Barrierefreie Aussichtsplattform im Nationalpark vorgestellt

„Naturerlebnisse für alle zugänglich“

Vöhl-Herzhausen - Als eines von mehreren Projekten zur Barrierefreiheit hat der Nationalpark Edersee-Kellerwald eine Aussichtplattform am Hagenstein errichtet.

„Wie ein roter Faden“ ziehe sich das Thema Barrierefreiheit durch die zehnjährige Geschichte des Nationalparks Kellerwald-Edersee, sagt seine stellvertretende Leiterin Jutta Seuring. Eine beeindruckende Aussicht bietet sich zum Beispiel seit sieben Jahren auf dem Weg zum Hagenstein auch Rollstuhlfahrern. Auf dieser „Loreley des Edertals“ haben die Ranger der Nationalparkwerkstatt kürzlich eine Aussichtsplattform errichtet, die jedermann einen Blick über Kirch- und Schmittlotheim sowie die umliegende Landschaft an der Eder ermöglicht.

„Harmonisch eingefügt“

Die knapp zwölf Quadratmeter große Plattform ist leicht zugänglich und besteht aus unbehandeltem Holz. „Wir wollten die Plattform harmonisch in die Landschaft einfügen“, erläutert Harald Wieck, der für die Barrierefreiheit zuständige Leiter der Nationalparkwerkstatt. Auf Fundamente verzichteten die Konstrukteure so weit es möglich war, im Wesentlichen stützt die Aussichtsplattform sich auf Pfähle im Boden.

Eine Herausforderung sei die Sicherheit gewesen: Laut der Nationalen Koordinierungsstelle „Tourismus für Alle“ darf ein Geländer nur 90 Zentimeter hoch sein, wenn Rollstuhlfahrer darüber gucken sollen – das Bauamt fordert hingegen 110 Zentimeter Höhe, damit Kinder nicht hinüber klettern können. Mehrmals wurde die Plattform umgebaut. Am Ende der nicht immer einfachen Arbeiten steht ein zinnenartiges Geländer, bei dem sich verschieden hohe Abschnitte abwechseln. Insgesamt hat der Bau 15 000 Euro gekostet.

Ein Parkplatz am Beginn der 1,2 Kilometer langen Strecke ist seit 2010 für Rollstuhlfahrer reserviert. „Der Weg ist für sportlich aktive Rollstuhlfahrer geeignet“, erklärt Nationalparkführer Hermann Sonderhüsken, „unsichere Fahrer sollten einen Begleiter mitnehmen oder ein Elktrogerät nutzen“. Der 77-Jährige Rollstuhlfahrer war Berater bei den Arbeiten. Indes profitieren auch Menschen ohne Behinderung von der Aussichtsplattform: „Ich kann von ihr aus viel weiter sehen als zuvor“, stellt Kerstin Ziegler, Ortsvorsteherin von Schmittlotheim, fest. Und der feste Weg sei auch für Kinderwagen und Rollatoren gut, ergänzt Jutta Seuring.

Teil von Gesamtkonzept

Es handelt sich nur um eine von mehreren Maßnahmen zur Barrierefreiheit: Rollstuhlfahrer können an Kutschfahrten durch die Buchenwälder teilnehmen und im Rosengrund Wildtiere von einer leicht zugänglichen Kanzel beobachten. Bei den Wegen um das Wildschweingehege im Wildtierpark und bei der Strecke zur Quernst-Kapelle wurde auf sie besondere Rücksicht genommen. Menschen mit geistiger Behinderung beteiligen sich seit vier Jahren an der integrativen Waldwoche, bei der Lebenshilfe und Bergwaldprojekt mitarbeiten sind. Für Gehörlose begleitet ein Gebärdendolmetscher Führungen über Wildkatzen. Für 2016 ist ein rund 1800 Meter langer Naturerlebnispfad im Elsebach in Schmittlotheim geplant, der für Blinde und Sehbehinderte geeignet ist. Alle barrierefreien Angebote sollen demnächst im Internet gesammelt werden, um Menschen mit Behinderung exakte Planung zu ermöglichen.

Was der Nationalpark in Sachen Barrierefreiheit unternehme, sei Teil eines größeren Ganzen, erläutert Jutta Seuring: „Neben Freizeitangeboten sind für Menschen mit Behinderung auch Anreise und Unterkünfte wichtig.“ In Zusammenarbeit mit dem Landkreis sei der Nationalpark im Pilotprojekt „Modellregion Barrierefreiheit in Gastronomie und Tourismus“ auf einem gutem Weg. Projektkoordinatorin Yasmine Seibel werde in Kürze einen „Managementplan Barrierefreiheit“ vorlegen, der Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen soll. (wf)

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