Landkreis fasst Naturdenkmalverordnung neu · mehr Geld für Pflege

Perlen vor Zerstörung bewahren

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Naturdenkmale in Waldeck-Frankenberg: Der „Große Sandberg“ am Korbacher Stadtrand

Waldeck-Frankenberg - 284 Naturdenkmale stehen ab diesem Jahr in Waldeck-Frankenberg unter besonderem Schutz. Das sind 91 mehr als zuvor. Der Landkreis hat seine Naturdenkmalverordnung entsprechend neu gefasst.

Wenn die Tanzlinde in Ammenhausen reden könnte, dann hätte sie sicher viel zu erzählen: Der mächtige Baum ist mehrere Hundert Jahre alt – und soll möglichst noch vielen weiteren Generationen erhalten bleiben.

Deshalb steht die Linde ganz im Norden Waldeck-Frankenbergs als Naturdenkmal unter besonderem Schutz, markiert durch das bekannte dreieckige Schild mit grünem Rand und Adler in der Mitte. Perlen der Natur Insgesamt enthält die Liste der novellierten Naturdenkmalverordnung des Landkreises 284 schutzwürdige Perlen der Natur. 99 davon sind Bäume, aber auch besondere Flächen wie Moore, Heiden oder stillgelegte Steinbrüche sollen vor Zerstörung bewahrt werden. „Dazu gehören etwa im Norden Kalkmagerrasen mit Orchideen und Enzianen und im Süden etwa die Hommershäuser Heide“, sagt Hartmut Kaiser, Leiter des Fachdienstes Natur- und Landschaftsschutz des Landkreises. Beschlossene Sache ist die Neuregelung schon seit 2007.

In einem langwierigen Verfahren mit Anhörungen der Träger öffentlicher Belange hat die Behörde seitdem die vier bestehenden Naturdenkmal-Verordnungen des Landkreises zusammengefasst und Vorschläge der Kommunen und Naturschutzverbände und des Geoparks Grenzwelten eingearbeitet.

„Uns war es wichtig, einen möglichst breiten Konsens im Bereich der Akteure und Verantwortlichen zu schaffen“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf.

Mit der Veröffentlichung der neuen Verordnung ist sie nun gültig. Im gleichen Zuge hat der Landkreis die Haushaltsmittel für die Pflege der Naturdenkmale von 35 000 Euro auf 45 000 Euro aufgestockt. Eine Arbeit, die der Landkreis zum Teil an Landwirte vergibt, die aber auch Naturschützer und andere ehrenamtlich übernehmen. Die Liste und eine Karte der Naturdenkmale gibt es unter www.landkreis-waldeck-frankenberg.de, Unterpunkt „Öffentliche Bekanntmachungen“

HIntergrund

Naturdenkmale sind nach dem hessischen Naturschutzgesetz rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. In Waldeck-Frankenberg wurden zwischen 1984 und 1991 drei Naturdenkmalverordnungen für insgesamt 195 Gebiete erlassen.

Danach gab es für viele Jahre keine Neuausweisungen mehr. 2007 beschloss der Kreistag dann, die drei bestehenden Verordnungen zu novellieren. Insgesamt 264 Vorschläge für neue Denkmale reichten Kommunen und Naturschutzverbände im folgenden Jahr beim Fachdienst Natur- und Landschaftsschutz (Untere Naturschutzbehörde) ein.

In einem Zwischenschritt wies der Landkreis 2009 in einer vierten Verordnung bereits die ersten 59 neuen Naturdenkmale aus, die unstrittig waren. Die restlichen folgten mit der neuen Verordnung. Insgesamt hat die Naturschutzbehörde des Landkreises mehr als die Hälfte der eingereichten Vorschläge in die Verordnung aufgenommen. Von den dort aufgelisteten 284 Naturdenkmalen sind 159 aus den alten drei Verordnungen übernommen worden, 125 kamen seit 2009 neu hinzu.

Gleichzeitig stehen auch 34 Objekte aus den alten Verordnungen nicht mehr auf der aktuellen Liste. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum Teil gibt es etliche frühere Denkmale schlichtweg nicht mehr – etwa tote Bäume. Zum Teil sind sie auch in neuen Naturschutzgebieten aufgegangen.(lb)

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