Redewendung vom 27. April

Nach Strich und Faden

- Des Rätsels Lösung liegt heute nah: Denn über Jahrhunderte nahmen Weber diese Redewendung wörtlich.

Nach dem Weben eines Abschnitts überprüften die Arbeiter den Stoff auf Fehler. Entsprach das Tuch dem geforderten Webmuster? Hatte es die Farbe, Form und Festigkeit, die sich der Kunde wünschte? Oder hatte es einen Fadenbruch gegeben, der das Stück Stoff seines Wertes beraubte? Jeder Abschnitt wurde auf Strich und Faden geprüft: Strich bezeichnete die Faserrichtung des aufgerauten Gewebes und der Faden wurden auf einen Bruch kontrolliert. Fiel die Prüfung positiv aus, war das gewebte Stück korrekt und gründlich hergestellt worden und konnte in den Verkauf gehen. Im 19. Jahrhundert verwendeten die Weber die Redewendung dann plötzlich auch außerhalb der Webereien und verliehen ihr damit eine weitere Bedeutung und trugen sie in die Welt hinaus. Geschieht heute etwas nach Strich und Faden, dann wird es besonders gründlich oder vollständig erledigt – meistens allerdings in negativem Sinne. So fühlt sich heute manch einer „nach Strich und Faden betrogen“. (resa)

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