Neuer Landrat in Waldeck-Frankenberg

Nach Landratswahl: Van der Horst will rasch Gespräche mit Fraktionen führen

Wahlsieger mit Familie: Der neue Landrat Jürgen van der Horst (2. von links) mit Sohn Torben (links), Ehefrau Sabine sowie den beiden Töchtern Ronja und Karolin (rechts).
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Wahlsieger mit Familie: Der neue Landrat Jürgen van der Horst (2. von links) mit Sohn Torben (links), Ehefrau Sabine sowie den beiden Töchtern Ronja und Karolin (rechts).

Erst spät war am Sonntagabend amtlich, was sich bei der Landratswahl im Laufe des Abends abgezichnet hatte: Nach einem langen Wahlkrimi, jedoch noch bevor die letzten Stimmen ausgezählt waren, kam der amtierende Landrat Dr. Reinhard Kubat sichtlich niedergeschlagen mit seiner Frau und Familie ins Foyer des Kreishauses in Korbach und gratulierte seinem Herausforderer Jürgen van der Horst zum Wahlsieg.

Waldeck-Frankenberg - Er wünsche ihm ein gutes Händchen „für die Mitarbeiter und die vielen Menschen im Landkreis, die ihm nun anvertraut“ seien. „Für mich ist das bitter. Ich hätte die Arbeit sehr gerne weitergemacht. Danke an meine Familie“, sagte er und erhielt lang anhaltenden Applaus. Die Enttäuschung über den Ausgang der Wahl war ihm anzusehen. 48,88 Prozent der Stimmen hatte er bekommen, 51,12 Prozent gingen an Jürgen van der Horst. Kubat hatte sich bis dahin zurückgezogen. Im Foyer des Kreishauses war die Stimmung unter seinen Unterstützern gedrückt.

Auch am Tag danach war Kubat noch tief enttäuscht. „Es ist das eingetreten, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Ich bin schwer getroffen und schockiert“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Eine Erklärung für die Niederlage habe er noch nicht, er sei dabei, alles zu sortieren. Eine Analyse werde es aber geben. Kubat betonte, dass es mit Jürgen van der Horst eine vernüftige Übergabe im Kreishaus geben werde. „Das werden wir professionell regeln“, sagte der 63-Jährige. Die Amtszeit des neuen Chefs der Kreisverwaltung beginnt am 1. Januar 2022.

Van der Horst war der gemeinsame Kandidat von Freien Wählern, Grünen und FDP. Die drei Unterstützer konnten sich am Wahlabend erst zu späterer Stunde siegessicher fühlen – zu eng war die Wahl verlaufen. Als sein Erfolg feststand, dankte Jürgen van der Horst Kubat für „den fairen Wahlkampf“, seinem Team und seiner Familie für die Unterstützung. Die Aufgaben seien sportlich ambitioniert, er freue sich darauf. „Ich bin mir der riesigen Erwartungshaltung bewusst und nehme die anstehenden Aufgaben ernst, gehe sie mit Fachkompetenz und Entscheidungsfreude an“. Er werde sich nun für einen geordneten Übergang einsetzen, „denn jeder hat seinen eigenen Arbeitsstil, das muss alles vorbereitet sein.“

Rasch folgen sollen Gespräche mit der Kreisspitze und „allen Fraktionen der Mitte“, sagte er am Wahlabend. Er sei parteipolitisch ungebunden und werde die Gespräche von den klassischen Parteipositionen lösen, um Themen sachorientiert anzugehen. Mit Blick auf die Nord-Süd-Teilung bei den Wahlergebnissen erklärte er, „ich werde auf die Leute im Süden, die mich nicht gewählt haben, zugehen und sie mit Sachpolitik überzeugen“.

Kubats empfindliche Verluste: So verteilen sich die Wählerstimmen im Kreis

Der Norden Waldeck-Frankenbergs fest in der Hand von Jürgen van der Horst (parteilos), der Süden als sichere Bank für Dr. Reinhard Kubat (SPD). Wer nach der Landratswahl den groben Blick auf die Stimmenverteilung im Landkreis wirft, könnte genau diesen Eindruck gewinnen.

Stimmenverteilung bei der Landratswahl 2021 in Waldeck-Frankenberg.

Doch beim genaueren Hinsehen wird deutlich, warum Kubat die Landratswahl verloren hat. In den Städten und Gemeinden des Südkreises lag er zwar vorne – im Vergleich zur letzten Landratswahl 2015, als er gegen Karl-Friedrich Frese (CDU) angetreten war, musste er nun allerdings zum Teil empfindliche Stimmenverluste hinnehmen. Zusammen mit den klaren Ergebnissen für Jürgen van der Horst im Nordkreis stand unterm Strich eine knappe Niederlage für Kubat gegen seinen Herausforderer.

In Bad Wildungen, Frankenberg und Edertal beispielsweise hatte der Amtsinhaber 2015 noch zwischen 60 und 65 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen können. In Wildungen kam er diesmal nur auf rund 54 Prozent, in Edertal war der Wert ähnlich und in Frankenberg musste Kubat ebenfalls Verluste hinnehmen.

Ungläubige Miene: Dr. Reinhard Kubat und seine Frau Susanne kamen erst spät ins Foyer des Kreishauses, als der Sieg des Herausforderers bereits feststand.

Auch in seinen Hochburgen Vöhl, Haina (Kloster) und Frankenau rutschte der 63-jährige Marienhagener ab. Hatte Reinhard Kubat 2015 in Frankenau noch fast 80 Prozent der abgegebenen Stimmen geholt, waren es diesmal knapp zehn Prozent weniger. In Vöhl waren es fast fünf Prozent, in Haina (Kloster) etwa acht Prozent weniger.

Dass Herausforderer Jürgen van der Horst als Bad Arolser Bürgermeister im Norden des Landkreises viele Stimmen holen würde, war erwartet worden – in Bad Arolsen kam er beispielsweise auf 69 Prozent, in Twistetal auf 67 Prozent und in Volkmarsen auf rund 65 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Kubat verzeichnete in den Städten und Gemeinden des Nordkreises zum Teil deutliche Verluste. Beispiel Diemelstadt: Dort hatte der SPD-Kandidat 2015 noch rund 68 Prozent für sich verbuchen können – diesmal verlor er dort deutlich und kam nur auf 41 Prozent. Auffällig: Auch in Diemelsee hatte Kubat bei der Landratswahl 2015 mit rund 55 Prozent vorne gelegen. Am Sonntag erreichte er in Diemelsee lediglich 38 Prozent und unterlag dort damit seinem Herausforderer. Auch in Korbach lief es diesmal andersherum. Reinhard Kubat hatte in der Kreis- und Hansestadt vor sechs Jahren noch gewonnen – satte 60 Prozent standen damals zu Buche. Am Sonntag reichte es für den Amtsinhaber in Korbach unterm Strich nur für rund 44 Prozent.

Gratulierte dem neuen Landrat Jürgen van der Horst: Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese (links).

Umgeschwenkt sind auch die Lichtenfelser: 2015 hatte Kubat dort noch mit 51 Prozent vorne gelegen – diesmal kam er dort nur auf rund 42 Prozent der abgegebenen Stimmen und musste Jürgen van der Horst damit in Lichtenfels ebenfalls den Vortritt lassen.

Aufgrund der Bundestagswahl gab es bei der Landratswahl in Waldeck-Frankenberg auch eine deutlich höhere Wahlbeteiligung. Vor sechs Jahren hatte diese nur bei 31,66 Prozent gelegen – diesmal lag sie bei 70,45 Prozent.

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