Im Autotest: Der neue Opel Corsa

Sportplus als Blitzbooster?

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Der neue Opel Corsa gewinnt mit seinem sportlichen Look.   

Vanartiges Design, adieu – Der neue Opel Corsa sieht verführisch sportlich aus. Unter dem Blechkleid steckt erstmals Technik vom PSA-Konzern. Die French Connection tut dem Rüsselsheimer richtig gut – so der Eindruck beim Test des Dreizylinder-Turbo-Benziners in schicker Edition-Ausführung.

Der Opel Corsa tritt mit großen Erwartungen an – immerhin ist der seit 37 Jahren nun in sechster Generation („Corsa F“) produzierte Kleinwagen Bestseller der deutschen Traditionsmarke. Entsprechend vorsichtig sind die Designer zu Werke gegangen im Spannungsfeld zwischen Mainstream und Originalität. 

Halt an der Enser Schule in Korbach. Mit den schicken Rückleuchten und sportlichen Wölbungen am Heck macht der Corsa eine gute Figur. 

Der kompakte Blitzträger kommt nicht so progressiv stylisch wie sein technischer Bruder, der Peugeot 208, sondern etwas konservativer – deutscher eben. Die Karosserieform erinnert an den neuen Audi A1. Mit seinen harmonischen Proportionen und den coupéhaften Linien ist er auf jeden Fall ein Blickfang. Fünf Zentimeter flacher und vier Zentimeter länger ist der Corsa geworden. Vom Vorgänger sind nur die Frontleuchtenform und einige markentypische Insignien wie der Bügelfalte auf der Motorhaube geblieben.

Bewährtes Priorität

Auch das Interieur prägt ein schönes, eher konventionelles Styling mit zierlichem Armaturenbrett und perfekt integriertem Touchscreen, der mit logischer Menüführung gefällt. Bildschirmauflösung und Reaktionsschnelligkeit – na ja. Aber dafür wirkt alles im Interieur blitzsauber verarbeitet. Durch das relativ große Sportlenkrad fällt der Blick auf das klassische Cockpit mit Rundinstrumenten. Etwas zu weit unten und hinten, für Kurzarmige eher schlecht zu erreichen, sind die separaten Tasten für die Heizung und Klimatisierung platziert. Allerdings lassen diese sich angenehm drücken dank der hochwertigen Haptik mit matter Oberfläche. 

Zeitlos schickes Interieur mit großem Touch-Display, edlem Lederlenkrad.

Und sonst: Ein Teil der Kunststoffe wie einige Hochglanz-Applikationen sehen edel aus, andere Bereiche aus Hartplastik wie etwa der Mitteltunnel, die Türverkleidungen oder das Handschuhfach sind offensichtliche Zugeständnisse an den Kostendruck.

Zierliche und konventionelle Formen.

Auf den relativ weichen, recht großrahmigen Sitzen sitzt man sehr bequem, auch wenn die Rückenlehnen im Schulter und Lendenbereich etwas mehr Halt geben könnten. Die Bewegungsfreiheit ist zumindest auf den Vordersitzen ausreichend, hinten geht es wesentlich enger zu. Bereits für Teenies und mittelgroße Erwachsene dürften lange Strecken im Fond schon wegen der mangelnden Beinfreiheit anstrengend werden. Dafür ist der Kofferraum etwas gewachsen.

Den Zündschlüssel hinter dem Lenkrad ganz konventionell gedreht, schon springt der kernig klingende Dreizylinder an. Die weiche Kupplung getreten, den ersten Gang der knackig-exakten Schaltung eingelegt – schon beginnt die Testfahrt auf den Waldecker Landstraßen. Und die macht richtig Spaß! Dafür sorgt schon der quicklebendige, erstaunlich drehfreudige Alu-Dreizylinder-Benziner in Kombination mit einem sportlich-straff eingestellten Fahrwerk, das dank langem Radstand jede Kurve souverän nimmt.

Der drehfreudige Motor aus dem PSA-Konzern ist komplett aus Aluminium. Das spart Gewicht und trägt so zu den dynamischen Fahreigenschaften bei.

Die deutliche Gewichtsreduktion zeigt sich auf sportliche Art. Hinzu kommt die direkt reagierende, exakt steuernde Servolenkung, die jede Biegung mit gefühlvoller Rückmeldung quittiert. So wieselt der kleine Opel wunderbar handlich und spielt auch bei der Fahrt durch Korbachs Altstadt seine Stärken mit agilem Fortkommen und guter Übersicht aus. Auch beim Fahrkomfort punktet der deutschfranzösische Kompaktwagen: Denn auch bei schneller Fahrt hört man nur den kernig, aber nicht zu aufdringlich röhrenden Motor – störende Wind- oder Abrollgeräusche Fehlanzeige!

Shooting am Enser Tor.

Hinzu kommen allerlei optionale Komfort- und Sicherheitsfeatures. Wer es sich leisten möchte, bekommt eine ungewöhnlich üppige Ausstattung und vielfältige Aufrüstungsoptionen: beispielsweise das digitale Anzeigenmodul im Cockpit, Ledersitze mit Massagefunktion, LED-Licht mit Matrixfunktion, aktive Abstandsregelung/spurführung und und und...

Fazit: Der neue Opel Corsa mit den französischen Genen bereichert als spürbar sorgfältig konstruierter Allrounder das Kleinwagensegment. Neben dem schicken Design gefällt vor allem der spritzige Motor und das agile Handling. Interessant ist der rein elektrische Corsa-e mit 330 Kilometer Reichweite, den es ab Anfang 2020 für 29900 Euro geben wird. 

Opel Corsa 1,2 Direct Injection Turbo

Länge x Breite x Höhe: 4,06 x 1,96 x 1,43 m

Radstand: 2,54 m

Motor: R3-Benziner, 1199 ccm, Turbo, Direkteinspritzung

Leistung: 100 PS (74 kW) bei 5500 U/min

Max. Drehmoment: 205 Nm bei 1750 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,9 Sek.

WLTP-Durchschnitts- verbrauch: 5,5 Liter

Effizienzklasse: A

CO2-Emissionen: 122 g/km (Euro 6d)

Leergewicht / Zuladung: min. 1164 kg / max. 455 kg

Kofferraumvolumen: 304–1083 Liter

Max. Anhängelast: 1200 kg

Wendekreis: 10,1 m

Wartungsintervalle: 20 000 km

Garantie: 24 Monate

Basispreis: 17 530 Euro

Edition (Testauto): 21135 Euro

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