Aktuelle Studie des Hessischen Industrie- und Handelskammertages

Preise für Wasser und Abwasser von Ort zu Ort unterschiedlich

Wasser marsch: Andreas Mertens an der Wasserverteilungsanlage im Hochbehälter der Stadt Waldeck, unterhalb der Burg.

Waldeck-Frankenberg. Wie viel das Wasser aus der Leitung kostet und wie viel die Entsorgung von Schmutzwasser, hängt davon ab, wo man wohnt.

Die Preise für Wasser und Abwasser variieren laut einer aktuellen Studie des Hessischen Industrie- und Handelskammertages (HIHK) innerhalb unseres Landkreises stark. Im Schnitt sind sie im Vergleich zu 2017 in etwa stabil geblieben.

Ein Kubikmeter Frischwasser kostet derzeit durchschnittlich 2,13 Euro. Das ist ein Cent weniger als im vergangenen Jahr. Damit liegt Waldeck-Frankenberg leicht über dem Landesdurchschnitt mit 2,05 Euro. Die größte Preisspanne zwischen den Kommunen in Waldeck-Frankenberg beträgt beim Trinkwasser 1,58 Euro. Das machen bei 100 Kubikmetern im Jahr immerhin 427 Euro aus, die ein Haushalt mehr oder weniger zahlt.

Die Entsorgung von Abwasser kostet in Waldeck-Frankenberg je Kubikmeter durchschnittlich 3,22 Euro – 4 Cent weniger als 2017 und 25 Cent mehr als im Landesdurchschnitt. Die größte Preisspanne innerhalb des Landkreises liegt hier bei 3,43 Euro.

Die Autoren der Studie weisen allerdings darauf hin, dass die Gebühren kaum miteinander zu vergleichen seien. Zu unterschiedlich seien die Voraussetzungen jeder einzelnen Stadt oder Gemeinde, die die Höhe der Gebühren beeinflussen. Vor allem in ländlichen Regionen mit wenigen Einwohnern kostet es viel Geld, Leitungen und Rohre instand zu halten. Einige setzen daher auf interkommunale Zusammenarbeit.

So haben zum Beispiel Volkmarsen und Bad Arolsen die Kommunalen Betriebe Nordwaldeck gegründet, um beim Wasser und Abwasser zu kooperieren und zu sparen. „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt“, sagt Hartmut Linnekugel, Bürgermeister der Stadt Volkmarsen. Dadurch sei es jetzt möglich, die Gebühren zu senken. 

Um die Preise für Wasser und Abwasser der einzelnen Kommunen miteinander zu vergleichen, reicht der Blick auf die Statistik nicht aus. Die Zahlen aus dem Wassermonitor der IHK Hessen zeigen zwar, was wo wie viel kostet. Das macht für Hausbesitzer und Unternehmen oft einen erheblichen Unterschied. Und dennoch haben die Städte und Gemeinden ihre speziellen Gründe für die Höhe ihrer Gebühren. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen:

Beispiel Waldeck 

Die Stadt Waldeck hat mit 5,26 Euro pro Kubikmeter Abwasser die höchste Gebühr im gesamten Landkreis Waldeck-Frankenberg. Die Gebühr für Niederschlagswasser von 25 Cent pro Quadratmeter versiegelter Fläche ist hingegen vergleichsweise gering. Hinzu kommt pro Haushalt noch eine Grundgebühr von 84 Euro im Jahr. Bürgermeister Jörg Feldmann rechtfertigt die Gebühren mit den Investitionen der Stadt in das Abwassersystem. Die sieben Kläranlagen und die Abwasserkanäle würden kontinuierlich erneuert und über die regelmäßigen Gebühren anstatt über Beiträge finanziert. „Dafür haben wir ein vernünftiges Infrastrukturnetz, und die Menschen und die Umwelt haben etwas davon“, sagt Feldmann.

Beispiel Volkmarsen 

Einige Städte und Gemeinden gehen mittlerweile auch beim Frischwasser und Abwasser den Weg der interkommunalen Zusammenarbeit. So auch Volkmarsen und Bad Arolsen. Das Stadtparlament Volkmarsen hat neulich beschlossen, die Gebühren für Wasser und Abwasser zu senken, da die Stadt in diesen Bereichen Überschüsse verzeichnet hat. Die Gebühr sinkt für den Kubikmeter Frischwasser von 2,17 Euro auf 1,75 Euro und die Gebühr für Abwasser von 3 Euro auf 2,90 Euro. Bürgermeister Hartmut Linnekugel führt dies vor allem auf die Zusammenarbeit mit Bad Arolsen und damit einhergehenden Einsparungen zurück.

Beispiel Rosenthal 

Auffällig ist, dass die Stadt Rosenthal im landkreisweiten Vergleich hohe Grundgebühren bei den Anliegern erhebt: mit 120 Euro die höchste Grundgebühr für Abwasser und mit 87,72 Euro nach der Gemeinde Diemelsee die zweithöchste für Frischwasser. Dagegen kostet der tatsächliche Verbrauch dort am wenigsten: 1,40 Euro je Kubikmeter Frischwasser. Aus der Sicht von Bürgermeister Hans Waßmuth ist dieser Weg gerecht. Familien mit mehreren Kindern würden so entlastet. Haushalte mit großen Grundstücken und wenigen Bewohnern hingegen, die lange Wasserleitungen und Abwasserrohre verursachen, müssten sich ebenso an den Kosten beteiligen. Durch die recht hohe Grundgebühr könne das Leitungsnetz aufrechterhalten werden.

Beispiel Hatzfeld

In der Stadt Hatzfeld ist der Kubikmeter Trinkwasser im Vergleich zu anderen Orten Waldeck-Frankenbergs mit 2,98 Euro am teuersten. Dies ist unter anderem auf die Topografie, also die Beschaffenheit des Geländes zurückzuführen. Die Kommune im Südwesten des Landkreises mit der 674 Meter hohen Sackpfeife ist geprägt von Hügeln und Tälern. Bürgermeister Dirk Junker spricht bei der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung von „erheblichen Herausforderungen“, die schon angegangen worden seien. „Hierzu gehört für uns auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Berleburg. Diese Zusammenarbeit bedeutet für Hatzfeld einen Quantensprung in der Versorgungs- und Betriebssicherheit.“ Dirk Junker kritisiert das Kommunalabgabengesetz, das eine Kostendeckung durch Gebühren beim Wasser und Abwasser fordert. Gerade in dörflichen Regionen bedeute dies, dass sich wenige Einwohner und Betriebe die Kosten teilen müssten.

Beispiel Bromskirchen

Die Gemeinde Bromskirchen berechnet für das Frischwasser eine jährliche Grundgebühr von 64,20 Euro. Fürs Abwasser wird jährlich eine Grundgebühr von 76,20 Euro erhoben. Diese Gebühren dienen dazu, die Kosten für Kläranlage und Abwasserleitungen zu decken sowie zum Beispiel Pumpen und deren Reparaturen zu finanzieren, die das Wasser aus den Tälern hochpumpen. „Wir haben hier sehr, sehr lange Wege“, betont Bürgermeister Ottmar Vöpel.

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