Große Anfrage im Kreistag zeigt: Eltern brauchen Angebote in Schulen und Kitas

Ohne Betreuung geht es in Waldeck-Frankenberg nicht

Kreatives Arbeiten: Auch darauf setzen Schulen bei der Betreuung der Kinder am Nachmittag. Der Bedarf für die Angebote nach dem Unterricht hat auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
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Kreatives Arbeiten: Auch darauf setzen Schulen bei der Betreuung der Kinder am Nachmittag. Der Bedarf für die Angebote nach dem Unterricht hat auch im Landkreis Waldeck-Frankenberg in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Waldeck-Frankenberg – Der Bedarf an ganztägiger Kinderbetreuung ist in Waldeck-Frankenberg in den zurückliegenden Jahren stark gestiegen. Das geht aus der Beantwortung einer Großen Anfrage der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervor.

Sowohl in den Schulen, als auch in den Kindergärten in Waldeck-Frankenberg ist das Betreuungsangebot am Nachmittag fest installiert – wenngleich es unterschiedliche Angebote gibt. Jede Einrichtung entscheidet selbst, wie sie ihre Betreuung regelt und wie sie auf die jeweiligen Bedarfe reagiert.

Auffällig ist in diesem Zusammenhang vor allem die Entwicklung der Betreuungszeiten an den Schulen im Landkreis. Hier wird zwischen Betreuungs- und Ganztagsangeboten mit Modul-Modellen unterschieden. Außerdem gibt es noch den Pakt für den Nachmittag (siehe Artikel unten). Waren es 1990 gerade einmal zwei Schulen in Waldeck-Frankenberg, an denen eine Betreuung am Nachmittag angeboten wurden, sind es heute 25 Schulen mit einem über den Landkreis als Schulträger installierten freiwilligen Betreuungsangebot. Außerdem nehmen 16 Schulen am Pakt für den Nachmittag teil.

Schulen mit einem Ganztagsangebot im Modulmodell entwickeln ihre Betreuungskonzepte in aller Regel selbst. Hier stieg die Zahl der Schulen, die ein solches Modell anbieten, von 18 im Jahr 2010 auf mittlerweile 35 an. Darunter sind zwei klassische Ganztagsschulen: die Kegelbergschule in Frankenberg und die Paul-Zimmermann-Schule in Korbach.

Mit Blick auf die Kitas in Waldeck-Frankenberg ist die Situation ähnlich. „In den Städten und Gemeinden wurden in den vergangenen zehn Jahren bedarfsgerechte Öffnungszeiten geschaffen. Mindestens eine Kita innerhalb einer Kommune bietet ein Mittagessen an. Außerdem wurden Schlaf- und Ruheräume geschaffen“, heißt es in der Antwort des Landkreises auf die Anfrage der Grünen.

Damit einhergegangen seien in den zurückliegenden Jahren auch bauliche Veränderungen an vielen Kitas im Kreis, um der gestiegenen Nachfrage an Betreuungsplätzen – gerade auch für die Zeit am Nachmittag – durch mehr Raumangebot gerecht zu werden. „Der Landkreis unterstützt Kommunen und Träger bei Baumaßnahmen in Kitas und Kindertagespflege mit 20 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten“, teilt der Kreis mit. Er verweist darauf, dass die Zuschüsse seit 2016 (131 400 Euro) deutlich gestiegen seien. Im Jahr 2020 seien sie mittlerweile bei 1,7 Millionen Euro angelangt.

In einer Stellungnahme sprach sich die SPD-Kreistagsfraktion für mehr „echte Ganztagsschulen“ aus. „Im Gegensatz zu den freiwilligen Angeboten im Pakt für den Nachmittag, so gut sie auch gemeint sein mögen, sind Unterricht und zusätzliche Angebote in den Ganztagsschulen für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Dadurch könnten unterschiedliche Bildungs- und Unterstützungsvoraussetzungen in den Elternhäusern an allen Schulen ausgeglichen werden und zu mehr Chancengleichheit führen“, teilen die Sozialdemokraten mit.

Die AfD-Fraktion setzt dagegen auf Freiwilligkeit. „Hochwertige Betreuungsangebote sind richtig, sollten aber freiwillig sein, um den Eltern auch die Möglichkeit zu erhalten, ihre Kinder selbst zu betreuen“, schreibt Claudia Papst-Dippel. In den Kitas sei dies genauso. „Wir lehnen entschieden den Eingriff in die elterlichen Rechte auf Erziehung ab. Von der Qualität der Kinderbetreuung hängen die spätere Gesundheit, Lernfähigkeit, Bindungsfähigkeit, soziale Kompetenz, Demokratiefähigkeit und letztlich auch der Zustand unserer Gesellschaft ab“, so Papst-Dippel.

Der Nachmittag soll für Schulkinder abwechslungsreich sein: Das sind die verschiedenen Angebote

Die Betreuungsangebote gehen über die normale Stundentafel hinaus und können sich auch über die Ferien erstrecken. Die Zeiten werden zwischen den Schulen und der Elternschaft bedarfsorientiert abgestimmt. Bei der Kinderbetreuung findet eine enge Zusammenarbeit mit Kinderhorten und freien Initiativen statt. Die Teilnahme an den Angeboten ist freiwillig.

Schulen mit Ganztagsangeboten: Bei diesem Modell wird in drei Profile unterschieden: Schulen im Profil 1 bieten an mindestens drei Wochentagen von 7.30 Uhr bis 14.30 Uhr Hausaufgabenbetreuung, Fördermaßnahmen sowie erweiterte Angebote im Wahl- und Freizeitbereich an. Die Teilnahme an den Angeboten ist freiwillig. Nach erfolgter Anmeldung durch die Eltern besteht allerdings die Pflicht zur Teilnahme.

Schulen im Profil 2 bieten an allen fünf Schultagen pro Woche freiwillige Zusatzangebote von 7.30 Uhr bis 16 oder 17 Uhr an. Unter anderem werden Förderkurse, Wahlangebote sowie Arbeitsgemeinschaften und Projekte, die Betreuung von Hausaufgaben und Stillarbeit sowie die Teilnahme an offenen Sport- und Spielgruppen gewährleistet. Für angemeldete Schülerinnen und Schüler besteht eine Teilnahmepflicht.

Schulen im Profil 3 sind Ganztagsschulen. Sie bieten an fünf Tagen pro Woche in der Zeit von 7.30 Uhr bis 16 oder 17 Uhr Betreuung, Unterricht sowie verpflichtende Ganztagsangebote für alle oder für einen definierten Teil der Schülerinnen und Schüler an. Die Angebote sind ähnlich wie im Profil 2.

Pakt für den Nachmittag: Auch hier wird an fünf Wochentagen bis spätestens 17 Uhr sowie in den Ferien eine Betreuung in ähnliche Form wie bei den anderen Modellen angeboten. Ein Schwerpunkt liegt aber auf sogenannten Lernzeiten. Die Arbeit im Unterricht am Vormittag wird mit dem Nachmittagsangebot verzahnt. So werden zum Beispiel die traditionellen Hausaufgaben abgelöst.

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