Waldeck-Frankenberg

Otto Wilke: „Für Schulen zumutbar“

- Personalbudget heißt das Zauberwort, mit dem die Schulsozialarbeit gerettet werden soll: Schulen bekommen künftig ihr eigenes Sparbuch und können daraus die Sozialarbeiter bezahlen.

Per Pressemitteilung verkündete Kreisbeigeordneter Otto Wilke (FDP) am Dienstag die frohe Botschaft: Die Schulsozialarbeit im Landkreis Waldeck-Frankenberg könne über die Sommerferien 2010 hinaus weitergeführt werden. Er sehe gute Möglichkeiten, dass die an dreizehn Schulen des Kreises tätigen Sozialarbeiter ihre Arbeit fortsetzen könnten. Nach Gesprächen mit dem Kultusministerium besteht laut Wilke Übereinstimmung mit Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP), wie Schulsozialarbeit und das Konzept eigenverantwortliche Schule in Einklang gebracht werden. Der Plan: Das Ministerium gibt den Schulen die Möglichkeit, für sich zu entscheiden, ob sie Schulsozialarbeit für ihre Schule als notwendig erachten. In diesem Fall hat die Schule die Freiheit, aus ihrem Personalbudget den Drittelanteil für Schulsozialarbeit zu finanzieren. Beim genaueren Hinsehen entpuppt sich die Nachricht jedoch als gar nicht so neu: Schon seit November argumentiert Henzler, dass im Rahmen der „eigenständigen Schule“ jede Schule über zehn Prozent ihres Personalbudgets selbst verfügen könne. So könnten die Schulen statt eines Lehrers auch Schulsozialarbeiter beschäftigen. Kritik an dem Modell hagelte es seitdem schon von vielen Seiten: Von einem „Taschenspielertrick“ der Ministerin sprach etwa der künftige Landrat Dr. Reinhard Kubat. Schulen, die Sozialarbeit wollen, müssten auf Lehrer verzichten.Genau das führe zu sozialer Ungerechtigkeit, sagt Michael Gering, Leiter der Louis-Peter-Schule in Korbach im Gespräch mit der WLZ-FZ: „Schulen, die Sozialarbeit brauchen, bekommen obendrein noch Lehrerstellen abgezogen. Schulen, die sie nicht brauchen, haben mehr Lehrer und können ihren Schülern eine bessere Ausbildung bieten.“ Schließlich biete das Modell keine Planungssicherheit für das Personal: „Wir müssen immer abwarten, wie die Zuweisung ausfällt“, so der Schulleiter. Immerhin: Gering kann seinem Schulsozialarbeiter, der mit einer 0,7-Stelle für 700 Schüler zuständig ist, jetzt eine Perspektive über die Sommerferien hinaus geben: Erst vor wenigen Monaten hatte die Kultusministerin noch verkündet, dass sich das Land aus der Drittelfinanzierung der Schulsozialarbeit zurückziehen werde. Das hätte das Aus bedeutet. Bislang hatten sich Land, Landkreis und Kommunen die Kosten geteilt. „Schulsozialarbeit wird hoffähig und anerkannt“, sagt Gering hoffnungsvoll. Otto Wilke verteidigt indes unbeirrt den Vorschlag seiner Parteikollegin aus Wiesbaden: Betrachte man die Kosten für eine halbe Stelle Schulsozialarbeit, wie sie an den Schulen im Landkreis eingerichtet sei, so komme man dort auf Kosten von rund 21 000 Euro, rechnet er vor. Hiervon müsste die jeweilige Schule aus ihrem Budget 7000 Euro pro Jahr beisteuern, dies entspreche bei einer Schule mit 20 Lehrkräften einem Anteil von weniger als einem Prozent des Personalbudgets.Dies ist nach Meinung von Otto Wilke ein „zumutbarer Betrag für die Schulen, zumal wenn man bedenkt, dass bisher das Geld für die Sozialarbeit aus der Vertretungspauschale genommen wurde und somit den Schulen auch bisher nicht zur Verfügung gestanden hat“. Den Rest müssten wie bisher Kreis und Kommunen übernehmen. Wilke sichert zu: „Der Kreis steht zu seinem Finanzierungsanteil.“

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