Momente im Advent: Weihnachtsstimmung im Seniorenheim

Musikalische Erinnerungen

Frankenberg - Ein Klavier, eine Flöte und alte Weihnachtslieder - das ist alles, was Luise Bittner und Christa Gelbach brauchen, um schon einige Tage vor dem eigentlichen Fest Weihnachtsstimmung zu schaffen, Erinnerungen zu wecken und Freude zu bringen.

Es ist ein kühler, unfreundlicher Abend, der Wind bläst Regentropfen an die Fensterscheiben des Altenheims Auf der Burg. Obwohl die Festtage nahen, ist die Stimmung alles andere als weihnachtlich. Doch das ändert sich in nur wenigen Augenblicken.

Luise Bittner ist zum Musikmachen ins Altenheim gekommen. Sie hat ein kleines Weihnachtsbäumchen auf einen Tisch im Speisesaal gestellt, kleine Lichter leuchten daran. In den Stuhlreihen haben knapp 20 Senioren - fast nur Frauen - Platz genommen. Eine Mitarbeiterin des Altenzentrums und zwei ehrenamtliche Helferinnen verteilen geschäftig Liederbücher und Apfelpunsch.

Luise Bittner setzt sich ans Klavier, Christa Gelbach greift zur Flöte. „Süßer die Glocken nie klingen“ haben sie als erstes Stück für den Abend ausgewählt. Nach ein paar Takten singen einige Senioren mit. Seit dem Frühjahr kommt Luise Bittner regelmäßig zu Singstunden ins Altenheim. Eine Mitarbeiterin des Altenzentrums hatte die Frankenbergerin angesprochen, ob sie ab und zu Musik für die Bewohner machen würde.

Luise Bittner sagte zu - und brachte bald Verstärkung mit: Christa Gelbach, die sie zunächst beim Gesang, später auch mit Flöte oder Gitarre unterstützte. „Gerade bei den Weihnachtsliedern passen Flöte und Klavier wunderbar“, freut sich Bittner.

Manche Bewohner singen mit ihr, einige hören ihr nur zu, wieder andere summen leise vor sich hin. Es geht ohnehin nicht darum, wie ein Chor zu klingen. Luise Bittner möchte die Freude an der Musik vermitteln. Die Musik war immer Teil ihres Lebens. „Ohne Singen kann ich einfach nicht“, sagt die ehemalige Grundschullehrerin, die seit 60 Jahren Mitglied der Kantorei ist. Bei den Singstunden im Seniorenheim hat sie das Gefühl, „Menschen zu erreichen und zu bereichern“, sagt sie, „auf eine ganz einfache Art und Weise: über die Klänge“. Dass sie selbst Freude daran hat, mit den Senioren zu musizieren, ist offensichtlich.

Die 76-Jährige weiß, welche Stücke die älteren Herrschaften auswendig kennen - es sind die Klassiker: „Ganz viele Texte sind noch da.“ Nicht nur zur Weihnachtszeit wählt sie deshalb gern die althergebrachten Volkslieder aus. Auch an diesem Abend wünschen sich die Senioren die traditionellen Lieder: „Stille Nacht“, „O du fröhliche“ oder „Vom Himmel hoch“. Dabei sind die Bewohner so textsicher, dass die Stimmen plötzlich fester, die Melodien sicherer werden.

Doch die Damen und Herren im Altenheim sind nicht nur auf Bekanntes festgelegt. Zu Beginn der Adventszeit baten sie Luise Bittner darum, mit ihnen „Als ich bei meinen Schafen wacht“ einzuüben.

Die 76-Jährige geht noch einmal den Text mit ihnen durch, erläutert Zeile für Zeile die Bedeutung und lässt sie die Worte „benedicamus domino“ am Ende laut aussprechen, damit sie später beim Singen leichter über die Lippen gehen.

Dann dämpft Luise Bittner das Licht in dem großen Raum. Die kleinen Lampen am Bäumchen scheinen ein wenig heller zu strahlen, die Stimmung ändert sich. Plötzlich kehren Ruhe und Besinnlichkeit ein. Bittner spielt und singt „Maria durch ein Dornwald ging“.

Der Gesang ist leise, beinahe vorsichtig - und Bittner bewahrt diese Stimmung auch beim nächsten Lied: „‚Stille Nacht‘ singen wir leise, daraus machen wir keine große Musik“. Denn große Musik ist es ohnehin - und tief in der Erinnerung der Senioren verankert: Sie singen sofort mit. Anders als bei anderen Stücken braucht Luise Bittner die einzelnen Verse nicht anzusagen.

In die Stille hinein, die auf die letzten ruhigen Klänge folgt, sagt eine Seniorin dankbar: „Das war schön“.

Von Andrea Pauly

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