Der Weltspartag spielt vor allem für Kinder eine große Rolle, um den Umgang mit Geld zu lernen

„Nur wer spart, kann sich etwas leisten“

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Früh mit dem Sparen zu beginnen kann sich lohnen. Und so nutzte auch der dreijährige Julian Bremer die Sparwoche, um sein Kleingeld bei Claudia Schatz in der Waldecker Bank in Korbach vorbeizubringen. Foto: Tobias Treude/Archiv

Waldeck-Frankenberg - Mit Kuscheltieren oder Taschenlampen belohnen die Banken und Sparkassen eifrige Sparer. Für Kinder ist das Sparbuch nach wie vor der Einstieg in die Welt der Finanzen - trotz Zinsen von gerade mal knapp über null Prozent.

Am letzten Werktag vor dem 31. Oktober ist Weltspartag. Heimische Banken und Sparkassen laden aber die gesamte Woche über ein, die Spardosen zu leeren und das Geld einzuzahlen. Das habe nicht an Reiz verloren, sagt Mario Seitz von der Frankenberger Bank. „Die Weltsparwoche ist insbesondere für Kinder ein wichtiges Element im Umgang mit Geld“, sagt er. Subjektiv sei die Zahl der Sparer nicht zurückgegangen.

Das sieht auch Karlheinz Göbel von der Sparkasse Waldeck-Frankenberg ähnlich: „Wir erleben jährlich zum Weltspartag ein ungebrochenes Interesse, sowohl der Eltern, aber insbesondere der Kinder, denen dieser Tag gewidmet ist.“

Sparbuch als Fundament

Heinrich Emde von der Wal­decker Bank hingegen bemerkt ein nachlassendes Interesse am Weltspartag. Das macht er vor allem an zwei Beobachtungen fest: „Der Spargedanke der Eltern wird als Wert nicht mehr so stark in den Vordergrund gestellt wie früher. Das kontinuierliche Sparen - immer mal ein oder zwei Euro in die Spardose zu werfen - ist deutlich rückläufig.“ Anstelle von Kleingeld seien häufig nur wenige Scheine in den Sparschweinen zu finden. Das zeige, dass der Gedanke des regelmäßigen Sparens heute eine untergeordnetere Rolle spiele.

Für Mario Seitz ist das der falsche Weg. Zwar seien wegen des Zinsniveaus Kredite gefragt. „Aber: „Nur wer spart, kann sich etwas leisten.“ Dieses Grundverständnis schütze vor einer späteren Überschuldung. Wichtig sei, regelmäßig zu sparen: „Nicht bloß für spezielle Wünsche, sondern auch als wichtiger Teil der eigenen Absicherung, insbesondere der Altersvorsorge.“

Der „Klassiker“ Sparbuch bringt bei der Frankenberger Bank derzeit Zinsen in Höhe von 0,15 Prozent. „Mit längeren Kündigungsfristen oder Anlagezeiten steigt dieser Zins jedoch“, sagt Seitz. Trotzdem sei das Sparbuch noch immer traditionell das Einstiegsprodukt für junge Menschen in die Welt der Finanzen. „Oftmals wird schon zur Geburt von den Eltern oder Großeltern ein Sparbuch angelegt.“

Auch Heinrich Emde bezeichnet das Sparbuch als Fundament der Kunden der Waldecker Bank. Dennoch gilt: „Ist ein gewisser Betrag angespart, sollte über alternative Anlageformen gesprochen werden, die nach den Zielen und Wünschen und der Risikoneigung der Kunden ausgerichtet sind.“ Karlheinz Göbel sieht das Sparen in Zeiten niedriger Zinsen als Herausforderung für die Menschen. „Deshalb analysieren wir zunächst in einem ausführlichen Finanz-Check-Gespräch, welcher Handlungsbedarf in den Feldern Service und Liquidität, Absicherung der Lebensrisiken, Altersvorsorge sowie Vermögenbildung besteht.“

Vorsparen statt Raten

Null-Prozent-Finanzierung und Ratenzahlung - die Möglichkeiten, sich teure Wünsche schnell zu erfüllen, sind vielfältig. Doch warnt Heinrich Emde vor diesen Optionen: „Wir raten unseren jungen Kunden, die unsicher sind, vorzusparen. Das heißt, dass sie sich die Rate einer Finanzierung erst einmal für ein Jahr auf einem Sparkonto zurücklegen, um dann zu sehen, ob sie wirklich in der Lage sind, diese aufbringen zu können.“ Diese Lösung habe zwei Vorteile. Der Kunde habe so schon ein Grundkapital angesammelt und er sei sich sicher, dass er die Raten auch aufbringen könne.

Dass eine frühe „Sparerziehung“ wichtig ist, da sind sich die drei Finanzexperten einig. „Je früher die Kinder den Umgang mit dem Geld erlernen, umso leichter fällt es ihnen später, einen Teil des Geldes zu sparen, denn Sparen bedeutet erst einmal Konsumverzicht“, erklärt Heinrich Emde. Immer öfter falle es Eltern schwer, ihren Kindern diesen Sinn zu vermitteln, denn in der Werbung sei alles sofort zu haben.

Für ältere Sparer empfiehlt Mario Seitz Gespräche mit dem Bankberater, denn wie im Straßenverkehr gelte: „Falsch parken kostet Geld.“ Allerdings hat er wenig Hoffnung, dass die Zinsen in den nächsten Jahren wesentlich steigen. „Sein Geld beispielsweise in Tagesgeld zu parken und auf steigende Zinsen zu warten, ist keine gute Idee.“ (tt/de)

Der Weltspartag ist auch das "Thema des Tages" in der WLZ-FZ vom Mittwoch, 30. Oktober

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