Neues Teilhabechancengesetz macht Rückkehr ins Berufsleben möglich

Nach langer Arbeitslosigkeit zurück im Job: Volker Schieck (60) repariert Quads 

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Neue berufliche Perspektive nach langer Arbeitslosigkeit: (von links) Volker Schieck, Julia Rusch, Pressesprecherin beim Jobcenter Waldeck-Frankenberg und Ralf Scholz vom Quad-Center-Edersee. 

Waldeck-Sachsenhausen – Volker Schieck hat Benzin im Blut, das war schon immer so. In seiner Freizeit ist er im Touringclub Frankenberg aktiv – einem Kart-Verein aus dem Südkreis.

Außerdem besitzt er selbst ein Quad. Dass der gelernte Radio- und Fernsehtechniker im Herbst seines Berufslebens noch einmal an Fahrzeugen herumschrauben darf, damit hat er nun wirklich nicht gerechnet. Ermöglicht wurde ihm dies durch das seit einem Jahr geltende Teilhabechancengesetz, mit dem das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Langzeitarbeitslosigkeit bekämpft.

Auch der 60-jährige Frankenberger war zuvor sieben Jahre ohne Job. „Als Radio- und Fernsehtechniker hat man es heute schwer. TV-Geräte oder andere Elektronik sind mittlerweile Wegwerfware, da wird nichts mehr repariert“, sagt Schieck. Als er seine Job verlor, habe er unter anderem an 50-Plus-Schulungen teilgenommen. „Die Referentin sagte zu mir: Vergessen Sie ihren alten Job, was machen Sie denn hobbymäßig?“

Daraufhin habe er ihr erzählt, dass er in seiner Freizeit auch gerne an Karts herumschraube.

Damit war der Weg zum neuen Job geebnet, zumal der Kontakt zum künftigen Arbeitgeber – dem Quad-Center-Edersee in Waldeck-Sachsenhausen – schon bestand. „Wir haben von unserem Kart-Verein dort einmal einen Ausflug hin gemacht und uns Quads ausgeliehen. Ich hatte mir damals schon gedacht, dass ich dort ganz gerne arbeiten würde“, berichtet Volker Schieck, der anschließend auch ein zweiwöchiges Praktikum im Quad-Center absolvierte.

Ralf Scholz, Geschäftsführer im Sachsenhäuser Zweirad-Center, war schon damals recht angetan von den Fähigkeiten des Frankenbergers. „Ich habe mich allerdings zunächst für einen anderen, erfahreneren Mitarbeiter entschieden. Wir sind ein kleiner Betrieb und benötigten jemanden, der sofort selbstständig arbeiten konnte. Auch die Kostenfrage spielte eine entscheidende Rolle“, berichtet Scholz.

Als jedoch das neue Teilhabegesetz in Kraft getreten sei, habe sich die Situation geändert. „Mit der Förderung, die unser Betrieb dadurch erhält, konnte ich Volker schließlich vollzeit einstellen.“ Dieser sei mittlerweile seit fast einem Jahr da, repariere die Quads und Elektrofahrräder oder führe Inspektionen durch. „Alles läuft hervorragend. Volker kann mir manchmal sogar noch etwas beibringen“, sagt Scholz.

„Ziel des Teilhabegesetzes ist es, dass der jeweilige Betrieb nach fünf Jahren ohne Förderung auskommt und den Arbeitnehmer komplett selbst finanziert“, sagt Julia Rusch, Pressesprecherin beim Jobcenter Waldeck-Frankenberg. Bei Volker Schieck werde das Arbeitsverhältnis vermutlich durch dessen Eintritt in den Ruhestand zu Ende gehen. „Bis dahin ist es aber wichtig, dass Herr Schieck einen Job hat und aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus ist. Dafür ist das Gesetz verabschiedet worden“, sagt Rusch.

Die Pressesprecherin des Jobcenters berichtet, dass seit Januar 2019 insgesamt 45 Menschen auf diese Weise in Waldeck-Frankenberg in ein Arbeitsverhältnis vermittelt worden seien. 21 Arbeitsaufnahmen habe es in der Wirtschaft gegeben, 13 im Öffentlichen Dienst und zwölf in Sozialen Einrichtungen. Es handele sich fast immer um Vollzeitstellen. Die Altersgruppen 35 bis 44 und 45 bis 54 Jahre hätten davon gleichermaßen profitiert – die Gruppe der 25 bis 34-Jährigen sei halb so oft vertreten.

Das Teilhabechancengesetz 

Das seit einem Jahr geltende Teilhabechancengesetz ermöglicht langzeitarbeitslosen Menschen die Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Betriebe, die solche Arbeitnehmer einstellen, erhalten dafür eine staatliche Förderung. Der Zuschuss beträgt in den ersten beiden Jahren 100, im dritten Jahr 90, im vierten Jahr 80 und im fünften Jahr 70 Prozent der Lohnkosten. Voraussetzung dafür ist, dass ein Betrieb einen Langzeitarbeitslosen einstellt, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und der mindestens sechs Jahre lang innerhalb der letzten sieben Jahre der Arbeitslosigkeit Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts erhalten hat.

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