Ex-Geschäftsführerin und Kreishandwerkerschaft einigen sich vor Gericht

Nach 25 Jahren künftig getrennte Wege

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Jugendlichen beim Einstieg ins Berufsleben zu helfen, ist eine Aufgabe des Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach. Mitarbeiter fragen jetzt, wie es weiter geht. Foto: Archiv

Waldeck-Frankenberg - Nach nur einem Vierteljahr wird die Geschäftsführerin des Berufsbildungswerks des Handwerks wieder abberufen. Es kommt zum Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht und schließlich zu einer einvernehmlichen Lösung.

Für viele Mitarbeiter des Berufsförderungswerks in Korbach kam die Abberufung ihrer Geschäftsführerin im Januar überraschend. Noch im vergangenen Jahr hatte die 54-Jährige ihr Dienstjubiläum nach 25 Jahren bei der Kreishandwerkerschaft gefeiert, davon viele Jahre als Abteilungsleiterin des Berufsförderungswerks (BFH) und des Berufsbildungszentrums (BBZ), die sie maßgeblich mit aufgebaut hat.

Mit der Umwandlung des BFH vom eingetragenen Verein in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) im vergangenen Herbst hatte die Kreishandwerkerschaft ihr auch die Geschäftsführung der Bildungseinrichtung übertragen. Doch schon im Januar entschied der Aufsichtsrat, sie wieder abzuberufen. Das Angebot, in ihr altes Arbeitsverhältnis als Abteilungsleiterin zurückzukehren, lehnte die Mitarbeiterin ab. Die Abberufung sei ohne Angaben von Gründen erfolgt, eine Möglichkeit Stellung zu nehmen, sei ihr nicht eingeräumt worden. Das Vertrauensverhältnis zu ihrem langjährigen Arbeitgeber sei zerstört, wird sie aus ihrem Umfeld zitiert. Die 54-Jährige leitete daraufhin arbeitsrechtliche Schritte ein. Sie selbst wollte sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu den Vorgängen äußern.

Bei einer Verhandlung vor dem Arbeitsgericht in Kassel am vergangenen Montag kam es schließlich zu einer Einigung: Die langjährige Mitarbeiterin der Kreishandwerkerschaft bleibt bis zum Jahresende freigestellt, bekommt bis dahin ihr Gehalt und eine Abfindung im fünfstelligen Bereich.

Seit Februar führt Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, auch die Geschäfte des Berufsförderungswerkes. Auch Brühl lehnt eine Stellungnahme zur arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung ab. Mitarbeiter des Berufsförderungswerks fragen indes, wie es mit der Einrichtung weitergeht. Wegen zurückgehender Teilnehmerzahlen soll offenbar Personal abgebaut werden, berichten die Angestellten.

Der Markt für Bildungseinrichtungen wie das BFH wird zunehmend schwieriger. Seit die Bundesagentur für Arbeit die Mittel für Maßnahmen gekürzt hat, kämpfen viele Einrichtungen um ihr Überleben. Im Landkreis sind zuletzt die Beschäftigungsgesellschaft Waldeck-Frankenberg (BWF) und die Holzfachschule Bad Wildungen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die BWF hat ihre Arbeit im vergangenen Jahr eingestellt, nur ein Teil der Mitarbeiter wurde in die neue Delta GmbH übernommen. Die Holzfachschule hat im Mai Insolvenz beantragt.

Auch das Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach ist von öffentlichen Geldern abhängig. Es bietet unter anderem Berufsausbildungen und Umschulungen zu verschiedenen Handwerksberufen, Berufsvorbereitungslehrgänge für Jugendliche, die auf der allgemeinbildenden Schule keine Perspektive mehr für sich sehen, oder ermöglicht den Erwerb des externen Hauptschulabschlusses. (lb)

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