Willingen

Ovationen für Koch, Traumergebnis für Bouffier/Bildergalerie

- Willingen. Der CDU-Landesparteitag in Willingen avancierte zur großen Abschiedsfeier für Roland Koch. Minutenlangen spendeten die Delegierten aus ganz Hessen Beifall für den scheidenden Ministerpräsidenten – und künftigen Ehrenvorsitzenden der hessischen Union. 96 Prozent Zustimmung, und damit ein erstklassiges Ergebnis, gab es für Innenminister Volker Bouffier, der Kochs Nachfolge als Parteichef antrat. Von Jörg Kleine

In der Öffentlichkeit ist Roland Koch nicht für Gefühlsausbrüche bekannt. Doch sein Abschied am Samstag in Willingen war emotional. Immer wieder musste sich Koch erheben, als ihm die CDU-Mitglieder aus ganz Hessen stehend mit Applaus geradezu huldigten. Ein Video mit kraftvoller Musik zeigte noch einmal Stationen seiner zwölf Jahre als hessischer CDU-Chef, dann gab er wiederholt Küsschen an seine Ehefrau Anke, die an diesem besonderen Tag – ausnahmsweise - nach Kochs Rede mit auf die Bühne kam. Die Erfolgsgeschichte von Roland Koch sei schließlich auch „Teil eurer Geschichte“, betonte Volker Bouffier mit Blick auf Kochs Familie, die ansonsten über all die Jahre stets im Hintergrund blieb. Hier trennte Koch immer stark zwischen politischem Amt und Privatsphäre. Die Rührung war Koch in diesen Minuten deutlich anzusehen. So sah der Landesparteitag, unabhängig von seiner rhetorischer Brillanz, einen anderen Roland Koch – wie er sich auch schon bei seiner Rücktrittsankündigung Ende Mai gezeigt hatte. Willingen erlebte keinen kämpferischen und unbequemen Wahlkämpfer an der Spitze, sondern einen gelösten, eher lockeren Redner, der vor allem um eines bemüht war: Weggefährten und Mitarbeitern zu danken – und seinem Nachfolger Volker Bouffier einen möglichst breiten Weg zu bahnen. Ohne Zweifel bringt Kochs Abschied eine tiefe Zäsur für die Christdemokraten in Hessen. Doch beschwor Bouffier, der zum engsten Freundeskreis Kochs zählt, Kontinuität in der bürgerlichen hessischen Politik: Freiheit, Werte, soziale Marktwirtschaft nannte Bouffier als Stichworte. In seiner einstündigen Rede streifte Bouffier alle Facetten von Partei und Politik. Inhaltliche Schwerpunkte setzte er bei Bildung, Forschung und innerer Sicherheit. Gegen 15 Uhr am Samstag verkündete er nordhessische Bezirksvorsitzende Bernd Siebert das Wahlergebnis für Volker Bouffier, der als einziger Kandidat bei der Wahl des Landesvorsitzenden angetreten war: 96 Prozent Zustimmung bescherten ihm ein Traumergebnis. „Ich freue mich über den ganz großen Vertrauensbeweis“, betonte Bouffier. Zuvor hatten sowohl Koch als auch Bouffier den andauernden Streit in der Bundesregierung kritisiert und zur sachorientierten Arbeit in Berlin aufgefordert. „Das muss nach der Bundespräsidentenwahl besser gehen, sonst wird es uns verdammt viel schlechter gehen“, mahnte Koch. Auf Vorschlag von Bouffier wählte der Landesparteitag Roland Koch noch zum neuen Ehrenvorsitzenden. Einziger Ehrenvorsitzender der hessischen CDU ist bislang derfrühere Ministerpräsident Walter Wallmann. Derweil ließ Koch durchblicken, dass sein Nachfolger Volker Bouffier künftig möglichst auch seinen Sitz als stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU übernehmen soll.

Mehr in unserer Zeitungsausgabe vom Montag, 14. Juni.

Eine Bildergalerie zum CDU-Landesparteitag finden Sie hier:

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