Ausgebüxtes Pinselohr bei Basdorf gefunden · Im Wildtierpark unsanft mit Tatzenhieb empfangen

Pfeil trifft Luchs beim Sonnenbad - Video

Zurück bei seiner Luchsfamilie im Wildtierpark Edersee: Tierpfleger Friedrich Knüppel füttert den heimgekehrten Ausreißer, rechts Luchsmutter Eila, im Hintergrund die Großeltern Tinka und Peter in einem abgetrennten Gehege. Foto: Höhne

Edertal-Hemfurth / Edersee. - Vier Wochen genoss der aus dem Wildtierpark Edersee ausgebüxte Luchs die große Freiheit. Ein Sonnenbad in Basdorf wurde dem Ausreißer zum Verhängnis. Er wurde narkotisiert und ins Gehege zurückgebracht.

Tierparkleiter Albert Hernold zeigt sich erleichtert über den Zustand des Heimkehrers: „Er ist gesund, fit und gut genährt.“ Das zwei Jahre alte Luchsmännchen wurde zu seinen Eltern gebracht, die den Ausreißer unsanft empfingen. „Seine Mutter verpasste ihm gleich einen leichten Hieb mit der Tatze“, beobachtete Hernold.

Vier Wochen war der Luchs beinahe rund um den Edersee unterwegs. In Bringhausen, Asel-Süd, Harbshausen und Herzhausen wurde das Pinselohr gesehen, später in Dorf- und Thalitter. In Höringhausen beobachteten Passanten die Großkatze an der Bundesstraße. Nach den telefonischen Meldungen rückte Tierparkleiter Hernold mit dem Narkosegewehr aus - aber stets ohne Erfolg. „Als ich eintraf, war der Luchs immer weg.“

Nachts im Scheinwerferlicht wurden überraschte Autofahrer auf die Katze mit dem auffälligen Stummelschwanz aufmerksam. Aber in der Dunkelheit sei die Chance, den Luchs zu erwischen, äußerst gering. Dem gewitzten Ausreißer wurde am Sonntagnachmittag ein Sonnenbad in Basdorf zum Verhängnis. Christian Höhle und Schwiegersohn Jörg Becker entdeckten ihn nahe des Maislabyrinths und informierten den Wildpark.

Der Kuder döste im Stangenholz. Hernold pirschte sich bis auf 15 Meter an ihn heran und schoss einen Betäubungspfeil ab. Die Großkatze flüchtete in eine Weihnachtsbaumschonung, und dann wirkte das Narkosemittel. In einer Transportkiste wurde der Ausreißer in den Wildpark gefahren und in seinem Gehege wieder ausgesetzt. Der gute Zustand des Tieres lässt darauf schließen, dass es sich in freier Wildbahn ausreichend ernährt hat. Vermutlich hat das Luchsmännchen Mäuse, Hasen und Kaninchen zur Strecke gebracht. Wahrscheinlich geht auch ein Rehriss auf seine Kosten. „Eine Keule war weggefressen“, berichtet Hernold.

Dennoch zeigte der Ausreißer nach seiner Heimkehr gesunden Appetit. „Er hatte tüchtig Kohldampf“, bemerkte Tierpfleger Friedrich Knüppel, der ihm eine üppige Portion Fleischbrocken vorwarf.

Der noch namenlose Kuder war vor vier Wochen durch ein Loch unter dem Zaun entwischt, das ein Fuchs gegraben hatte. Eine ausgelegte Futterstrecke sollte ihn wieder ins Gehege locken. Aber daran labten sich Waschbären, wie sich später herausstellte. Obwohl das Pinselohr allein in der Natur zurechtkam, wurde alles daran gesetzt, den Ausreißer wieder einzufangen. Grund dafür ist das Verhalten des Gehegeluchses, der sich nahe an Wohngebieten aufhält. Er soll in einem Garten gesehen worden sein, in dem Kinder spielten und lieferte sich eine kurze Beißerei mit dem Dackel einer Hundehalterin.

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