Apps für Benzinpreise

Den niedrigsten Preis immer im Blick

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Sparen an der Zapfsäule: Ein Blick auf das Smartphone reicht heute aus, um die günstigsten Anbieter der Region zu ermitteln. Tankstellen-Betreiber wollen den Nutzen der „Markttransparenzstelle für Kraftstoffe“ noch nicht abschließend beurteilen.

Waldeck-Frankenberg - Preise von Benzin, Diesel, Autogas und anderen Treibstoffen können seit gut sechs Wochen minutenaktuell im Internet und auf dem Handy abgerufen werden - ein erstes Fazit von Tankstellenbetreibern fällt durchwachsen aus.

Acht Cent betrug gestern Morgen um 8 Uhr der Preisunterschied zwischen der günstigsten und der teuersten Tankstelle im Frankenberger Stadtgebiet für den Treibstoff Super. Acht Cent, die sich bei einer Tankfüllung für einen durchschnittlichen Mittelklassewagen schnell auf vier Euro summieren. Früher musste der preisbewusste Kunde die ganze Stadt, möglicherweise das Umland abfahren, um solche Unterschiede im Angebot festzustellen - gut möglich, dass der günstigste Preis sich während der Fahrerei schon wieder ändert. Heute reicht ein Blick auf das Handy.

Seit Mitte September arbeitet die „Markttransparenzstelle für Kraftstoffe“. Sie übermittelt ihre Daten an private Dienstleister, die minutengenau über Änderungen am Markt informieren. Was viele Nutzer freut - die Kommentare auf Webseiten und App-Stores belegen dies - hinterlässt bei den Tankstellenbetreibern durchaus gemischte Gefühle.

„Man kann noch nicht sagen, dass das zuverlässig ist“, sagt etwa Manfred Kuehmichel, Inhaber der vor einem Jahr eröffneten Avia-Tankstelle am Frankenberger Bahnhof. Letztlich sei die Idee „ein alter Hut“ - viele Portale, die jetzt mit Aktualität punkten wollen, hätte es schon vorher gegeben. „Früher haben die Kunden die Preise von selbst gemeldet“, erklärt der Unternehmer - neu sei einzig die minutengenaue Aktualität. „Ob es dem Verbraucher hinterher etwas bringt? Ich glaube es eher nicht“, gibt Kuehmichel zu: Das Problem sei vielmehr der fehlende Einheitspreis, kritisiert er die Riesen der Branche. Koste im Lebensmittelhandel das gleiche Produkt beim gleichen Anbieter auch das Gleiche, sei dies bei Tankstellen anders.

Rasche Anpassung

„Ich als Mittelständler muss mich da anpassen“, begräbt er die Hoffnung, dass die Ölmultis ihre Preise nach den oftmals günstigeren, kleineren Tankstellen richten. Vielmehr sei es durch die gegenseitige Kontrolle jetzt noch einfacher, auf die Preise der Konkurrenz rasch zu reagieren - besonders eben auch nach oben. „Das eigentliche Problem hat die Kontrollstelle also nicht gelöst“, beklagt Kuehmichel. Und erklärt die Frankenberger Preisspanne am gestrigen Morgen ganz klassisch: „Wenn irgendwo acht Cent Unterschied sind, dann hat einer gepennt.“

Auch Stephan Zieger sieht bislang nicht die Tendenz der Kunden, wegen einiger Cent pro Liter die Tankstelle zu wechseln. Er ist Geschäftsführer des Bundesverband freier Tankstellen, dem auch viele Anbieter in Waldeck-Frankenberg angehören, etwa das Korbacher Unternehmen Grebe. „Eigentlich haben die meisten Kunden ein Stammtankstelle“, weiß Zieger. Statt diese wegen zeitweise günstigerer Fremdangebote zu meiden, sei in den vergangenen sechs Wochen eher festzustellen gewesen, dass die Kunden ihr Tankverhalten ändern: „Es wird geschaut, wann das Benzin an der Lieblingstankstelle am günstigsten ist“, sagt Zieger. Einige Programme nämlich bieten wie eine Wettervorhersage unverbindliche Preistrends für die nächsten Stunden an.

Noch herrsche bei den Kunden die Faszination des Neuen - langfristige Prognosen wollen so weder Kuehmichel noch Ziegler abgeben: „Um wirklich abzuschätzen, wie sich das auswirkt, ist es noch viel zu früh.“

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