Waldeck-Frankenberg

Münden und Landau gewinnen Wettbewerb

- Waldeck-Frankenberg (resa). 22 Dörfer warteten am Freitag gespannt auf die Entscheidung der Jury. Am Nachmittag standen die Sieger des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ dann endlich fest: Münden und Landau machten das Rennen.

Insgesamt sechs Dörfer zeichnete die Jury, die Mitte August in Waldeck-Frankenberg unterwegs gewesen war, aus. In der Gruppe A waren drei Dörfer angetreten: Die Mündener machten mit 89,55 Punkten das Rennen, dahinter plazierten sich Mühlhausen mit 86,50 Punkten und Frohnhausen mit 82,64 Punkten. Während der Erstplatzierte sich nicht nur über die Teilnahme am Landeswettbewerb, sondern auch über 3000 Euro freuen darf, liegen die Preisgelder für Platz zwei und drei bei 2000 und 1000 Euro.

In der Gruppe zwei, in der 19 Dörfer angetreten waren, gewannen die Landauer deutlich mit 92,05 Punkten. Dahinter liegen Hommershausen mit 87,33 Punkten und Lengefeld mit 86,42 Punkten. Die Preisgelder staffeln sich wie in Gruppe A.

Außerdiem verlieh die Kommission folgende Sonderpreise, die mit jeweils 150 Euro dotiert sind:

- Neu-Berich für die umfassenden Aktivitäten des Fördervereins Bericher Geschichte - Wiesenfeld für die Bewahrung und Pflege der gemeinsamen französischen und christlichen Geschichte als Hugenotten- und Waldenserdorf - Vasbeck für die vorbildlichen Aktivitäten des Schwimmbadfördervereins - Schreufa für die außergewöhnliche gemeinschaftliche und herzliche Begrüßung von Neubürgern - Helmscheid für das außergewöhnliche “Wir-Gefühl“ der Bevölkerung sowie das hohe Engagement zur Gestaltung des Dorfes - Waldeck-Ober-Werbe für die Entwicklung des “Sanften Tourismus“ sowie für Familie Hartmut Simon für die Erhaltung der alten Schule und der Anlage und Pflege des Rosen-/Kirchgartens- Waldeck-Freienhagen für die intensive kooperative Arbeit zwischen Kindergarten und Grundschule

"Wir sind sicher, dass Münden und Landau den Landkreis beim Landesentscheid 2012 gut vertreten werden", erklärte Sigrid Göbel, Leiterin der Bewertungskommission, "und wir ebdanken uns für die vielen gelungenen Präsentationen und die Gastfreundschaft aller Orte".

Mehr dazu lesen Sie in der Waldeckischen Landeszeitung und Frankenberger Zeitung von Samstag, 10. September 2011.

Begründung der Kommission:

Gruppe A: Lichtenfels-Münden

Der ehemalige Dorferneuerungs-Förderschwerpunkt Münden (ausgelaufen im Jahr 2009) hat sich nicht nur sehr intensiv mit dem jetzigen Stand des 414 Einwohner zählenden Dorfes beschäftigt, sondern blickt auch weit in die Zukunft. Im Vorfeld des Wettbewerbs wurde eine Karte erarbeitet, die sich mit Themen wie alternative Energien (es gibt eine Biogas-Anlage sowie zahlreiche Gebäude mit Solar/Photovoltaik – u. a. auch die im Rahmen der Dorferneuerung (DE) geförderte Festhalle), Gewerbe und dem Problem „Leerstand im Dorf“ beschäftigt. Dabei wurde festgestellt, dass 14 ehemals leer stehende Gebäude in den letzten Jahren einen neuen Besitzer gefunden haben, ein Erfolg, den man mit Vermarktungsstrategien und besonderer Begrüßung der Neubürger weiterführen möchte. Auch die interkommunale Zusammenarbeit durch den „Kommunalen Serviceverbund Eisenberg“ ist hierbei sicher hilfreich, die Kommune stützt, wo es geht. Dies macht sich auch in den kommunalen Daten der DE bemerkbar: Neben zahlreichen grünordnerischen Projekten (Spielplätze, Außenanlagen, Friedhof, Anpflanzungen) konnten auch kostenintensive Hochbaumaßnahmen wie die Festhalle inkl. Feuerwehr und Außenanlagen realisiert werden. Besonderer Glücksgriff für das Dorf war der Erwerb des ehemaligen Pfarrhauses durch die Stadt Lichtenfels und der Ausbau zum Kindergarten (KiGa) sowie Gemeinschafts- und Jugendräumen. Auch mit dem Rückbau der dortigen Anliegerstraße, dem schön gestalteten Kirchhof um die beeindruckende Dorfkirche mit neuem, behindertengerechtem Zugang und der liebevollen Anlage der Freifläche um den KiGa wurde in der Ortsmitte ein „Schmuckkästchen“ der besonderen Art geschaffen, gleichzeitig erhielt der Ort einen neuen Treffpunkt. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass der eh. KiGa (altes Dorfgemeinschaftshaus) von der Familie Brandt erworben und zu 3 Mietwohnungen umgebaut wurde – eine vorzeigenswerte Nutzung der vorhandenen Bausubstanz. Natürlich hat die DE auch sonst in der privaten Baugestaltung positive Spuren hinterlassen: zahlreiche Fachwerkgebäude sind vorbildlich saniert, aus- oder umgebaut, die schönen Gärten und großen Haus-/Hofbäume runden das harmonische Bild ab. Bereits beim Empfang der Kommission demonstrierte Münden sein harmonisches, aktives Miteinander: Durch ein langes Spalier, welches alle 13 Vereine im Dorf - zum größten Teil in Uniform oder einheitlichen T-Shirts – repräsentierte, wurden die Mitglieder der Bewertungskommission in die neu renovierte, farblich schön gestaltete Festhalle geleitet. Neben größeren Vereinen wie z. B. Schützenverein, TSV, Karnevalsverein, Feuerwehr, Heimat- und Verkehrsverein sind es auch 3 Chöre, die Landfrauen, der Hausfrauen-, der Senioren- und der Motorradclub, die das dörfliche Leben gestalten. Zur Organisation der 975-Jahr-Feier in 2003 wurde ein Kultur- und Förderverein unter Teilnahme aller Mündener ins Leben gerufen. Die jüngste Gruppierung ist der Förderverein des KiGa, der sich besonders für Erhalt und Ausbau (Erweiterung der Öffnungszeiten, Nachmittagsbetreuung, Krabbelgruppe) des KiGa einsetzt. Kinder und Jugendliche sind daher in Münden gut aufgehoben – das zeigt auch das geplante Projekt „Alt lernt Jung (z. B. kochen, backen, Reifen wechseln) – Jung lernt Alt (z. B. PC-Kenntnisse, Internet)“. Aber auch Traditionen wie Platt-Schwatzen, alte Hausnamen oder das Tragen von Trachten werden aufrechterhalten. Die Grundversorgung des Dorfes ist durch einen neuen kleinen Bauernladen, Direktvermarktung und Fahrdienste gesichert, zusätzlich zu dem vorhandenen Landgasthof wurde ein neuer Treffpunkt im eh. Gefrierhaus geschaffen. Das „Montagsgrillen“ des Heimat-und Verkehrsvereins ist ein allgemein bekannter Termin im gut gefüllten Jahreskalender des Dorfes an Aar und Orke. Zusätzliche Arbeitsplätze finden sich bei den landwirtschaftlichen Betrieben, 2 Schreinereien, einer Autowerkstatt sowie einem Friseursalon. Münden hat sich noch einiges vorgenommen, um in der Zukunft bestehen zu können, die Kommission ist sich sicher, dass sich noch viel tun wird getreu dem vom Ort gewählten Motto: „Gemeinsam eine lebenswerte Zukunft für uns in Münden gestalten“.

Gruppe B: Bad Arolsen-Landau

„1000 Schritte in die Zukunft – gute Antworten auf den demographischen Wandel und andere Herausforderungen“ - dies verspricht das herausragende Gemeinschaftsprojekt „Landliebe“ von Landau – die Bereisung zeigte, dass hier nicht zu viel versprochen wurde! Der unter Denkmalschutz stehende alte Ortskern von Landau (1106 Einwohner) liegt - idyllisch anzusehen - auf einer kleinen Bergkuppe – doch die Zeit ist hier nicht stehen geblieben. Mit viel Elan widmete man sich den anstehenden Problemen wie z. B. des demographischen Wandels – Leerstand im Ortskern - , der Erhaltung der Grundschule, dem drohenden „Aus“ des Alten- und Pflegeheims im Jahr 2008/2009, den Projekten Kinderbetreuung, Wasserkunst, Freibad, Erneuerbare Energien (Pro Windkraft, eine Windmühle in Hand der Landauer Bürgerschaft), Kirchensanierung, und, und, und…..Alle Projekte und Ziele aufzulisten, die die verschiedenen Projektteams („jeder kann sich beteiligen“) verfolgen, würde hier zu weit führen – der Blick ins Internet unter www.bergstadt-landau.de lohnt garantiert! (siehe auch Anlage!) Die Leitlinie des Dorfes „Vielfalt erhalten – unsere Zukunft gestalten“ ist überall spürbar, in nahezu allen Bereichen ist man aktiv, um sich für die Zukunft zu rüsten: So gelang es gemeinsam tatsächlich im Schloss Landau mit einem Modellprojekt „Wohnen am Park“ eine neue Konzeption für betreutes Wohnen, Pflege-/Seminarhotel/Cafe sowie Räumlichkeiten für die Dorfbewohner inkl. Kino zu schaffen. Dabei können die dortigen Angebote auch von Dorfbewohnern genutzt werden (z. B. Friseur, Fußpflege), der Förderverein für Jung und Alt sorgt für Programm, übernimmt Fahrdienste, die Kinder des Dorfes gehen im Haus ein und aus. Der Park mit altem Baumbestand und neu gestaltetem Garten als Therapie- und Sinnesgarten ist Standort des jährlichen Weihnachtsmarktes und fester Bestandteil der Gartenroute Eder Lahn Diemel sowie Erholungsort für alle Besucher. In ähnlicher Weise geht es weiter bei der Grundschule „Am Kump“, eine der kleinsten Grundschulen des Landkreises: Die Schule wurde 2003 umfassend saniert, ein moderner Aufgang kam hinzu, doch die Schülerzahlen entwickelten sich rückläufig. Mit modernen Unterrichtsformen (Umweltschule), einer Betreuung bis 16.00 Uhr, kostenlosem ehrenamtlichem Nachhilfeunterricht versucht man, das Einzugsgebiet zu erweitern und dadurch den langfristigen Erhalt der Schule zu sichern. Eine ehrenamtlich betriebene Bücherei im Ort rundet dieses Angebot ab. Für nahezu alle Bereiche gibt es derartige Konzepte und viele freiwillige Helfer, die sich z. B. das Projekt Torbogen, Wasserkunst (seit 1981 vom Verein saniert und betrieben, Brückenbau, geplanter Wasser-Erlebnis-Pfad) oder Freibad (seit 2004 vom Verein übernommen) auf die Fahnen geschrieben haben. Größere Feste wie z. B. das Schützenfest, das mittelalterliche Spektakulum oder den Gartenzauber meistert der Ort vorbildlich – auch hier arbeiten alle Hand in Hand. Auch die musischen, sportlichen und traditionellen Aktivitäten wie z. B. der Schützengilde prägen das dörfliche Leben.Nahezu alle öffentlichen Gebäude im Ort sind vorbildlich saniert: Im Kern gibt es das alte Rathaus, die Kirche, die Schule usw., die privaten liebevoll sanierten Fachwerkgebäude runden das harmonische Bild ab. In den Bereichen „Bürgerschaftliche Aktivitäten“ und „Grün“ ist der Ort kaum mehr zu überbieten: Der alte Baumbestand unterhalb der Stadtmauer um den Berg, die naturnah gestalteten Gewässer und die zahlreichen reich strukturierten Hausgärten laden zu einem Besuch in Landau ein! Die Dorfbewohner werden dafür sorgen, dass das gesellige Miteinander und das kulturelle Leben nicht zu kurz kommen – da ist sich die Jury sicher! Vielleicht kann ja eine gemeinsame Dorferneuerung mit z. B. Neu-Berich und Braunsen hier viel Hilfe leisten.

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