Musik-Tipp

Frische Wehmut

Passt zur Musik von Russ Ballard: Das Cover von "It's Good to Be Here" im Retro-Stil. 

Einige Rock-Fans der Region hatten sich schon auf das März-Konzert von Russ Ballard in Göttingen gefreut. Doch dann kam Corona und die Absage. Ein Trost: Sein neues Album „It’s Good To Be Here“ ist stark und lädt zur 70er .

Viele seiner Hits schrieb der Songwriter, Studiomusiker und Musikproduzent aus England für andere Bands. In den 70igern - der Pionierzeit des Hardrocks - schuf er Klassiker wie „God Gave Rock’n’Roll“ für Kiss oder „So You win Again“ für Hot Chocolate. Und mit „You Can Do Magic“, „Since You’ve Been Gone“ und „New York Groove“ räumten America, Rainbow und Hello ab. Alle drei Evergreens legt der Altmeister des E-Gitarren-Pop-rocks nun im balladesken Gewand neu auf. Mit Inbrunst stark gesungen, im knalligen, glasklaren Sound abgemischt von seinem Sohn Christian. Inzwischen Mitte 70, zeigt der Songwriter, Sänger, Gitarrist und Pianist, was er immer noch drauf hat. Alte Stärken, mit denen er in den 80igern auch solo erfolgreich war („Voices“, „The Fire Still Burns“ oder „Hey Bernadette“), klingen bei den neuen Songs mit: Vor allem die einprägsamen Melodien – oft mehrstimmige Refrains, die schnell ins Ohr gehen und lange im Kopf bleiben. Zudem baut die facettenreiche, zuweilen hardrockig angeblueste Instrumentierung Spannung auf und gibt den oft hymnenhaften Songs Atmosphäre. Wie bei „Time Machine“, das mit tief melancholischem Gesang und unwiderstehlichem Mitsing-Refrain im 70er-Stil verpasste Liebeschancen vertont. Noch wehmütiger wird’s bei „Wasted (The Last Ride)“ oder „The Misunderstood“. Gefühlvoller Höhepunkt ist die eindringlich rührende Hymne „Proud Man“. Doch Russ kann auch noch wild und rockig: Packende Gitarrenriffs spielt er bei „Kickin’ The Can“ und „The First Man That Ever Danced“. Doch insgesamt treten die Gitarren stärker in den Hintergrund als beim eindrucksvollen Vorgängeralbum „The Book of Love“ aus dem Jahr 2006. Früher radiotauglich – heute zeitlos gut. Die melodischen Songs von Russ Ballard haben Seele gehen immer noch mit Frische unter die Haut. 

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