111 junge Handwerker erhalten Gesellenbriefe

Neuer Beginn für Junghandwerker

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Bereit für neue Aufgaben und Verantwortung: Junghandwerker aus dem ganzen Landkreis halten ihre Gesellenbriefe in den Händen.Fotos: Wilhelm Figge

Waldeck-Frankenberg - Junghandwerker aus dem ganzen Landkreis haben ihre Gesellenbriefe erhalten - den Lohn harter Arbeit, der ihnen den Weg zu neuen Aufgaben ebnet.

Friseure wie Mechatroniker, Bäcker wie Zimmer sowie Handwerker verschiedenster Gewerke füllten die Kellerwaldhalle in Frankenau, hatten Freunde und Familien im Schlepptau und erwarteten den Moment, auf den sie über Jahre hingearbeitet hatten: die Überreichung ihrer Gesellenbriefe. Wie viel Mühe sie in ihre Arbeit gesteckt haben, wussten sie selbst am besten, die volle Bedeutung des erwarteten Stücks Papier machten Gratulanten aus Handwerk und Politik klar.

„Erfolg und Arbeit gehören zusammen“, erklärte Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Göbel, Begabung und Glück würden selten glücklich machen. Er verwies auf eine alte Sportlerweisheit: „Je mehr ich trainiere, desto mehr Glück habe ich.“

Um den Wert des Gesellenbriefs zu verdeutlichen, richtete Göbel den Blick ins Ausland: Er ging auf die grassierende Arbeitslosigkeit in Südeuropa ein und auf die Flüchtlinge, die noch von den „Grundbausteinen des Lebens“ träumen würden. Eine gemeinsame Initiative von Kreishandwerkerschaft, Arbeitsagentur, Jobcenter, Land und Landkreis solle junge Flüchtlinge ab Oktober auf eine Berufsausbildung im Sommer 2016 vorbereiten. „Ich bin gespannt, wie vielen Teilnehmenden aus diesen Lehrgängen wir dann im Jahre 2019, 2020 oder 2021 ein Prüfungszeugnis überreichen dürfen“, sagte er.

Blick voraus und zurück

Landrat Dr. Reinhard Kubat schloss sich an: „Das ist unsere Aufgabe: Diese jungen Menschen willkommen zu heißen, ihnen eine Zukunft, eine Perspektive zu geben.“ Dass Deutschland dazu in der Lage sei, komme nicht von ungefähr: „Es ist in ganz hohem Maße dem Handwerk zu verdanken, dass wir die Wirtschaftskrise ab 2008 so gut verwunden haben.“ Bei einem weiteren Appell war Kubat sich mit Göbel einig: Die Jung-Gesellen sollen sich im Ehrenamt engagieren, ob in Politik, Sozialem oder Feuerwehr.

Der Landrat freute sich über die starke politische Präsenz: Bundestagsabgeordneter Dr. Edgar Franke grüßte auch für die anwesenden Landesparlamentarier Daniel May und Claudia Ravensburg. Er blickte in die Geschichte des Handwerks und die Lebensumstände früherer Gesellen: Diese lebten bei ihren Meistern, hatten weder Geld noch Familie. „Mit der Freisprechung begann das eigentliche Leben“, hielt er fest. Ganz andere Zeiten seien das gewesen - aber das Handwerk bleibe wichtig.

Johannes Schwarz, Vizepräsident der Handwerkskammer Kassel, richtete den Blick nach vorne: Die Junghandwerker seien bereit, das Leben in die eigenen Hände zu nehmen und sollten sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Es gebe viele Möglichkeiten, ob Spezialisierung, betriebswirtschaftliche Ausbildungen oder den Meister. „Die Chance, im Handwerk erfolgreich selbstständig zu sein, war lange nicht so groß wie heute“, erklärte er. Mit seinem Rat, weitere Verantwortung zu suchen, war er sich mit seinen Vorrednern einig.

„Und jetzt kommt der lang ersehnte Augenblick“, erklärte Gerhard Brühl, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, und machte sich an die Zeugnisausgabe. Mit den Gesellenbriefen in der Hand und guten Ratschlägen im Kopf brachen die Junghandwerker in einen neuen Lebensabschnitt auf.

Von Wilhelm Figge

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