Umstellung auf Sommerzeit bietet deutschen Bürgern wenig Vorteile

Probleme für Mensch und Tier

+
In der Nacht zu Sonntag werden die Uhren wieder auf Sommerzeit umgestellt: Die Zeit wird von 1.59 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Vor allem Menschen in der Nachtschicht und so manches Tier haben damit Probleme.Foto: Sara Schelberger

Waldeck-Frankenberg - Weniger Stromverbrauch, mehr Licht und mehr Antrieb – das soll das alljährliche Vorstellen der Uhr im März bewirken. Doch die Umstellung bringt vor allem den Alltag der Menschen durcheinander. Auch Haus- und Wildtiere sind davon oft betroffen.

In der Nacht zu Sonntag wird wieder an der Uhr gedreht: Um zwei Uhr nachts werden die Uhren eine Stunde vorgestellt – auf die Sommerzeit. Den meisten Menschen und auch Tieren macht die fehlende Stunde nicht allzu viel aus. Sie durchlaufen die Zeitumstellung quasi „im Schlaf“. So mancher Hund besteht allerdings zur „alten“ Uhrzeit auf seinen Spaziergang.

Probleme für die innere Uhr

Auch Stalltiere bemerken laut Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Matthias Eckel, einen Unterschied zum Vortag, nehmen dies allerdings meistens gelassen. Landwirte reagieren in der Regel schon vorher, um den Tieren die Umstellung auf beispielsweise neue Fütterungs- oder Melkzeiten zu erleichtern. „Der Landwirt geht dann beispielsweise auf zwei Tage verteilt eine halbe Stunde früher in den Stall“, weiß Eckel.

Bei der Milchmenge gebe es durch die fehlende Stunde allerdings keinen Unterschied. „Es ist nicht so, dass bei Umstellung auf Sommerzeit Milch fehlt oder dass es der Kuh bei Umstellung auf Winterzeit schon im Euter zwickt“, erklärt Eckel. „Bei automatisierten Melkmaschinen ist das dann noch mal was anderes. Da können die Kühe hingehen, wenn es ihnen passt.“

Schweine würden allerdings manchmal schon unruhig werden, wenn sie rationiert gefüttert werden und der Landwirt plötzlich später kommt. Mit dem Auslauf haben es die meisten Tiere jedoch nicht allzu eilig. „Kühe sind keine Tiere, die sich da melden“, weiß Matthias Eckel. Auch Hühner nehmen die Umstellung gelassen. „Sie richten sich nur nach dem Tageslicht – stehen also auf, wenn es hell wird.“

Für Fuchs, Reh und Wildschwein gibt es keine Zeitumstellung. Sie überqueren laut Polizeioberkommissarin Sandra Theiß aus Korbach die Straße, wann es ihnen passt. Ein Wildunfall wird durch die veränderten Berufsverkehrzeiten nicht wahrscheinlicher. Lediglich die Jahreszeiten beeinflussen den Wildwechsel, beispielsweise wenn sich die Tiere in der Brunft- oder Blattzeit befinden, ihr Revier abgrenzen oder nach Nahrung suchen.

Manchen Menschen hingegen fehlt die gestohlene Stunde, beispielsweise wenn sie im Schichtdienst arbeiten. Denn der menschliche Organismus folgt einem bestimmten biologischen Rhythmus. Probleme mit der Zeitumstellung hat auch die Deutsche Bahn. Das Unternehmen informiert darüber, dass es ein bis zwei Tage dauert, bis sich der Fahrplan wieder normalisiert hat. In kaum einem Lebensbereich kommt es so auf die Zeit an wie bei der Bahn. Damit der Betrieb reibungslos verläuft, fahren alle Züge und Busse nach einem festgelegten Plan. Personen möchten ihren Anschlusszug erreichen und auch Güter müssen rechtzeitig beim Empfänger ankommen, damit der Produktionsprozess nicht gefährdet wird.

Bei der Umstellung auf die Sommerzeit werden die rund 120000 Uhren in Bahnhöfen und Diensträumen sowie Automaten, Informations- und Steuerungssystemen von 1.59 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. Taktgeber ist dabei das Funksignal der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig. Das Signal wird bei der Bahn von unabhängig arbeitenden Funkuhren und rund 2500 „Mutteruhren“ aufgenommen und von dort an alle anderen Uhren im Bereich der Bahn weitergegeben. Für deren Anpassung wird etwa eine Stunde benötigt.

Stromverbrauch sinkt nicht

Haustiere reagieren genauso unterschiedlich auf den neuen Rhythmus. Manch einen tierischen Begleiter bringt die Zeitumstellung ziemlich aus dem Konzept, ein anderer bemerkt sie kaum. Der beste Freund des Menschen, der Hund, wird beispielsweise schnell nervös, wenn er plötzlich nicht mehr zur gewohnten Zeit Gassi gehen kann. Schnell macht er seinen Besitzer dann auf sich aufmerksam.

Ihren Sinn erfüllt hat die 1980 eingeführte Zeitumstellung jedoch nicht wirklich. „Man wollte Strom sparen und den Tag besser nutzen“, erklärt der Technische Leiter der Frankenberger Energiegesellschaft, Thorsten Röder. „Eingetreten ist dieser Effekt allerdings nicht. Oft wird sogar noch mehr Strom für Freizeitaktivitäten der Deutschen benötigt.“ Zudem seien Glühbirnen damals auch noch weit verbreitet gewesen. Die heutigen LEDs oder Energiesparlampen würden ohnehin weniger Energie verbrauchen, betont Röder. „Auf kurz oder lang bringt die Zeitumstellung also nichts – vielleicht sogar im Gegenteil.“

Von Sara Schelberger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare