Waldeck-Frankenberg

Provinz ja, kulturelle Einöde nein

- Waldeck-Frankenberg (jos). Das Rahmenprogramm zu der Preisverleihung am Dienstagabend in der Frankenberger Kulturhalle haben die Preisträger selbst gestaltet – und damit eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie ihre Auszeichnung verdient haben.

Landrat Reinhard Kubat merkte in seiner Laudatio treffend an, dass Waldeck-Frankenberg zwar als Provinz zu bezeichnen sei – von „kultureller Einöde“ könne allerdings im Landkreis keine Rede sein. Vielmehr gebe es eine „tief verwurzelte, vitale Basiskultur“ und „einen Grad an kultureller Selbstversorgung, wie man ihn in großen Städten nie finden wird“. Damit spielte der Politiker darauf an, dass es im Landkreis zwar keine Opernhäuser mit professionellen Künstlern gibt, dafür aber eine Vielzahl an Laienkünstlern, die allein oder in Gruppen ein beachtliches Niveau erreichen. Für den Kulturpreis, den der Landkreis alle zwei Jahre vergibt, waren in diesem Jahr 29 Einzelpersonen oder Gruppen nominiert worden. Aus dieser Vielzahl hat die Jury – bestehend aus fachkundigen Waldeck-Frankenbergern – die vier Preisträger ausgewählt. Willfried Jerrentrup erhielt die Auszeichnung für sein Lebenswerk. In Anspielung auf die Tatsache, dass Jerrentrup eine Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz vor einigen Jahren dankend abgelehnt hatte, rief Kubat dem langjährigen Leiter des Frankenberger Schulorchesters dankend zu: „Mit der Annahme des Kulturpreises zeichnen Sie auch uns als stiftende Körperschaft aus.“ Jan Knobbe wurde mit dem Kulturpreis geehrt für sein vielfältiges musikalisches Engagement in Bad Arolsen. Als Bezirkskantor kam er 1994 in die Barockstadt, er übernahm zahlreiche Chöre und Instrumentalgruppen. Zum Schwerpunkt seiner Arbeit zähle christliche Popmusik, erklärte Kubat. Außerdem nannte der Landrat als herausragende Ereignisse Knobbes Aufführungen des Deutschen Requiems von Brahms, der Johannespassion von Heinrich Schütz sowie aller sechs Kantaten des Bach’schen Weihnachtsoratoriums. Knobbe betonte später, dass er den Preis stellvertretend für rund 150 Musizierende in der Bad Arolser Kirchengemeinde entgegennehme. Der Frauenchor „Cantabile“ aus Birkenbringhausen erhielt den Preis für seine herausragenden musikalischen Leistungen. „Die Fortschritte, die der Chor gemacht hat, lassen sich an den ihm verliehenen Prädikaten ablesen“, erklärte Kubat: 1999 Leistungschor, 2005 Konzertchor, 2007 Meisterchor. Das Repertoire der Sängerinnen reicht von Gospel bis Pop, unter der Leitung von Karl-Heinz Wenzel widmen sich die Frauen moderner Chorliteratur in deutscher, englischer, italienischer und sogar in ungarischer Sprache. Vorsitzende Katharina Marburger sagte, der Chor sehe die Auszeichnung mit dem Kulturpreis als „großes Geschenk“ zu seinem 15. „Geburtstag“, der in diesem Jahr gefeiert wird. Der Förderkreis der Vöhler Synagoge wurde für das Angebot zahlreicher kultureller Veranstaltungen ausgezeichnet. „Hochkarätige kulturelle Veranstaltungen finden in der Synagoge statt, bedeutende Künstler treten hier auf“, betonte Kubat. Mit großem Aufwand habe der Verein die Synagoge renoviert, nationale und internationale Auszeichnungen würdigen dieses Bemühen. Über viele Jahre habe es die Jury des Kulturpreises deshalb gar nicht gewagt, dem Förderkreis die vergleichsweise „kleine“ Auszeichnung des Landkreises zukommen zu lassen, sagte der Landrat. Förderkreis-Vorsitzender Kurt-Willi Julius betonte allerdings später, dass die Auszeichnung sehr wohl bedeutend sei. Zumal es das erste Mal sei, dass der Förderkreis explizit für seine kulturellen Angebote geehrt werde. Dem Votum der Jury zufolge erhält der Förderkreis der Synagoge tausend Euro Preisgeld, die anderen Preisträger werden mit je 500 Euro bedacht. Auch für den Jugendkulturpreis habe es zahlreiche hochkarätige Bewerber gegeben, betonte Kubat – 14 waren es an der Zahl. Zwei Preisträger hat die Jury ausgewählt: Johanna Tarcson aus Bad Wildungen erhielt den Preis in Würdigung ihrer außergewöhnlichen Leistungen als Pianistin. Die 19-jährige Abiturientin aus Bad Wildungen habe sich nach zahlreichen Auszeichnungen bei „Jugend musiziert“ zu einer Pianistin entwickelt, „die durchaus die Anlagen hat, die großen Konzertpodien zu erobern“, wie Kubat betonte. Mit einer Kostprobe ihres Könnens untermauerte die Schülerin diese Einschätzung auf eindrucksvolle Weise. Die „Song Kids“ sowie die „Young Voices“ als Kinder- und Jugendchöre im MGV Goddelsheim erhielten den Jugendkulturpreis für die außergewöhnliche Förderung der Musikalität der Kinder. Der Chor wurde 2004 als Projektchor von Holger Born gegründet. Seit 2006 leitet Claudia Vach die mittlerweile in zwei Gruppen singenden Kinder an. „Die gut besuchten Aufführungen verdeutlichen auch den hohen Leistungsstand, der letztlich zur Grundlage für die Verleihung des Jugendkulturpreises wurde“, betonte Kubat. Der Jugendkulturpreis ist mit 1500 Euro dotiert und wird zu gleichen Teilen an die beiden Preisträger vergeben.

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