400 Zuhörer bei Informationsveranstaltung

Neue Initiative in Waldeck-Frankenberg sorgt sich um das Trinkwasser

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Trinkwasser aus fünf Brunnen des Landkreises: Die Besucher des Forums „Es geht ums Wasser“ in der Frankenberger Kulturhalle konnten unterschiedliche Qualitäten, die von (von links) Viola Wagner und Andra Hickisch ausgeschenkt wurden, selbst schmecken. Die beiden Edertalschülerinnen (von rechts) Marleen Prinz und Marie Junk, die anderthalb Jahre für „Jugend forscht“ Wasser untersucht haben und jetzt darüber berichteten, probierten besonders fachkundig.

Waldeck-Frankenberg – Unter dem Motto „Es geht ums Wasser“ hatte die neue „Wasserinitiative Waldeck-Frankenberg“ zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. 400 Zuhörer waren gekommen.

Wasser, Grundlebensmittel des Menschen, ist aus vielfachen Gründen bedroht. Etwa 120 Liter verbraucht jeder Mensch täglich, an den heißen Tagen der vergangenen Sommer waren es leicht bis zu 250 Liter pro Kopf.

Auch wenn die Wasserqualität im Kreis Waldeck-Frankenberg, was die Nitratbelastung betrifft, noch relativ gut ist - spätestens mit der Diskussion um die geplante Verschärfung der Düngeverordnung stehen besonders Landwirte wieder im Blickpunkt.

Sie waren auch in großer Zahl unter den mehr als 400 interessierten Bürgern aus dem Landkreis vertreten, die in der Frankenberger Kulturhalle auf Einladung der neuen „Wasserinitiative Waldeck-Frankenberg“ über die Zukunft des Naturgutes Wassers diskutierten.

„Wir wollen keine Fronten schaffen, sondern in den Dialog treten. Wir müssen in unserer Zivilgesellschaft die Aufmerksamkeit auf diese wichtige Ressource Wasser lenken“, sagte Initiativen-Sprecherin Tina Kansy (Frankenau).

Zur Einführung informierten die Bio-Landwirtin Tanja Schnell (Neukirchen) und die Fachagrarwirtin Stefanie Oberlies (Rengershausen) über die Nitratbelastung von Grundwasser, die Risiken von Gülleimporten und Maßnahmen zum Wasserschutz im Landkreis. „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt und verteidigt werden muss“, forderten sie.

Dr. Daniel Petry vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfachs Bonn (DVGW) entwarf Zukunftsbilder, in denen die öffentliche Wasserversorgung gegenüber konkurrierenden Nutzungsansprüchen als Grundprinzip gesetzlich zu verankern sei. „Die Novellierung des Düngerechts ist aus Gewässerschutzsicht völlig unzureichend!“

Hoher Viehbesatz, eng gekoppelt an Energiepflanzenanbau und Gärrestverwertung aus der Biogaserzeugung, sei eine der vielen Ursachen für hohe Nitratbelastung. Leider könne man in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen Deutschlands noch immer keine Trendwende erkennen, erklärte der Wasser-Wissenschaftler.

Dass sich die Belastungen des Grundwassers „reduzieren lassen, ohne die Landwirtschaft kaputtzumachen“, zeige das Beispiel Dänemark. Petry forderte grundlegende Änderungen der agrarpolitischen und agrarwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Außerdem: „Lebensmittelwirtschaft und Verbraucherverhalten sind Teil dieses Problems!“

Andreas Grede von der Aktionsgemeinschaft Agrarwende Nordhessen wandte sich gegen „falsche Kosten-Nutzen-Rechnungen in der Landwirtschaft, aber auch widersprüchliches Konsumverhalten“. 

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VON KARL-HERMANN VÖLKER

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