kurvenräuber, Ökofreak, Cent-Fuchser – oder von allem etwas.  

Mini Cooper SE

E-Motor: permanenterregte Synchronmaschine

Batterie: Lithium-Ionen-Batterie mit 32,6 kWh

Leergewicht: 1415 kg

Leistung: 135 kW/184 PS

Max. Drehmoment: 270 Nm

Getriebe/Antrieb: Einstufen-Automatik, Vorderradantrieb

Beschleunigung: 0 - 100 km/h 6,7 s

Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h

Bremsweg aus 100 km/h - kalt/warm: 36,3/35,1 m

Verbrauch (Test/EU): 15,1, 14,8 kWh

Reichweite: 235 - 270 km, im Test etwa 200 km

CO2-Ausstoß (EU): 0 g/km

Grundpreis: 32.500 Euro

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