Beratung und intensives Training soll Teilnehmer von Gewalt abbringen

Neues Projekt richtet sich an gewalttätige (Ehe-)Männer

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Durch das Training sollen gewalttätige Männer ihr Verhalten ablegen.

„Trau dich – Hau nicht!“ heißt ein Projekt, das jetzt im Landkreis gestartet ist. Erstmals gibt es damit in Waldeck-Frankenberg ein Angebot, das sich an gewalttätige Männer richtet.

Neben einer offenen Sprechstunde gibt es ein spezielles Training.

Anti-Aggressionstrainings gibt es bereits einmal im Jahr in Waldeck-Frankenberg. Dieses richtet sich an Menschen, die bereits wegen Körperverletzung verurteilt wurden – und am Training teilnehmen müssen. Nun gibt es ein Angebot, zu dem Gerichte Männer verurteilen können, das aber auch Freiwilligen aus dem gesamten Landkreis offen steht.

Wer in der Partnerschaft gewalttätig ist und fürchtet, dass sich die Partnerin deshalb trennen könnte, kann sich im Rahmen des Projekts „Trau dich – Hau nicht“ professionelle Hilfe holen. Zwei Mal im Monat gibt es zunächst eine Sprechstunde in den Räumen der Korbacher Bewährungshilfe, im Anschluss daran gibt es ein Training für die gewalttätigen Männer.

Trainieren mit den Teilnehmern: Kristina Stevens und Albert Mungen sind Anti-Aggressionstrainer aus Köln. Sie kommen zwei Mal im Monat nach Korbach.

Träger ist der Verein Initiative Kiste aus Korbach, der sich um die Wiedereingliederung von Straffälligen kümmert und sich unter anderem aus Geldbußen finanziert, Vorsitzende Sigrid Engelhard hat das Projekt mit aus der Taufe gehoben. Umgesetzt wird die Beratung und das anschließende Training allerdings von Mitarbeitern von „Aattacke“ aus Köln, einem dreiköpfigen Team, das sich auf Anti-Aggressionstrainings und Konfliktberatung spezialisiert hat. Die hauptberuflichen Bewährungshelfer haben entsprechende Fort- und Weiterbildungen.

Ein Jahr – insgesamt gut 100 Stunden – umfasst das Training, das aus vier Themenblöcken besteht: Tatrekonstruktion, Handlungsstrategien entwickeln, Empathie und Opferarbeit. Das Ziel ist es, die Gewaltverherrlichung der Täter zu erschüttern, Schuldgefühle zu wecken und Empathie zu fördern. Am Ende gibt es eine Art Zertifikat für die Teilnehmer. Beispielsweise vor Gericht, etwa beim Streit ums Sorgerecht, könne das wichtig sein, sagt Engelhard.

Sigrid Engelhard, Vorsitzende des Trägervereins „Kiste“

Die regelmäßigen Sprechstunden richten sich nicht nur an Gewalttäter, sondern auch an Betroffene. Sie können sich dort Rat und Hilfe holen.

Das Angebot „Trau dich – Hau nicht!“ ist kostenlos für die gewalttätigen Männer, die daran teilnehmen, aber auch für Opfer, die sich beraten lassen möchten. Teilnehmen an den Trainings können Männer ab 18 Jahren, die Zuhause Gewalt ausgeübt haben oder dies noch machen. Den Großteil der Kosten trägt das hessische Justizministerium. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat einen Flyer entworfen und finanziert, der auf das Programm aufmerksam machen soll. 

Das sind die Termine für die Sprechstunde

Für gewalttätige Männer, aber auch für Opfer von häuslicher Gewalt gibt es eine offene Sprechstunde. Zwei Mal im Monat, stets freitags, steht ein Ansprechpartner zwischen 16 und 16.45 Uhr zur Verfügung. Die weiteren Termine 2020 im Überblick: 7. und 28. Februar, 13. und 27. März, 3. und 24. April, 8. und 29. Mai, 19. und 26. Juni, 14. und 28. August, 11. und 25. September, 30. Oktober und 13. November. 

Außerdem gibt es eine Sprechstunde am Samstag, 14. November, von 9 bis 12 Uhr. Eine Anmeldung ist nie nötig, Betroffene oder Täter können direkt kommen in die Hagenstraße 2a in Korbach (hinter dem Amtsgericht). Infos gibt es beim Anbieter „Aattacke“ unter Tel. 0151 / 41 69 70 40. Träger des Angebots ist die Korbacher Initiative Kiste, die sich um Straffälligen-Eingliederung kümmert.

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