Der neue VW Golf im Test

Touch smarter

+
Der neue Golf an der Kilianskirche in Korbach. Die weit nach unten gezogene Frontpartie und die markanten LED-Leuchten geben einen sportlich-futuristischen Look.

Außen dynamisch, innen digital – der VW Golf in achter Generation startet sicht- und fühlbar modern in die Zukunft. Im Test: der Basisbenziner mit 130 PS und „Style“-Ausstattung.

Die windschnittige Karosserie wirkt sportlich: Der Kompaktwagen-Klassiker ist drei Zentimeter flacher geworden, hat eine tiefer nach unten gezogene Motorhaube und markant geformte LED-Leuchten – eine Frontpartie mit organischen Rundungen. Im Kontrast dazu stehen die schärferen Konturen an den Seiten und am Heck mit den T-Roc-ähnlichen Rückleuchten. Den sportlichen Charakter verstärken die horizontalen Linien an Front und Heck – so erscheint das Auto gegenüber dem Golf 7 wesentlich breiter, obwohl es tatsächlich sogar etwas schmaler geworden ist.

Typische Golf-Form, aber mit windschnittigeren Konturen.

Geblieben sind die vertrauten Elemente: die breiten, nur minimal geänderten C-Säulen, die große, flache Frontscheibe und das steile Heck.

Touchscreen Zentrale

Ganz neu erscheint dagegen das Interieur. Das flache Armaturenbrett ist in der Mitte leicht geknickt, um die Ergonomie für den Fahrer zu optimieren. Das futuristisch wirkende, aufgeräumte Cockpit mit den großflächigen Bildschirmen hat volldigitale Anzeigen. Herzstück ist das zentrale Touchdisplay mit klar strukturierter Menü-Anordnung, damit sind die meisten Funktionen des Fahrzeugs – wie vom Smartphone gewohnt – intuitiv regelbar. Schalter und Tasten sind passé, die gibt’s nur noch am Multifunktionslenkrad. Stattdessen befindet sich beispielsweise direkt unter dem Zentral-Display ein digitaler Schieberegler – der „Slider“, mit dem sich Temperatur und Radiolautstärke einstellen lassen. Selbst für die Bedienung des Schiebedachs gibt es eine separate Touchfunktion am Dachhimmel. Und für alles, was mit Licht zu tun hat, ist links vom Lenkrad eine zusätzliche „Touchinsel“ platziert.

Zierliches Interieur mit digitalen Instrumenten.

Wer es noch bequemer haben möchte, kann eine Sprachsteuerung nutzen, die mit dem Zuruf „Hallo Volkswagen“ aktiviert wird. Natürlich lassen sich viele Funktionen des Smartphones ganz einfach durch Verknüpfung im Golf nutzen, zum Beispiel der Amazon-Sprachdienst Alexa. Besonders viele individuelle Einstellmöglichkeiten für eine perfekte Personalisierung bietet übrigens das optionale Innovision Cockpit mit dem Zehn-Zoll-Bildschirm und dem Navi-System „Discover Media“ oder „Discover Pro“.

Gewohnt praktisch

Typisch Golf ist das luftige Raumgefühl und die perfekte Praxistauglichkeit. Dazu gehören die großen Einstiegsöffnungen der Türen sowie die äußerst bequemen, großrahmigen Sportsitze mit dem hervorragenden Seitenhalt im Rückenbereich.

Vor allem auf den Vordersitzen gibt es viel Platz für Knie und Köpfe. Von hier aus hat man dank des flachen Armaturenbretts und der großen Frontscheibe eine hervorragende Sicht, obwohl die Gürtellinie der Karosserie etwas höher liegt als beim Golf 7. Geblieben sind auch die großzügigen Platzverhältnisse im Kofferraum, der 380 bis 1237 Liter fasst und eine sehr große Öffnung und niedrige Ladekante hat.

Die scharf geschnittenen Rückleuchten erinnern an T-Roc und Tiguan.

Unterwegs überzeugt der Golf 8 mit handlichem und souveränem Fahrverhalten. Klar: Sportliches Talent entwickelt der akustisch presente, aber nicht zu laute, 130 PS-Benziner erst ab mittlerem Drehzahlbereich. Doch große Mühe hat der im Vergleich zum Vorgänger um etwa 50 Kilogramm gewichtsreduzierte und beim Luftwiderstand optimierte Golf beim Beschleunigen nicht. Wer noch mehr Temperament und Spritzigkeit will, kann das 150 PS-Aggregat ordern.

Doch auch der kleine Benziner macht viel Spaß. Dazu trägt die sehr exakte Sechs-Gang-Schaltung bei. Und das auch bei engagierter Kurvenfahrt sehr sicher liegende, relativ straff eingestellte Fahrwerk, das fühlbar die perfekte Balance zwischen sportlichen Wieseln und komfortablem Abfedern findet. So flitzt der Golf mit seiner gutmütigen, relativ direkten Lenkung sehr sicher und nahezu wankungsfrei über die Landstraßen.

Wer Spaß und Komfort noch optimieren möchte, kann in die Progressivlenkung und das adaptive Fahrwerk DCC investieren. Außerdem angenehm auf Langstrecken: Von Abroll- oder Windgeräuschen hört man fast nichts.

Viel hat VW in die Sicherheit investiert. So hat der Golf einige Assistenzsysteme, die man sonst eher in den Premiumklassen findet. Serienmäßig sind Spurhalteassistent und die Gefahrenwarnung vor Staus oder Baustellen. Optional erhältlich ist die Automatische Distanzregelung ACC mit Datenaustausch über WLAN, die aktiv ins Fahrgeschehen eingreifen kann. Clou ist der Emergency Assist, der das Auto im medizinischen Notfall zum Stehen bringt.

Zum Marktstart gibt es vier Antriebsvarianten, der Ausbau auf zwölf Motoren ist geplant, darunter sind zwei Plug-In-Hybride und ein Erdgasmotor. Neben den Benzinern mit 130 und 150 PS ist zurzeit schon ein eTSI erhältlich, der Verbrauchsvorteile von 18 Prozent bringen soll. Auch einen Diesel gibt es, den erneuerten Zweiliter-Vierzylinder mit 150 PS und Adblue-Einspritzung, der den Stickoxid-Ausstoß um 89 Prozent verringert.

Übrigens: Neu sind auch die Ausstattungslinien. Neben der Basisversion gibt es nun „Live“, „Style“ und „R-Line“.

Fazit: Die ausgereiften Qualitäten des Bestsellers zeigen sich mit Fahrspaß und Komfort. Bislang gingen mehr als 35 Millionen Einheiten vom Band – der Golf 8 soll diese 45-jährige Erfolgsgeschichte fortschreiben. Noch konsequenter zukunftsfähig erscheint der vollelektrische ID.3 im Golf-Format, der den Golf E ablöst und Mitte 2020 starten soll.  

VW Golf 1,5 TSI

Länge x Breite x Höhe (m): 4,28 x 1,79 x 1,46

Radstand (m): 2,64

Motor: R4-Benziner, 1498 ccm, Turbo, Direkteinspritzung

Leistung: 96 kW / 130 PS bei 5000 U/min

Max. Drehmoment: 200 Nm bei 1400-4000 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 214 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 9,2 Sek.

WLTP-Durchschnitts- verbrauch: 5,4 l

Testverbrauch: 7,4 l

CO2-Emissionen: 108 g/km

NEFZ-Effizienzklasse: A

Leergewicht / Zuladung: min. 1440 kg / max. 440 kg

Kofferraumvolumen: 380-1237 Liter

Max. Anhängelast: 1200 kg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare