Frauen qualifizieren durch digitales Lernen

Neues Projekt „Kompile“ will Frauen in Arbeit bringen

Die Projektbeteiligten kommen zum Gruppenbild am Korbacher Stadtkrankenhaus zusammen. Teamwork beim Projekt „Kompile“ - von links: Mareike Richter und Eva Garschke vom Krankenhaus, Delta-Mitarbeiterin Änne Vetterlein, Teilnehmerin Nourchan Ali, Sozialpädagogin Jennifer Grebe sowie Katja Müller-Ashauer und Marina Garthe vom Fachdienst Soziales des Kreises.
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Teamwork beim Projekt „Kompile“ - von links: Mareike Richter und Eva Garschke vom Korbacher Stadtkrankenhaus, Delta-Mitarbeiterin Änne Vetterlein, Teilnehmerin Nourchan Ali, Sozialpädagogin Jennifer Grebe sowie Katja Müller-Ashauer und Marina Garthe vom Fachdienst Soziales des Kreises.

Frauen aus dem Kreis in Arbeit oder in Ausbildung zu bringen – das ist das Ziel des neuen Projekts „Kompile“.

Waldeck-Frankenberg – Nach rund sechs Monaten endete in der vorigen Woche der erste Teil – das Jobcenter, der Kreis und die Gesellschaft Delta zogen als Projektbeteiligte eine positive Zwischenbilanz.

„Kompetenzen stärken mit integrativem Lernen“

„Kompile“ steht für „Kompetenzen stärken mit integrativem Lernen“. Nicht nur das Angebot ist neu im Kreis, auch in der Wissensvermittlung geht das Projekt neue Wege: Die Lerneinheiten laufen größtenteils übers Internet. Die Treffen seien zu 90 Prozent virtuell, erklärt Delta-Geschäftsführer Volker Heß.

Das erwies sich nicht nur angesichts der vielen Beschränkungen der Corona-Pandemie als ideale Lösung, Delta-Mitarbeiterin Änne Vetterlein ist überrascht von den Lernerfolgen: Das Online-Lernen sei intensiver als der Präsenzunterricht, urteilt sie. Die Teilnehmerinnen hätten diszipliniert mitgearbeitet: „Das ist eine beeindruckende Leistung der Frauen.“

Vetterlein schätzt aufgrund der Rückmeldungen, das Projekt habe „95 Prozent der Frauen weitergebracht“. So hätten viele geflüchtete Frauen ihre Sprachkentnisse in Deutsch verbessert.

Geld aus Wiesbaden

Im Herbst 2020 hatten sich das Jobcenter, der Kreis und Delta um die Förderung des Landes beworben. Das hessische Sozialministerium finanziert das Projekt im Rahmen ihres Programms „Brückenqualifizierung für Frauen“ – das Geld dafür kommt aus dem Sondervermögen „Hessens gute Zukunft sichern“.

Das Ministerium stellt dem Kreis für das Projekt knapp 300 000 Euro bereit, das Jobcenter wählt die Teilnehmerinnen aus. Als Projektträgerin sorgt die kreiseigene Qualifizierungsgesellschaft Delta mit dem Handwerk für die Umsetzung.

„Kompile“ richte sich an arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Frauen, berichtet Marina Garthe vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten des Kreises. Eingeschlossen sei auch die „Stille Reserve“, darunter Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive oder geringqualifizierte Frauen.

Mit 81 Frauen gestartet

„Wir haben am 11. Januar mit 81 Frauen gestartet“, berichtet Julia Rusch, die das Projekt beim Jobcenter betreut. Dreimal die Woche standen je dreistündige Lerneinheiten an. Von den Teilnehmerinnen habe es Disziplin erfordert, sich morgens über „Ecosero“ in den virtuellen Unterricht einzuwählen, berichtet Vetterlein. „Das hat super geklappt, wir waren sehr erstaunt.“ Auch der Unterricht sei „sehr effektiv“.

Dank der Online-Form hätten Frauen die Chance gehabt, ihre Kinder zu betreuen oder Corona-Beschränkungen zu umgehen. „Wir haben sie da packen können, wo sie waren“, sagt Vetterlein. „Im Präsenzunterricht hätten manche nicht durchgehhalten.“

Inhaltliche Schwerpunkte in den Gruppen

In einem „Online-Klassenraum“ schalteten sich bis zu 14 Frauen zusammen. Die digitale Form habe es ermöglicht, Gruppen mit inhaltlichen Schwerpunkten zu bilden, erklärt Delta-Chef Volker Heß.

So war für viele Deutsche die Berufsqualifikation wichtiger, für Flüchtlinge zunächst eher der Spracherwerb. Bei Präsenzunterricht wäre es wegen der großen Entfernungen im Kreis kaum möglich gewesen, die Frauen aus verschiedenen Gemeinden zusammenzuholen.

Coaching und Betriebspraktika

Ergänzend zum Unterricht gab es jede Woche zwei bis zu einstündige Einzelgespräche mit den Sozialpädagoginnen von Delta. Zunächst fanden diese Coachings nur online statt, später auch mit Präsenzterminen. Die Sozialpädagoginnen konnten so individuell auf die Frauen und ihre Lage eingehen. „Das Projekt war ein voller Erfolg“, urteilt Sozialpädagogin Jennifer Grebe.

Zur Berufsorientierung waren zwei Praktika eingeschoben – in Betrieben oder beim Berufsförderungswerk für Handwerk und Industrie in Frankenberg und dem Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach.

Letzte Phase beginnt im August

Sieben Frauen seien bereits in Arbeit gegangen, berichtet Rusch. Doch einige hätten auch abgebrochen. Derzeit seien noch 75 Teilnehmerinnen dabei, berichtet Vetterlein. Für sie beginnt nach den Sommerferien die achte Phase des Projekts:

  • Ein Teil beginnt eine Ausbildung oder geht in Arbeit, die Delta-Sozialarbeiterinnen betreuen sie bis Jahresende weiter.
  • Eine Gruppe tritt bei Delta eine Weiterbildung als Alltagsbegleiterin an, auch sie wird weiter betreut.
  • Die dritte Gruppe bereitet sich im Präsenzunterricht darauf vor, ab Januar 2022 Kurse zum Erwerb des Haupt- oder Realschulabschlusses zu besuchen. Für den im August beginnenden Vorbereitungskurs auf den Hauptschulabschluss noch sind Plätze frei, weitere Interessentinnen können sich noch bei Delta oder beim Jobcenter melden, sie werden in das Projekt eingegliedert. 

Eine Teilnehmerin des Projekts ist Nourchan Ali aus Syrien. Die 27-Jährige hat im Projekt ihre Deutschkenntnisse deutlich verbessert – im Oktober beginnt die Usselnerin eine dreijährige Ausbildung als Pflegefachfrau am Korbacher Stadtkrankenhaus. DR. KARL SCHILLING

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