Jeder zehnte Krankheitstag aufgrund seelischer Probleme

Psychische Erkrankungen: Zahl der Fehltage im Job steigt auch im Landkreis

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Waldeck-Frankenberg – 9,8 Prozent der Fehltage beruhen auf psychischen Erkrankungen: Das vermeldet die AOK Hessen in ihrem Report für den Kreis Waldeck-Frankenberg für das vergangene Jahr. Nur Erkrankungen von Muskeln und Skelett mit 22,6 Prozent und solche der Atemwege mit 13 Prozent sowie Verletzungen sind häufiger gesundheitliche Ursachen, um der Arbeit fernzubleiben.

Der Anteil der psychischen Erkrankungen steigt dabei langsam, aber sicher: Im Jahr 2015 waren es noch 8,8 Prozent, 2017 schon 9,6 von 100 Fehltagen. Das fügt sich ins Bild, welches das Bundesarbeitministerium nach einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag gezeichnet hat: Demnach haben sich die Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer und Verhaltensstörungen von 2007 bis 2017 mehr als verdoppelt: Von damals deutschlandweit 47,9 Millionen auf 107 Millionen Tage. In Prozentsätze an der Gesamtheit der Arbeitsunfähigkeitstage umgerechnet bedeutet das einen Anstieg von 10,9 auf 16 Prozent – diese Angaben beruhen auf den Daten verschiedener Krankenkassenverbände und eigenen Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Die genauen Ursachen für das Problem seien schwer zu belegen, so das Arbeitsministerium, doch der Wandel der Arbeitswelt spiele wohl eine Rolle: Erwerbstätige, die von Umstrukturierungen oder Neuorganisationen ihres Arbeitsumfelds betroffen sind, gaben demnach zu 57 Prozent an, starken Termin- und Leistungsdruck zu verspüren – Beschäftigte ohne solche Erfahrungen nur zu 41 Prozent.

Primär möchte das Ministerium das Problem im Zuge der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie zusammen mit Ländern, Trägern des Unfallversicherung und Sozialpartnern angehen. Dabei sollen Betriebe besser befähigt werden „Gesundheitsrisiken durch psychische Belastung zu erkennen und durch Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu bekämpfen“. Die Möglichkeit, von staatlicher Seite eine Anti-Stress-Verordnung zu erlassen, lässt das Ministerium offen.

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