Orkantief diesmal aber nicht so schlimm wie „Friederike“ vor zwei Jahren

„Sabine“ schüttelt den Landkreis ordentlich durch

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Orkantief „Sabine“ hat auch Nordhessen durchgewirbelt. Unterm Strich steht aber fest: So schlimm wie beim Orkantief „Friederike“ vor zwei Jahren war es nicht. Waldeck-Frankenberg kam glimpflich davon.

--- aktualisiert um 17.45 --- 

Trotz der nicht ganz so schlimmen Auswirkungen, gab es aber auch diesmal wieder Schäden, Verkehrsbeeinträchtigungen und Einsätze für Feuerwehren, THW, Polizei, Straßenmeistereien. Das Polizeipräsidium Nordhessen meldete im Zuge des Orkantiefs "Sabine" rund 100 kleinere Einsätze wegen umgestürzter Bäume, Schilder oder Absperrungen. 

A44: Lastwagen kippt auf Talbrücke Twiste um

Am Montagmorgen gegen 7.50 Uhr erfasste jedoch eine Böe auf der Talbrücke Twiste auf der Autobahn 44 in Richtung Dortmund einen Lastwagen, dessen mit Styropor beladener Anhänger so ins Kippen geriet und umstürzte. Der Fahrer blieb unverletzt. Die Autobahn war in Fahrtrichtung Dortmund wegen der Bergungsarbeiten voll gesperrt. 

Die Feuerwehren und Straßenmeistereien in Waldeck-Frankenberg hatten die Lage im Griff und räumten umgefallene Bäume und Astwerk von den Straßen. Über größere Schäden liegen bislang keine Meldungen vor. 

Im Kreis gab es mehrere gesperrte Straßen oder Straßenabschnitte. Unter anderem wurde die Landesstraße zwischen Willingen und Bontkirchen von Hessen-Mobil geräumt, der Pärrner Weg bei Bad Wildungen war ebenfalls durch umgefallene Bäume gesperrt. 

Der regionale Busverkehr fand nach Auskunft von NVV-Sprecherin Sabine Herms am Sonntag ohne größere Zwischenfälle statt. „Auch am Montag haben wir bis auf kleinere Hindernisse wie Astwerk auf den Straßen wieder normalen Alltag. Da die Schulen geschlossen wurden, fanden die Fahrten für den Schülerverkehr nicht statt“, sagte sie. 

Herms wies jedoch auch darauf hin, dass die Kurhessenbahn am Sonntag ab 17 Uhr den Zugverkehr zwischen Kassel und Korbach sowie zwischen Kassel-Bad Wildungen eingestellt hatte. „Seit Montagmorgen lief die Verbindung zwischen Kassel und Bad Wildungen aber wieder ohne große Einschränkungen.“ Die Strecke Kassel in Richtung Korbach sei jedoch im Bereich Zierenberg nach Korbach weiterhin problematisch gewesen, hier habe es Einschränkungen gegeben. Vereinzelte Ausfälle habe es auch zwischen Korbach und Brilon gegeben. In allen anderen Bereichen habe sich die Situation im Laufe des Montags normalisiert.

Technisches Hilfswerk im Einsatz

Fünf Trupps hatte das Technische Hilfswerk seit Sonntag im Einsatz. Wie Zugführer Dirk Gernand vom THW Korbach mitteilte, mussten mehrere Kräfte ausrücken und umgefallene Bäume von den Schienen ziehen. Im Anschluss daran wurden Erkundungsfahrten mit Triebwagen durchgeführt, damit der Zugverkehr wieder ohne Einschränkungen rollen konnte. 

Nach Auskunft des Landkreises rückten die heimischen Feuerwehren in der Nacht von Sonntag auf Montag zu 14 Einsätzen in Waldeck-Frankenberg aus. Hauptsächlich sei es hierbei um umgestürzte Bäume gegangen, die Straßen und Wege blockierten. In Willingen habe sich zudem eine Solaranlage mit Kollektoren von einem Dach gelöst. In Frankenberg sei das Dach eines Pavillons beschädigt worden. „Darüber hinaus wurden weitere 43 Einsatzstellen mit umgestürzten Bäumen auf Bundes-, Landes- und Kreisstraßen an die Straßenmeistereien gemeldet“, schreibt der Landkreis, der sich zudem bei allen Einsatzkräften bedankte. 

Die Schäden hielten sich auch in Nordwaldeck in Grenzen. Am Montagmorgen musste die B 450 am Ferienpark Twistesee wegen der Beseitigung einer umgestürzten Buche kurzfristig gesperrt werden. Streckensperrungen gab es laut Polizei auch auf der Eilhäuser Straße zwischen Helsen und Kohlgrund sowie auf der Landesstraße 3080 zwischen Volkmarsen und Wetterburg wegen eines umgestürzten Baumes. 

Für eine genauere Bilanz der Waldschäden ist es nach Auskunft des Leiters des Forstamtes Diemelstadt, Martin Klein, aber noch zu früh. Nach grober Einschätzung scheint sich das Ausmaß der Schäden in Grenzen zu halten. 

Die Waldecker Feuerwehren mussten zwischen Sonntagabend und Montagmorgen ebenfalls ausrücken. In Freienhagen war ein Bauzaun umgeweht, in Netze lag ein Baum über der Straße. In Bergfreiheit waren die Kameraden Sonntagabend im Einsatz, weil Bäume auf ein Haus zu stürzen schienen. An der Hammerbergstraße in Hemfurth-Edersee lautete die Meldung ähnlich. Verletzt wurde bei all dem niemand und auch über größere Schäden liegen keine Meldungen vor. 

Gesperrt werden mussten am Montag wegen umgestürzter Bäume unter anderem der Pärrner Weg zwischen Reinhardshausen und Odershausen sowie die Straße zwischen Edertal-Wellen und Fritzlar-Züschen. In beiden Fällen führen die Strecken durch Waldgebiete mit Baumbeständen, die bis an die Fahrbahn reichen. 

Im Frankenberger Land blieb es am Sonntag und Montag relativ ruhig. Es gab kaum nennenswerte Einsätze für Feuerwehren, Polizei, Bauhöfe und Straßenmeistereien. Bei Bromskirchen musste die Bundesstraße in Richtung Allendorf in der Nacht kurzzeitig wegen eines umgestürzten Baumes gesperrt werden, ebenso am Montag die Straße zwischen Reddighausen und Biebighausen. Ansonsten blieb es bei abgebrochenen Zweigen, umgeblasenen Mülltonnen und abgerissenen Werbebannern. Insgesamt hatte die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg laut Sprecher Jörg Dämmer seit Sonntag mehr als 20 Einsätze im Nord- und Südkreis registriert. Dabei ging es hauptsächlich um umgestürzte Bäume, die den Verkehr auf den Straßen blockierten.

Einige Straßenabschnitte sind noch gesperrt

Hessen-Mobil-Sprecher Marco Lingemann berichtete, dass das Orkantief „Sabine“ nicht so schlimm gewesen sei, wie es die Wettervorhersagen prognostiziert hätten. 

„Meist mussten einzelne Bäume, die auf der Fahrbahn lagen, von den Hessen-Mobil-Mitarbeitern beiseite geräumt werden. Dort, wo Hubsteiger oder größere Forstmaschinen zur Beseitigung der Bäume notwendig waren, konnte der überwiegende Teil der Straßen im Laufe des Montags wieder freigegeben werden“, so Lingemann. An einigen Abschnitten hätten die Bäume jedoch am Montag noch nicht entfernt werden können. In diesen Waldbereichen sei wegen der weiterhin wiederkehrenden stürmischen Böen die Arbeit noch zu gefährlich. „Der Boden ist durch den Regen aufgeweicht. So können Bäume, die bereits angeschoben sind, leicht in Gänze umfallen. Sofern es das Wetter zulässt, wird an diesen Abschnitten am Dienstag mit den Aufräumarbeiten begonnen. Diese sind dann voraussichtlich bis spätestens Mitte der Woche abgeschlossen“, sagt der Sprecher. 

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind davon folgende Straßenabschnitte betroffen: L 3198 Helsen-Eilhausen, K 83 Rhoden-Denkelhof, K 115 Reddighausen-Kläranlage Rettighausen, K 40 bei Odershausen (Pärner Weg) und die K 106 Bühle-Wolfhagen.

Im Wald besteht derzeit Lebensgefahr

Die Folgen des Orkantiefs „Sabine“ sind auch in den heimischen Wäldern zu spüren. Der Stadtwald Lichtenfels ist bis auf Weiteres gesperrt. Die Wege werden im Laufe der Woche freigeschnitten. Für Rückfragen steht Forstamtsleiter Martin Wrosch (0176/566 99761) zur Verfügung. 

Weil „Sabine“ auch im Nationalpark Kellerwald-Edersee gewütet hat, wird empfohlen, heute und in den kommenden Tagen aus Sicherheitsgründen von einem Waldspaziergang abzusehen. Der Wildtier-Park bleibt am Dienstag noch geschlossen. 

Nach Auskunft des Hessischen Waldbesitzerverbandes räumen Förster, Waldarbeiter und Waldeigentümer derzeit Wege und Straßen frei. Es wird generell davor gewarnt, in den nächsten Tagen den Wald zu betreten. „Viele Wege sind durch umgestürzte Bäume unpassierbar. Die Bäume liegen kreuz und quer übereinander und stehen unter Spannung. Unter umgestürzten Bäumen durchzukriechen oder darüber zu klettern ist lebensgefährlich, weil sich die Spannungen jederzeit lösen können und die tonnenschweren Stämme dann wie ein Katapult unvorhersehbar in eine Richtung schnellen“, teilt der Hessische Waldbesitzerverband mit. 

Vom Sturm angeschobene, aber stehen gebliebene Bäume könnten zudem jederzeit umstürzen. Waldarbeiter und Maschinenführer hätten derzeit alle Hände voll zu tun, umgestürzte Bäume zu entasten und von den Wegen zu ziehen. Erst wenn die Wege wieder frei seien, könnten sie in den Waldbeständen nachschauen, ob großflächige Schäden durch Windbruch entstanden sind. Das werde erfahrungsgemäß einige Tage dauern. Der Aufenthalt in der Nähe von Baumfällarbeiten und Holzerntemaschinen sei zudem lebensgefährlich. Daher sei das Betreten von Waldflächen, in denen Holz eingeschlagen werde, gesetzlich verboten.

Informationen bei hessenWARN

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg weist auf die App hessenWARN hin, mit der man schnell und gezielt offizielle behördliche Meldungen zu Unwettern aufs Smartphone gemeldet bekomme. Über die Meldungen seien auch Informationen abrufbar, wie man sich im Unwetter- oder Katastrophenfall verhalten sollte. Um sich für den Service anzumelden, stehe die App kostenlos im iPhone-App-Store, für Android-Phones im Google-Play-Store und für Windows-Phones im Windows-Store zur Verfügung. Weitere Informationen dazu gibt es unter https://innen.hessen.de/sicherheit/hessenwarn.

Polizei war mehr als 20 Mal im Einsatz

Insgesamt hatte die Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg laut Sprecher Jörg Dämmer seit Sonntag mehr als 20 Einsätze im Nord- und Südkreis registriert. Dabei ging es hauptsächlich um umgestürzte Bäume, die den Verkehr auf den Straßen blockierten.

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