Gefährlicher Einsatz in Battenberg

Moderne Technik rettet DRK-Helfern das Leben

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Die DRK-Rettungsassistenten André Theis und Jens Köster zeigen die CO-Warner. Sie stehen auf „null“, messen also momentan kein Kohlenmonoxid. Ab einem Wert von 30 ppm („Parts per million“) schlagen die Geräte Alarm.Foto: Mark Adel

Battenberg/Frankenberg - Sie wollten mit dem Grill die Wohnung heizen und merkten nicht, dass sich das Wohnzimmer mit giftigem Kohlenmonoxid füllte: Eine Frau und ein Mann mussten in der Nacht zu Freitag mit Rettungshubschraubern in Spezialkliniken geflogen werden. Der Rettungseinsatz hätte in einer Katas­trophe enden können, doch die Helfer des DRK sind erstmals vor dem gefährlichen Gas gewarnt worden.

Es klingt nach einem normalen Einsatz für Jens Köster und André Theis. Die beiden Rettungsassistenten des Frankenberger DRK haben Nachtschicht und gerade einen Einsatz absolviert, als die Leitstelle einen weiteren Notfall meldet: In einer Wohnung in Battenberg liege eine bewusstlose Person.

Theis und Köster fahren am Donnerstagabend gegen 22.45 Uhr zum angegebenen Haus. Der Notarztwagen ist noch unterwegs, er wird etwas länger brauchen. „Bewusstlose Person“ - für die professionellen Retter sind solche Notfälle der Alltag. Doch dieser Einsatz verläuft alles andere als normal.

Der Bewohner, der auch den Notruf gewählt hatte, lässt die beiden ins Haus. Der 48-jährige Battenberger hat Besuch von einer 36-jährigen russischen Bekannten. Beide haben gegrillt. Am späten Abend tragen sie den Grill in die Wohnung, die noch glimmende Kohle soll für behagliche Wärme sorgen.

Doch das dabei entstehende Kohlenmonoxid (CO) wirkt wie ein Betäubungsmittel. Die 36-jährige Frau sinkt zu Boden, schlägt sich den Kopf auf und wird bewusstlos. Der Mann spürt nichts, er kann den Notruf wählen.

Doch als die beiden Rettungsassistenten die Wohnung betreten, lösen die CO-Warner aus. Es ist ein ungewohntes Geräusch. Die Melder sind erst seit einer Woche in Gebrauch. Zwar schlagen die Geräte nicht nur in Notfällen an, sondern auch bei weniger dramatischen Fällen - etwa bei Blähungen ihres Trägers. Doch dass beide Geräte zeitgleich piepsen und stark erhöhte Werte anzeigen, kann kein Zufall sein. Was ohne die Geräte passiert wäre, weiß niemand. „Wir hätten sicherlich erst mal die Haustür geschlossen und die Patientin in der Wohnung untersucht“, sagt Jens Köster. Als der Alarm jedoch schrillt, reagieren beide schnell: Weil die Frau direkt hinter der Wohnungstür liegt, tragen sie sie sofort ins Freie. Dann alarmieren sie die Battenberger Feuerwehr, damit die Kameraden das Haus unter Atemschutz betreten und lüften können.

Seit etwa einem Jahr können die Frankenberger Retter den CO-Gehalt im Blut messen. Sie stellen fest: Auch der Mann hat das gefährliche Gas eingeatmet. Nach der Erstversorgung werden zwei Rettungshubschrauber angefordert, die am Frankenberger Krankenhaus und am Katastrophenschutzzentrum landen. Die Frau wird in das Rhein-Main-Klinikum Wiesbaden, der Mann in eine Klinik in Halle an der Saale geflogen.

Nach Polizeiangaben verfügen die Kliniken über spezielle Druckkammern zur Behandlung von CO-Vergiftungen. Lebensgefahr besteht den Angaben zufolge nicht - wahrscheinlich auch, weil die Rettungsassistenten nach der Warnung so schnell reagierten und beide Opfer aus der Wohnung holten.

Die Frankenberger DRK-Einsatzkräfte sind die ersten im Landkreis, die mit den neuen CO-Warnern ausgerüstet sind. Die anderem Rettungsdienste sollen folgen. Vor zwei Jahren waren die Retter in großer Gefahr, als ein junger Mann in Allendorf (Eder) mit Kohlenmonoxid Suizid beging, auch sein Bruder atmete das Gas und starb. Nach ähnlichen Vorfällen überall in Hessen gilt die Empfehlung für Rettungsdienste, die CO-Warner einzusetzen.

Das hat Helfern und Patienten am Freitagmorgen möglicherweise das Leben gerettet, glaubt André Theis. „Wenn der Einsatz vorbei ist und du drüber nachdenkst, wird dir bewusst: Du hast dem Ding einiges zu verdanken. Das hat uns gerettet.“

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