Freispruch für Angeklagten

Vater soll Tochter missbraucht haben: Doch es fehlen Beweise

Statue der Justitia
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Das Marburger Landgericht hat einen 52-Jährigen aus dem Frankenberger Land vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter freigesprochen.

Ein Mann aus Frankenberg wurde vom Gericht in Marburg vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter freigesprochen. Die Beweislast war zu dünn.

Marburg – Das Marburger Landgericht hat einen 52-Jährigen aus dem Frankenberger Land vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner Tochter freigesprochen.

Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag bestritten, sich an dem Kind vergangen zu haben. Zum Schutz der Intimsphäre des Opfers, aber auch des Vaters, fand der Prozess fast ausschließlich hinter verschlossenen Türen statt. Nur zur Urteilsverkündung und zur Anklageverlesung war die Öffentlichkeit zugelassen.

Staatsanwältin Janina Pristl hatte dem Mann vorgeworfen, zwischen 2005 und 2007 seine damals zwischen neun und zwölf Jahre alte Tochter mindestens 47 Mal missbraucht zu haben. Immer wieder habe er sie unsittlich berührt, sei auch in den Körper eingedrungen. Am Ende plädierte sie wie Verteidiger Volker Fritze auf Freispruch. Dem folgte das Gericht.

„Nach der Beweisaufnahme konnte die Kammer sich nicht mit der nötigen Sicherheit davon überzeugen, dass er die ihm in der Anklage vorgeworfenen Taten begangen hat“, begründete Richter Gernot Christ das Urteil. Er machte aber auch deutlich, dass das Gericht nicht gänzlich von der Unschuld überzeugt sei. „Die wirkliche und die prozessuale Wahrheit liegen leider manchmal auseinander.“ Die Beweismittel reichten nicht, um Zweifel an der Schuld zu beseitigen.

Die Hauptbelastungszeugin habe zwar auch vor Gericht, wie bereits bei früheren Vernehmungen, ihren Vater belastet. Es gebe viele Konstante und Realkennzeiche, aber auch Widersprüche. Zudem lagen zwischen den Vorfällen und der Anzeige zehn Jahre. Eine aussagepsychologische Begutachtung hätte deshalb erfolgen sollen. Daran habe die Zeugin aber nicht mitwirken wollen. Das sei verständlich, aber die Sachverständige habe deshalb die Glaubwürdigkeit der Aussagen nicht zweifelsfrei bestätigen können.

Die andere Tochter des 52-Jährigen, laut Christ „möglicherweise selbst Geschädigte“, habe als direkte Verwandte die Aussage verweigert. „Das ist ihr gutes Recht, aber sie hätte auch zur Aufklärung beitragen können. Damit muss die Familie jetzt leben.“ Er hoffe, dass sie ihr Verhalten nicht irgendwann bereue, jetzt sei es zu spät.

Abschließend verwies der Vorsitzende noch darauf, dass auch wenn es diesmal nicht zu einer Bestrafung kam, Aussage gegen Aussagesituationen nicht zwangsläufig dazu führte. „Niemand soll glauben, er finde sowieso kein Gehör“, betonte Christ. In den meisten Fällen komme es beim Vorwurf von Sexualstraftaten auch dann zu einer Verurteilung. „Aber jeder Fall muss neu beurteilt werden. Hier gab es Lücken, die wir nicht schließen konnten." kse

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