Mitarbeiter des Korbacher Krankenhauses schließen sich bundesweiten Protesten gegen Strukturreform an

„Qualität kostet Geld“

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Mehr als 70 Mitarbeiter des Korbacher Krankenhauses nutzten gestern Mittag ihre Mittagspause für einen Protest gegen die Krankenhausreform – zu ihnen gehörte auch Matthias Funke, Leiter des Bildungszentrums, und Geschäftsführer Christian Jostes.Fotos: Demski

Waldeck-Frankenberg - Mit 70 grünen Luftballons protestierten Mitarbeiter des Korbacher Krankenhauses Mittwochmittag gegen die geplant Krankenhausstrukturreform. Ihre klare Botschaft: „Mehr Qualität, aber weniger Geld und Personal: Das passt nicht zusammen.“

Sie wollen eine Reform, die ihren Namen verdient. Und deswegen schlossen sich mehr als 70 Mitarbeiter des Korbacher Krankenhauses gestern den bundesweiten Protesten gegen die Pläne der Regierung an. Vor dem Krankenhaus ließen sie Luftballons mit Protestbotschaften in den Himmel steigen. Daran beteiligten sich Geschäftsleitung und Betriebsrat ebenso wie Schüler des Bildungszentrums.

„Die Krankenhausreform liefert keine Lösungen für die Probleme, sondern verschärft sie noch“, beklagte Geschäftsführer Christian Jostes, „wo Hilfe drauf steht, sind neue Lasten drin.“ Die wenigen Verbesserungen würden von Negativeffekten überlagert.

Und das bedeutet konkret: Den deutschen Krankenhäusern stünden künftig eine Milliarde Euro weniger für Löhne und Gehälter zur Verfügung. Auch die Unterfinanzierung der Notfallambulanzen werde nicht gelöst und es würden keine Antworten auf die „absolut unzureichenden Investitionsmittel“ gegeben.

Während auf der einen Seite also Geld abgezogen werde, würden auf der anderen Seite Mittel für die Schaffung von Pflegestellen bereit gestellt. „Das wären in Korbach zwei Pflegestellen“, rechnete Jostes, „das bringt keine Entlastung.“ Letztlich würden auch die Kosten für die Patienten weiter erhöht werden müssen.

Getroffen fühlen sich die Mitarbeiter des Krankenhauses auch von der Qualitätsdiskussion: Die Reform sieht vor, Kliniken nach der Qualität der erbrachten Leistungen zu finanzieren. „Es ist ein völlig falscher Ansatz, die Krankenhäuser in gut und schlecht einzuteilen“, sagt Jostes. Amerikanische Wettbewerbsexperimente seien keine verantwortungsbewusste Gesundheitspolitik. „Außerdem ist es eine Sauerei, die Qualität unserer Arbeit in Frage zu stellen“, befand Jostes, „aber Qualität kostet eben Geld.“ Denn sie brauche Menschen, Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger. Hochqualifizierte Arbeit in Krankenhäusern müsse gut und fair bezahlt werden. „Deswegen brauchen wir eine tragfähige Finanzierung unserer Kosten und keine neuen Kürzungen“, betonte der Geschäftsführer.

Auch der stellvertretende Vorsitzende des Betriebsrats, Bernd Arnold, protestierte gegen die Reform und rief dazu auf, sich der Unterschriftenaktion von Verdi anzuschließen. „Immer mehr Mitarbeiter werden krank. Sie stoßen unter der Belastung an ihre Grenzen“, erklärte Arnold. Das Geld müsse dringend auch beim Personal ankommen.

Um Punkt zwei Uhr ließen die Protestler dann ihre grünen Ballons in den Himmel steigen - ebenso wie tausende Kollegen vor Kliniken in ganz Deutschland und vor dem Brandenburger Tor in Berlin.

Von Theresa Demski

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