Unterricht für Flüchtlinge · Ortenbergschule setzt auf Kontakte mit anderen Mitschülern

Von den Mitschülern lernen

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Internationale Schülerschaft: Flüchtlinge werden in der Ortenbergschule in Frankenberg in einer Intensivklasse unterrichtet. Einige der Schüler zwischen 13 und 17 Jahren aus Syrien, Afghanistan und Guinea sowie Schulleiterin Cornelia Schönbrodt (l.) , die Lehrerinnen Marianne Pelich (2. v. l.) und Nina Hofmann (hinten r.) und die Schulsprecher Paulus Engel (l.) und Saskia Nemete (r.).Foto: Biedenbach

Waldeck-Frankenberg - Die Frankenberger Grund-, Haupt- und Realschule Ortenberg bekomme zwar immer wieder neue Flüchtlingskinder zugewiesen, aber sie komme damit gut klar, sagt Schulleiterin Cornelia Schönbrodt. „Wir sind nicht an unseren Grenzen angelangt.“

Der prozentuale Anteil der Flüchtlingskinder liege derzeit im einstelligen Bereich. Die Schule hat viel Erfahrung mit Schülern mit Migrationshintergrund - schließlich besuchen Kinder und Jugendliche aus rund 30 verschiedenen Sprachkreisen die Einrichtung.

In der Intensivklasse, in der Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren intensiven Deutschunterricht erhalten, sind aktuell die Geschwister Nora (13) und Saber (14) aus Syrien hinzugekommen. Sie hatten in ihrem Heimatland schon Englischunterricht, müssen also das deutsche Alphabet nicht erst lernen. Außerdem können die Lehrerinnen Marianne Pelich und Nina Hofmann sich in Englisch mit ihnen verständigen, das macht es einfacher.

Flüchtlingskinder regulären Klassen zugeordnet

Den Unterricht in der Intensivklasse besuchen an diesem Tag noch drei Jugendliche: Die beiden 17-jährigen Afghanen Egramolah und Esmail sind vor neun Monaten in Deutschland angekommen und können schon etwas Deutsch. Mit dem 16-jährigen Laye aus dem westafrikanischen Guinea sprechen die Lehrerinnen Französisch, wenn sie mit Deutsch nicht weiterkommen.

Der Schule ist es wichtig, dass die Schüler der Intensivklassen so oft wie möglich mit Schülern ihres Alters in Kontakt kommen. „Deshalb haben wir sie regulären Klassen zugeordnet. Dort nehmen sie in Fächern wie Englisch, Kunst und Sport am Unterricht teil“, sagt die Schulleiterin. „Wir schaffen so Sprechgelegenheiten. Dabei lernen sie erfahrungsgemäß am schnellsten Deutsch.“

Auch für die deutschen Schüler habe dies Vorteile. Sie lernten nicht nur neue Kulturen kennen, sondern sie verständigten sich mit den Neuankömmlingen gelegentlich auch in Englisch. „Das freut mich als Englischlehrerin besonders“, sagt Schönbrodt.

Das Konzept der Intensivklassen ist auf zwei Jahre angelegt. Danach sollen die Schüler so weit sein, dass sie in allen Fächern in den Regelklassen unterrichtet werden können.

Die Schulsprecher Paulus Engel und Saskia Nemete erleben keine besonderen Vorkommnisse durch die Flüchtlinge.

„Mobbing auf dem Schulhof ist zwar generell immer wieder mal ein Thema. Aber das betrifft nicht speziell die Flüchtlinge“, sagen sie. Dadurch, dass sie Mitschüler aus anderen Kulturkreisen in ihren Klassen haben, wissen sie auch: „Die haben die selben Interessen wie wir. Die hören gerne Musik und spielen gerne Fußball.“

Der Schülerbeirat organisiert Spendenaktion

Der Schülerbeirat der Ortenbergschule organisiert eine Spendenaktion für die Flüchtlingskinder. „Wir wollen alle Eltern anschreiben und sie um Sachspenden bitten“, sagt Schulsprecher Paulus Engel. Gebraucht würden vor allem Schulmaterialien wie Stifte, Hefte, Federmäppchen, Schulranzen oder Rucksäcke.

Auch Bücher und Gesellschaftsspiele würden gerne genommen. „Wir werden auch Waffeln backen und den Erlös dafür zur Verfügung stellen“, ergänzt seine Kollegin Saskia Nemete.

Wer für die Flüchtlingskinder an der Ortenbergschule in Frankenberg spenden möchte, kann sich an die Ortenbergschule wenden, Telefon 06451/23519.

Von Martina Biedenbach

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