Serie: Die Arbeit der Polizei in Waldeck-Frankenberg

Geld, Pässe, Ausweise: Den Fälschern auf der Spur

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Genauer Blick: Geräte der Bundesdruckerei helfen dabei, gefälschte Dokumente zu erkennen. Polizeioberkommissar Antonio Diaz Eierding hier bei der Kontrolle eines Führerscheins. 

Korbach. Der irakische Führerschein, den Antonio Diaz Eierding in Händen hält, sieht auf den ersten Blick gut aus: stabil, passende Farben, alle wichtigen Eintragungen. Doch für den Polizeioberkommissar ist schnell klar: Das Dokument ist eine Fälschung. In einem kleinen Labor der Korbacher Polizei nimmt er Dokumente, deren Echtheit angezweifelt wird, im wahrsten Sinne unter die Lupe.

Bei Verkehrsunfällen, Einbrüchen oder Gewalttaten wird die Polizei gerufen. Doch die Beamten leisten mehr als das, was nach außen hin sichtbar ist. In einer neuen Serie blicken wir hinter die Kulissen der Polizei in Waldeck-Frankenberg und stellen die unterschiedlichsten Aufgabenfelder vor. Heute: die Urkundenvorprüfung.

In einem speziellen Informationssystem der Polizei ruft er aktuelle irakische Führerscheine auf. Nahezu alle Dokumente, die auf der Welt genutzt werden, sind in der Datenbank enthalten, sagt Diaz Eierding. „Wir sind sehr gut aufgestellt.“ Nach wenigen Blicken sieht er seine Vermutung bestätigt: Auf dem Führerschein ist eine Landesflagge oben links, wo eigentlich ein Länderumriss sein müsste. Die Tabelle auf der Rückseite, auf der eingetragen wird, welche Fahrzeuge geführt werden dürfen, ist anders angeordnet als beim Original, außerdem ist das Foto auf der Fälschung bei genauerem Hinsehen leicht verschwommen.

Zur Ausstattung des Labors gehören auch mehrere Geräte der Bundesdruckerei. Darin lassen sich Dokumente beispielsweise unter UV- oder Infrarotlicht begutachten. Dann ist zu erkennen, ob zum Beispiel ein Foto über ein anderes gelegt wurde. Eine halbe Stunde, so schätzt der Polizist, braucht er für die Überprüfung des Dokuments.

Fast 500 Prüfungen im Jahr

Abgeschlossen ist die Arbeit damit aber noch nicht. Hat sich ein Pass, Führerschein oder ähnliches als Fälschung entpuppt, wird es zur weiteren Prüfung nach Kassel geschickt und dann zum LKA nach Wiesbaden. Der Grund für den Aufwand ist simpel: Die Vorwürfe müssen gerichtsfest sein.

Nach Personenüberprüfungen oder Fahrzeugkontrollen gelangen die Dokumente, die einen Verdacht erregt haben, ins Labor der Korbacher Polizei. Immer häufiger werden Dokumente auch von der Ausländerbehörde oder der Führerscheinstelle des Landkreises geschickt. Die Zahlen sind eindeutig: Im Jahr 2013 wurden noch fünf Dokumente geprüft (von denen alle gefälscht waren). In den ersten neun Monaten 2017 waren es bereits 485 geprüfte Dokumente, 150 von ihnen waren nicht echt.

Am häufigsten landen gefälschte Führerscheine und Personalausweise bei der Polizei. Doch aktuell liegt auch ein Nummernschild im Labor. Bei einer Verkehrskontrolle waren Kollegen auf das TÜV-Siegel aufmerksam geworden. Orange müsste es sein, erklärt Diaz Eierding, gelblich-orange ist es. Dem Fahrzeugführer, der aus Nordrhein-Westfalen kam, wurde die Weiterfahrt untersagt, das Nummernschild wurde von der Polizei für die Überprüfung mitgenommen.

In Korbach kümmern sich insgesamt zwei Kollegen um die Prüfung der Dokumente. Beide haben eine dreiwöchige besondere Ausbildung absolviert, regelmäßig kommen Fortbildungen hinzu, bei denen auf die neuesten Tricks der Fälscher eingegangen wird.

Für den 40-jährigen Polizeioberkommissar ist es ein spannender Job, wie er sagt. Ist ein Dokument aufwändig gefälscht, sitzt er manches Mal zwei Stunden an der Überprüfung, um die entsprechenden Fälschungsmerkmale zu entschlüsseln.

Wer übrigens glaubt, nur Geld oder Dokumente wie Führerscheine und Pässe würden von Kriminellen gefälscht, der irrt. Selbst McDonalds-Gutscheine haben Fälscher schon ins Visier genommen. Und selbst die haben mittlerweile Merkmale, die sie als echt ausweisen, sagt Polizeioberkommissar Antonio Diaz Eierding.

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