Die Arbeit der Polizei in Waldeck-Frankenberg

Brandermittler der Kripo: Spurensuche im Schutt

Waldeck-Frankenberg. Spezialkleidung und Handschuhe an, Helm und Maske auf und los geht’s: Ist Kriminaloberkommissar Dirk Schiffmann im Einsatz, dann mit spezieller Ausrüstung. Der 47-Jährige ist Brandursachenermittler der Korbacher Kripo.

Ist die Feuerwehr abgerückt, beginnt die Arbeit für Dirk Schiffmann und seinen Kollegen. Zu zweit kümmern sich die beiden Beamten vom K 10 um die Brandursachenermittlung im Landkreis, untersuchen etwa 50 Brandstellen jedes Jahr.

Bereits existierende Einsatz- oder Zeitungsberichte liest er bewusst nicht, bevor er mit der Arbeit beginnt, sagt Schiffmann. „So gehen wir neutral heran und lassen uns nicht beeinflussen.“ Und dennoch ist eines von Anfang an klar: Jeder Einsatzort ist ein möglicher Tatort.

Entsprechend werden – wie bei vielen anderen Einsätzen auch – zunächst Zeugen gesucht und befragt. Wer hat die Feuerwehr angerufen? Von wo stieg der Rauch auf und welche Farbe hatte er? Hat vielleicht sogar jemand Fotos oder Videos gemacht? Und was hat die Feuerwehr festgestellt? „So können wir uns schon ein grobes Bild machen.“ Hat es in einem Gebäude gebrannt, geht Schiffmann komplett herum, schaut sich jedes Fenster und jede Tür genau an – um einen möglichen Einbruch festzustellen. Erst danach geht er hinein.

Gut 24 Stunden liegen zwischen dem Einsatz der Feuerwehr und dem Arbeitsbeginn der Brandermittler – aus Sicherheitsgründen. Dennoch ist auch, nachdem das Feuer längst gelöscht ist, noch eine Feuerwehrausrüstung samt Masken und CO-Warner nötig wegen möglicher giftiger Stoffe in der Luft. Die passenden Utensilien haben Schiffmann und sein Kollege immer im Brandermittlerfahrzeug dabei. In dem Van finden sich neben der speziellen Kleidung auch allerlei Geräte und Werkzeuge. Eines der wichtigsten ist jedoch schlicht eine Schaufel. Auf der Suche nach dem Brandherd muss nämlich jede Menge Schutt aus dem Weg geräumt werden. Reichen die Geräte der Polizei nicht aus, wird das Korbacher THW angefordert.

Probe fürs Labor

Mitunter wird dann sogar das, was die Feuerwehr zum Löschen herausgebracht hat, wieder ins Gebäude getragen. So soll die Situation, als der Brand ausbrach, rekonstruiert werden. Das Finden des Brandherds steht schließlich im Vordergrund. Schiffmann sucht also den Ort der größten Brandzehrung: die Stelle, an der der Schaden am größten ist. Naturwissenschaftlich-technische Kenntnisse sind dabei unerlässlich – aber ebenso jahrelange Erfahrung. Hunderte Brandursachenermittlungen hat der Kriminaloberkommissar bereits gemacht.

Ob beispielsweise Brandbeschleuniger wie Benzin im Spiel waren, lässt sich mit einem besonderen Gerät feststellen. Doch das allein reicht aus polizeilicher Sicht nicht aus: Proben des Brandschutts werden noch zum Landeskriminalamt nach Wiesbaden geschickt und dort untersucht. Alles, was wichtig sein könnte, wird als Probe mitgenommen.

Bis zu fünf Tage verbringen die Ermittler an den Brandorten auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, was passiert ist und ob ein Feuer fahrlässig oder vorsätzlich entstanden ist. „Wir arbeiten nach dem Ausschlussverfahren“, sagt Schiffmann. Alle Möglichkeiten – ob technischer Defekt, der Einsatz von Brandbeschleunigern oder schlicht eine umgefallene Kerze – werden erwogen, untersucht und eventuell wieder verworfen. Bei hohen Sachschäden oder Personenschäden werden sie von Sachverständigen des LKA unterstützt. Hunderte Fotos macht Schiffmann bei diesen Einsätzen. Ein Teil davon findet sich später in der Ermittlungsakte.

Ist die Ursache am Ende klar, ist die Arbeit des 47-Jährigen aber noch nicht beendet. Entpuppt sich ein Feuer als vorsätzlich, gehen die Ermittlungen weiter: nach dem Täter.

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