Kritik: Zu wenige Therapeuten in Waldeck-Frankenberg

Psychisch Kranke müssen bis zu einem Jahr auf Therapieplatz warten

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Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu. Immer mehr Menschen sind bereit, sich dabei helfen zu lassen, doch die Wartezeit für eine Therapie ist lang.

Waldeck-Frankenberg. – Der Landkreis ist nicht mit ausreichend Psychotherapeuten versorgt. Das sagt Friedhelm Koch, Vorstand des Kreisverbands der „Treffpunkte“ in Waldeck-Frankenberg.

Die Wartezeiten für einen Platz sind entsprechend lang. Allerdings: Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) sieht Waldeck-Frankenberg als überversorgt an. Dass sich die Wartezeit über Wochen und Monate hinziehen kann, sagt Silvia Menzel, Leiterin der Selbsthilfegruppe AnDePa (Angst, Depression, Panik) in Frankenberg. „Es gibt Wartezeiten bis zu einem Jahr.“ Sie kritisiert: „Körperliche Leiden werden intensiver betreut“ als psychische. 

Silvia Ader von der psychosozialen Kontakt- und Beratungsstelle der Treffpunkte in Korbach hört von Ratsuchenden immer mal wieder, dass mancher Therapeut nicht einmal zurückruft. Auch ihrer Ansicht nach gebe es zu wenige Psychotherapeuten.

Dabei sei die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen Jahren gestiegen, zudem sei das Thema nicht mehr so schambehaftet wie früher und die Menschen eher bereit, Hilfe zu suchen. Laut der aktuellen Bedarfsplanung der KV Hessen gibt es im Landkreis 36 Psychotherapeuten. Diese könnten 216 000 Menschen versorgen. Da die KV mit einem Therapeuten pro 6000 Einwohner rechnet, gilt der 157 000 Einwohner zählende Landkreis demnach als überversorgt.

„Im Alltag zeigt sich, dass diese Bedarfsplanung mit dem aktuellen Psychotherapie-Bedarf sehr wenig zu tun hat“, sagt Robert Eberle, Sprecher der hessischen Psychotherapeutenkammer. Vor allem, da immer mehr Therapeuten in Teilzeit arbeiten würden.

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