Auch Waldeck-Frankenberger Zucht- und Mastbetriebe betroffen

Preise für Schweinefleisch auf Talfahrt

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Durch das Russland-Embargo sind die Erzeugerpreise für Schweinefleisch deutlich gesunken. Das trifft auch viele Schweinemäster und- züchter in Waldeck-Frankenberg. Foto: Boris Roessler

Waldeck-Frankenberg - Die Preise für Agrarprodukte fallen – am schlimmsten trifft es die Schweineproduzenten. Aber auch der Milchpreis ist gesunken. Dafür gibt es mehrere Gründe, einer davon ist das russische Embargo für Agrarprodukte aus Europa und Amerika.

Anfang August 2014 verhängte der russische Präsident Putin ein Embargo für Rind-, Schweine-, und Geflügelfleisch, Fisch, Käse, Milch, Gemüse und Obst aus den USA und der Europäischen Union. Das war seine Antwort an die Länder, die im Ukraine-Konflikt Sanktionen gegen Russland verhängt hatten. Längst sind die Auswirkungen auch für die Landwirte in Waldeck-Frankenberg spürbar.

Zwar wurden aus Deutschland in der Vergangenheit nur geringere Mengen Milch nach Russland exportiert, doch gehörten die Dänen und Niederländer zu den großen Hauptexporteuren. „Da der russische Markt dicht ist, bieten sie ihre Waren nun auf dem europäischen Markt an – damit ist das Angebot groß und der Preis wird gedrückt“, erklärt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg, auf Nachfrage der WLZ-FZ.

Hinzu komme, dass die Nachfrage nach Milch in Asien etwas gesunken sei und die deutschen Bauern mit Blick auf den Wegfall der Milchquote Ende April in den vergangenen Monaten mehr Milch produzierten als noch vor einem Jahr. Mit der Milchquote wurde die Produktionsmenge in den vergangenen Jahrzehnten geregelt. Fällt sie weg, gilt auch für die Milchproduktion der freie Markt.

Hoffen auf Molkerein

Die meisten Bauern auch in Waldeck-Frankenberg haben schon längst reagiert und investiert“, sagt Matthias Eckel und seine Kollegin, Stephanie Wetekam, Geschäftsführerin des Waldecker Bauernverbandes, stimmt ihm zu: „Die Milchproduktion ist keine kurzfristige Sache. Zwei Jahre sind die Tiere im Bestand, ehe sie gemolken werden können. Das heißt, wer die Produktion aufstocken will, muss das längerfristig vorstellen. Nun sei das Aufstocken „einzelbetrieblich durchaus sinnvoll“, erklärt Eckel, „aber wenn das alle machen, wird der Preis natürlich wieder gedrückt,“ verweist der Geschäftsführer auf das ewige Dilemma. Der Preis für einen Liter Milch ist unter die Grenze von 30 Cent gerutscht – im September 2013 lag der Preis noch bei 45 Cent. Für das kommende Jahr hält Eckel ein Milchpreisniveau von durchschnittlich 30 bis 31 Cent für möglich. Weil rund 80 Prozent der heimischen Milchbauern in genossenschaftlichen Molkereien organisiert seien, sehen sowohl Eckel als auch Wetekam gute Aussichten dafür, dass die Molkereien innovative veredelte Produkte auf den Markt bringen und neue Absatzwege dafür suchen, „denn die veredelten Produkte bringen mehr Gewinn als der pure Rohstoff Milch“.

Preise im Tiefflug

Einen noch längeren Atem als die Milchbauern müssen die Schweineproduzenten haben. Der Preis für Schlachtschweine ist deutlich gesunken – von 1,72 Euro pro Kilo auf derzeit 1,28 Euro. Nicht immer wird der niedrige Preis dabei an den Verbraucher weitergegeben. In Waldeck-Frankenberg nimmt die

Schweineproduktion eine große Position ein. Noch vor zwei Jahren wurden rund 350 Betriebe gezählt, die etwa 60000 Schweine hielten, davon 6200 Zuchtsauen. „Doch viele von ihnen, vor allem Nebenerwerbsbetriebe und kleine Zuchtsauenbetriebe, haben inzwischen aufgegeben“, erklärt Eckel. Auf rund 15 Prozent schätzt Stephanie Wetekam die Zahl. Höhere Auflagen an die Haltung und zu geringe Erzeugerpreise hätten dazu geführt. „Die Schweinehalter sind schwankende Preise eigentlich gewöhnt“, erklärt Wetekam. Nicht umsonst habe sich in der Wirtschaftswissenschaft der Begriff „Schweinezyklus“ verbreitet: Er beschreibt die Zeitverzögerungen im Regelmechanismus zwischen Angebot, Nachfrage und Preis. „Doch jetzt ist der Preis sehr weit gefallen – und da spielt das Russland-Embargo eine entscheidende Rolle“.

Durch die Schweineproduktion in den Nachbarländern sei der Markt gesättigt. Weggebrochen sei auch der Markt für die so genannten unedlen Teile, also fettige und knochige Stücke, erklärt Eckel, und schließlich würden auch die Ferkelzüchter ihre Tiere nicht los. Aufgrund des großen Angebots auf dem europäischen Markt sind die Preise weit unter eine auskömmliche Marke gesunken. Eckel hofft daher, dass Russland das Embargo lockert, um seine Bevölkerung über den Winter ausreichend ernähren zu können. Und: „Jede schlechte Phase kostet uns Betriebe“.

Von Marianne Dämmer

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