Nach der Landratswahl: Politischer Kitt für zerbrochenes Porzellan

- Waldeck-Frankenberg (jk). Die Landratswahl bringt Nachsitzen für die Politik in Waldeck-Frankenberg – insbesondere im bürgerlichen Lager. Das gilt sowohl auf Ebene der Kreispolitik als auch in der Stadt Korbach.

Innerhalb der Koalitionen von CDU, FWG und FDP gilt es, nach der Wahlniederlage ihres Kandidaten Klaus Friedrich erst mal Wunden zu lecken. Auf Kreisebene und in der Korbacher Stadtpolitik wurden Differenzen der vergangenen Monate durch den Wahlkampf teils nur überdeckt. Ob Müllheizkraftwerk oder Zukunft des Schwimmbades – vor allem die CDU zeigte sich wiederholt nicht geschlossen. Aber auch Wahlkampfstrategien und Kandidatenfragen sorgten in Korbach für Debatten. Besonders bei der FWG war in den letzten beiden Wochen die Enttäuschung greifbar. Daraus macht Kai Schumacher, FWG-Fraktionschef im Stadtparlament, auch keinen Hehl. An der bürgerlichen Kooperation rüttelt Schumacher indes nicht: „Ich habe mit meinen Partnern von CDU und FDP kein Problem. Wir möchten die Kooperation fortführen.“ Das gelte ohnehin für die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Klaus Friedrich: „Ich stehe zu ihm“, betont Schumacher. Eine Beschädigung des Rathauschefs durch die Wahlniederlage sieht Schumacher keineswegs. Massive Verärgerung gab es bei den Freien Wählern offenbar über die Rolle des CDU-Chefs Dr. Christoph Butterweck im Wahlkampf. Und auch innerhalb der CDU hielten sich etliche Unions-Aktive im Landratswahlkampf auf Distanz. Die FWG war etwa über den Druck aus der CDU gegenüber dem Lichtenfelser Bürgermeister Uwe Steuber verärgert. In der CDU wiederum gab es etliche, die den Korbacher Rathauschef Friedrich ungern als Landrat ziehen lassen wollten – auch weil die mögliche Nachfolge-Kandidatur in Korbach offen war. Ist da Porzellan im bürgerlichen Lager zerschlagen? „Die Beobachtungen treffen zu. Wir als FDP hoffen, dass wir das gemeinsam besprechen. Wir sind aber weiter zur Zusammenarbeit bereit“, erklärt FDP-Fraktionschefin Rosi Rube. Wenn es um personelle Fragen gehe, „dann sollten wir das offen besprechen und möglichst schnell“, sagt CDU-Fraktionschef Andreas Kwoll. Denn „die Kooperation ist ein Erfolgsmodell“, fügt er an: „Aber es muss auch eine Phase der ehrlichen Selbstkritik geben.“ Unterm Strich gewinnt Kwoll dem Wahlergebnis auch Positives ab: „Wir können auf der anderen Seite froh sein, dass Klaus Friedrich als guter und beliebter Bürgermeister erhalten bleibt.“ Derweil wurde am Parteichef der CDU, Dr. Christoph Butterweck, in Korbach und auf Kreisebene verstärkt Kritik laut in den vergangenen Wochen. Falsche Wahlkampfstrategie, zu viel Einflussnahme werden ihm im Hintergrund vorgeworfen. Butterweck verweist indes auf Erfolge und Kontinuität der bürgerlichen Koalition – ob in Korbach oder für den Landkreis. „Zur Demokratie gehören auch Wechsel“, sagt Butterweck mit Blick auf die Wahl von Dr. Reinhard Kubat (SPD, Grüne) zum künftigen Landrat. Auch wenn ein SPD-Mann ab 2010 an der Kreisspitze steht, sieht Butterweck die Koalition im Kreistag nicht im Zerfall: „Der Koalitionsvertrag läuft bis 2011, und ich gehe davon aus, dass alle Parteien vertragstreu sind“, hebt der CDU-Partei- und -Fraktionsvorsitzende hervor: „Es wird nicht immer einfach, aber wir stellen uns der Situation.“ Dabei setzt Butterweck auf Kubats Aussage, allen Parteien die Hand zu reichen. Und Butterwecks eigene politische Zukunft? Anfang 2010 steht etwa eine Neuwahl des CDU-Kreisvorstandes an. Tritt er noch mal an? „Dazu sage ich jetzt weder ja noch nein.“ Kreisbeigeordneter Otto Wilke (FDP), seit Jahrzehnten Galionsfigur der Liberalen, will sich an solchen Personaldebatten nicht beteiligen. „Kandidat war Klaus Friedrich“, betont Wilke – niemand anderer. Da bedauert der Freidemokrat, „dass unsere Leistungen der vergangenen Jahre in Waldeck-Frankenberg nicht genügend herausgestellt wurden“ im Wahlkampf. Die Koalition im Kreis sieht auch Wilke nicht bedroht: „Wir gehen davon aus, dass der Vertrag hält.“ Richtung Kubat signalisiert Wilke dabei Offenheit: „Wenn er als Landrat vernünftige Ideen hat, werden wir ihn nicht einmauern.“ SPD und Grüne verspüren nach dem Wahlsieg Kubats einen Schub. „Ich sehe die Wahl als Chance, das Klima zwischen den Fraktionen zu verbessern“, unterstreicht SPD-Fraktionschef Reinhard Kahl. Er hofft auf „wechselnde Mehrheiten, offene Abstimmungen, die an Sachfragen orientiert sind“ – nicht an Fraktionsblöcken: „Vor Konfrontationen gegenüber einem direkt gewählten Landrat kann ich nur warnen.“

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