Anhand von Daten und Bildern gibt der Mediziner Anweisungen an die Sanitäter im Rettungswagen

Pilotprojekt im Landkreis: Tele-Notarzt hilft per Telefon und Video

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Tele-Notarzt-System vorgestellt: (vorne) Gerhard Biederbick sowie (hinten, von links): Dr. Rudolf Alexi, Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese, Michael Wehmeyer, Yvonne Genuit vom Landkreis und Jürgen Dezius.

Waldeck-Frankenberg – Im Zuge eines Pilotprojektes ist seit vier Wochen ein Tele-Notarzt-System in Waldeck-Frankenberg im Einsatz. Dies ist in einem Rettungswagen eingebaut, der erst in Korbach stationiert war und in den nächsten Tagen zur Rettungswache nach Usseln geht.

Der Tele-Notarzt kommt nicht zu Einsätzen hinzu, sondern wird im Rettungswagen zugeschaltet. Er ist über Telefon und Video mit den Sanitätern vor Ort verbunden und erhält zudem in Echtzeit alle wichtigen Informationen über den Patienten wie Blutdruck, Herzfrequenz oder welche Medikamente sie einnehmen.

EKG-Gerät mit neuester Technik: Jürgen Dezius, Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Korbach-Bad Arolsen, stellt sie vor.

Der Tele-Notarzt kann anhand der Daten und Bilder aus dem Rettungswagen schnell Diagnosen stellen und entscheiden, was zu tun ist. Einzelheiten zum Projekt wurden nun vorgestellt.

„Gerade in ländlichen Gebieten, in denen die Soll-Hilfsfrist von 15 Minuten für das Eintreffen des Notarztes nicht immer eingehalten werden kann, ist ein Tele-Notarzt für eine noch schnellere notärztliche Versorgung des Patienten ein großer Vorteil“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese und stellte klar: Notärzte, die ausrücken, werde es natürlich trotzdem weiter geben.

Kamera: Sie gibt für den Tele-Notarzt den Blick auf den Patienten frei.

„Ob ein Tele-Notarzt eingesetzt werden kann, hängt vom Krankheitsbild des Patienten ab“, erklärt Dr. Rudolf Alexi, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis. Er nennt Beispiele: „Im Falle von Schmerztherapien bei nicht lebensbedrohlichen Verletzungen oder Erkrankungen sowie bei Schlaganfällen ohne Bewusstlosigkeit ist es erlaubt und auch vorteilhaft, wenn ein Tele-Notarzt zugeschaltet wird. So kann sofort nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes beim Patienten mit einer effektiven notärztlichen Behandlung begonnen werden, weil der Tele-Notarzt bereits zugeschaltet ist.“

Das EKG aus der Nähe. 

Bei Reanimationen, schweren Kreislaufinsuffizienzen sowie bei Bewusstlosigkeit oder schweren Unfällen würden neben Notfallsanitätern aber auch weiterhin Notärzte am Einsatzort sein.

Tele-Notärzte sitzen in Aachen

Entwickelt wurde das Konzept von einer Forschergruppe aus Medizinern und Ingenieuren der RWTH Aachen. Diese haben den Einsatz von Tele-Notärzten, die auch sonst als normale Notärzte tätig sind, seit fünf Jahren in Aachen etabliert. Inzwischen arbeiten dort fast 40 Tele-Notärzte im Team und haben über 120 00 Einsätze begleitet. Diese Tele-Notärzte sind es auch, die in Waldeck-Frankenberg – also aktuell im Upland – den dortigen Rettungskräften zugeschaltet werden.

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