Aktualisierte Busfahrpläne jetzt auf EWF-Internetseite 

Busfahrer krank, Schulfahrten fielen aus: Abgespeckte Fahrpläne für Freitag

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Busse kamen nicht: Hunderte Schüler kamen am Donnerstag nicht in die Schule.

Waldeck-Frankenberg. Hunderte Schüler sind am Donnerstag zu spät oder gar nicht zum Unterricht gekommen. Der Grund: Zahlreiche Mitarbeiter des für die Schülerbeförderung zuständigen Omnibusbetriebs Reinius aus Frankenau hatten sich gleichzeitig krank gemeldet.

Das Unternehmen hatte damals für die Linien zwischen Korbach, Vöhl, Lichtenfels, Frankenau und Frankenberg die Ausschreibung für den Schülertransport gewonnen (wir berichteten). Am 24. Juli dieses Jahres ist für die Firma dann beim Insolvenzgericht in Marburg der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt worden.

Aktualisiert um 17.40 Uhr

Im Auftrag von Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) bediente das Unternehmen bislang mehrere Schulrouten in der Region. Weil sich nun spontan mehrere Busfahrer krank meldeten, blieben am Donnerstag viele Kinder an den Bushaltestellen stehen. 

Carsten Koch, Rechtsanwalt aus Kassel und vorläufiger Insolvenzverwalter, bestätigt auf Nachfrage, dass sich elf oder zwölf Fahrer kurzfristig krank gemeldet hätten. Die Löhne seien aber gezahlt worden. „Wir sind uns bewusst, dass das ein riesen Problem für die Schüler ist“, sagte er. Man versuche jetzt, den Betrieb aufrecht zu erhalten und suche mit Hochdruck nach Ersatzfahrern. 21 Mitarbeiter hat der Betrieb, dazu kommen einige Aushilfen. Etwa 16 Busse gehören dem Betrieb an.

„Die Situation ist absolut unbefriedigend“, sagte Ilona Krug, Leiterin der Mittelpunktschule Goddelsheim. „Heute ist der Super-GAU eingetreten.“ Zahlreiche Eltern hätten bereits verärgert angerufen, doch denen könne sie keine Antwort geben, weil sie selbst nichts wisse.

Schon am Mittwoch seien zwei Abfahrten nach Korbach ausgefallen, 50 Schüler seien betroffen gewesen, berichtet Erik Wohlfart, Leiter der Ederseeschule Herzhausen. „Seitdem stehen wir in engem Austausch mit EWF, Schulbehörde und Elternbeirat.“ EWF habe zugesichert, dass händeringend nach Lösungen gesucht werde. Am Donnerstag waren mehrere Busse nicht angekommen. Wie die Schüler am Nachmittag nach Hause kommen sollte, darüber herrschte Unklarheit an den betroffenen Schulen.

Betroffen sind laut EWF Buslinien des Bündels 507 sowie des Stadtbusverkehrs Frankenberg. Dort würden aktuell nicht alle Busse zur Verfügung stehen, es müsse mit „starken Einschränkungen“ beim Öffentlichen Personennahverkehr in Frankenberg, Frankenau, Vöhl, Lichtenfels und Korbach gerechnet werden, teilte EWF-Sprecher Axel Voigt mit. EWF und die Stadt Frankenberg hätten bereits „Verfahren gestartet, damit andere Busunternehmen den Fahrbetrieb so schnell wie möglich übernehmen können“. Eine von der Stadt Frankenberg und EWF gesetzte Übergangsfrist, „in der neue Betreiber für die Linienverkehre gefunden werden sollen, kann von dem Unternehmen nicht eingehalten werden“.

Ausweichen auf Ersatzverkehr

Aktuell kommt es aufgrund der zahlreichen ausgefallenen Busfahrer zu massiven Einschränkungen im Öffentlichen Nahverkehr im Landkreis. Für Fahrten zwischen Korbach und Frankenberg kann der Schienenersatzverkehr auf der Bahnlinie R 42 genutzt werden, teilt EWF mit. Nähere Information dazu gibt es auch über das gebührenfreie Service-Telefon des NVV unter Tel. 0800 / 939-0800. Darüber hinaus steht ein im Landkreis flächig vorgehaltener Verkehr mit AnrufSammeltaxen (AST) zur Verfügung. Nähere Informationen dazu gibt es im Internet auf der Seite www.anrufsammeltaxi.de oder unter Tel. 05631 / 5062088.

Das sagt der Unternehmer

Als am Donnerstagmorgen klar war, dass zwölf Fahrer nicht kommen würden, „konnte ich nicht mehr reagieren“, sagt Karsten Frötter, Inhaber des Omnibusbetriebs Reinius mit Sitz in Frankenau. Die Situation sei vergleichbar gewesen mit einem Streik. Kurzfristig habe man so viele Fahrer nicht mehr organisieren können. Wie es in den kommenden Tagen weitergeht, darüber konnte Frötter auch am Donnerstagnachmittag noch keine Auskunft geben. „Ich kann nicht versprechen, dass die Busse am Freitag fahren. Nur vier Busse sind im Einsatz, die Situation könnte sich also noch verschärfen.“ 

Generell müsse jedes Busunternehmen knapp kalkulieren, um überhaupt Aufträge zu bekommen. Das gelte auch für ihn. Insgesamt gebe es zu wenige Busfahrer in Deutschland. Mitbewerber würden deshalb vermehrt auf ausländische Fahrer zurückgreifen. Auch er habe schon Fahrer einstellen müssen, die nicht gut gewesen seien, sagt Frötter und reagiert damit auf Kritik, manche Fahrer hätten auf den Schulrouten im Bus geraucht. Drei bis vier Personen wären es gewesen, die sich nicht korrekt verhalten hätten. „So etwas geht natürlich nicht. Die habe ich dann entlassen müssen“, sagt der Omnibusunternehmer. „Teilweise kann man sich die Fahrer aber nicht aussuchen. Man muss nehmen, was kommt“, sagt er. 

Dass die Fahrzeuge teilweise nicht in Ordnung gewesen seien, weist Frötter zurück. Er habe drei neue Busse und auch die Subunternehmer hätten neue Fahrzeuge. „Alles an den Bussen ist so, wie es sein sollte.“ Wenn Türen im Winter mal nicht geschlossen hätten, sei das aufgrund der Kälte durchaus normal. „Alle wollen moderne Busse und gut ausgebildete Fahrer: das bekommt man nicht für einen Apfel und ein Ei“, betont Frötter. 

Die Gehälter der Busfahrer seien bis Ende August sicher, sagt der Frankenauer Unternehmer. Das bestätigt auch der vorläufige Insolvenzverwalter Carsten Koch. Auch die Bezahlung von künftig anfallenden Rechnungen, beispielsweise für Treibstoff und Reparaturen, sei sichergestellt, teilt Koch mit. Allerdings, so sagt Frötter, hätten die Fahrer Sorgen, dass sie im September kein Geld mehr bekommen könnten.

Aktualisierte Pläne im Netz

EWF arbeitet nach wie vor an Lösungen für den Schulbusverkehr am Freitag. Mittlerweile gibt es eine erste Übersicht, welche Linien wahrscheinlich bedient werden. Einsehbar sind die aktualisierten Pläne ab sofort über die Seite www.ewf.de

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