Waldeck-Frankenberg

Der politische Poker beginnt

- Waldeck-Frankenberg (jk/lb). Die Kreistagswahl verspricht politische Spannung wie im Krimi: Die Koalition aus CDU, FWG und FDP ist abgewählt – doch für Rot-Grün allein reicht es nicht. „Ampel“ oder Große Koalition wären Alternativen.

Als das vorläufige Wahlergebnis gestern Morgen gegen halb elf auf der Internet-Seite aufflackerte, da glühten im Landkreis gleich die Drähte. Große Koalition aus SPD und CDU, „Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP – oder gar Rot-Rot-Grün mit Linkspartei als Juniorpartner? Zumindest arithmetisch waren schier grenzenlose politische Farbenspiele plötzlich möglich. Bei 71 Sitzen im Kreistag sind mindestens 36 Stimmen nötig. Auch ein Bündnis von SPD, Grünen und der FWG würde also eine Mehrheit im neuen Kreistag bringen – rein rechnerisch jedenfalls. Doch halt, wie war das noch? Hatten SPD und Grüne nicht vor der Wahl den Spitzenkandidat der Freien Wähler, den Ersten Kreisbeigeordneten Peter Niederstraßer, überaus heftig attackiert? „Niederstraßer war Teil des Systems Eichenlaub, und das ist weiter so. Doch das hat nichts mit der FWG in Gänze zu tun“, relativiert Grünen-Chef Jürgen Frömmrich – und zeigt sich nach allen Seiten offen: „Ja klar, wir müssen auch mit denen sprechen.“ Nach allzu viel Sympathie klingt das nicht, aber doch nach demokratischen Leitsätzen. In jedem Fall gehen die Grünen als klarer Sieger aus der Kommunalwahl hervor: ob in vielen Städten und Gemeinden oder auf Kreisebene. Statt vier haben die Grünen künftig zehn Mandate im Kreistag und sind damit deutlich drittstärkste Kraft. Der Aufschlag im Reigen der Koalitionsverhandlungen gebührt aber tatsächlich der SPD. Die Genossen haben zwar ein wichtiges Wahlziel verfehlt: Statt Stimmenzuwachs haben sie 1,5 Prozentpunkte verloren, räumt Spitzenkandidat Reinhard Kahl enttäuscht ein. Doch ohne die Sozialdemokraten scheint auch kein realistisches Bündnis im neuen Kreistag möglich. Sonst müssten sich die Grünen schon mit CDU, FDP oder FWG gemeinsam verschwistern – gegen die SPD. Und das grenzte nach all dem Kampf gegen ein jahrelanges Bollwerk der bürgerlichen Koalition seit 2001 eher an ein Wunder. SPD-Frontmann Kahl sendet keineswegs kriegerische Signale aus: „Wir halten uns an die demokratischen Spielregeln“, betont er. Und das bedeutet für den SPD-Spitzenkandidaten, dass die CDU als zweitstärkste Fraktion keineswegs in den neuen politischen Gremien ausgebootet werden soll.Als versteckte Botschaft für eine rot-schwarze Große Koalition ist das indes nicht zu interpretieren. „Bei der schwierigen Aufgabe, die uns die Wähler im Kreis gestellt haben, kann ich momentan keine Aussage machen“, wehrt Kahl vorerst jede Frage nach möglichen Koalitionen ab. Spannende Beratungen stehen bevor.

Mehr in unserer Zeitungsausgabe vom 30. März.

Wahlergebnisse mit Stimmenzahl aller Kandidaten zum Download:

ErgebnisKreiswahl

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