Waldeck-Frankenberg

Quelle-Shop-Betreiber in Sorge: „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“

- Waldeck-Frankenberg (lb). Die Schlagzeilen über den Untergang des traditionsreichen Unternehmens erschrecken auch die Inhaber von Quelle-Shops im Landkreis Waldeck-Frankenberg. Ihre Hoffnung: Weitermachen – auch ohne Quelle.

Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Anja Meinberg bleibt nur der Galgenhumor: Mit „übersprudelnder Begeisterung“ habe sie auf die Nachricht über das endgültige Quelle-Aus reagiert, sagt die Betreiberin der Bad Arolser Quelle-Agentur. „Im Grunde bin ich jetzt ohne Job“, zuckt sie mit den Schultern. Der Laden wird in eigener Regie geführt, Quelle fungiert quasi als Lieferant – als Anja Meinbergs einziger. Und der ist jetzt ausgefallen: „Seit Donnerstag darf ich keine Bestellungen mehr auf nehmen“, sagt die Shop-Betreiberin. Geöffnet hat sie trotzdem: „So richtig weiß ich nicht, was ich hier eigentlich mache.“ Unterstützung aus der Quelle-Zentrale in Fürth gibt es keine. Informationen flössen nur spärlich, sagt Meinberg. Es sei auch kaum jemand zu erreichen. „Auch dort weiß keiner richtig, wie es weitergehen soll. Das ist alles sehr chaotisch.“ Die Bad Arolserin will ihr Schicksal jetzt in die eigene Hand nehmen. Erste Gespräche mit möglichen neuen Geschäftspartnern habe sie schon geführt. Den erst vor drei Jahren eröffneten Laden in der Schlossstraße will sie weiterführen. Kalt erwischt hat es auch Harald Luckhart. Der Betreiber des Bad Wildunger Quelle-Shops hat erst aus den Medien erfahren, wie es um das Traditionsunternehmen steht. „Ein offizielles Schreiben aus der Quelle-Zentrale habe ich erst am Freitag bekommen“, sagt Luckhart. Wie die Zukunft für seinen Laden aussieht, dass kann er morgens nicht mal aus seinem Kaffeesatz lesen: „Wir sind selbständig, der Mietvertrag läuft noch über ein Jahr.“ Erst vor zwei Jahren ist Luckhart mit seinem Geschäft in die Brunnenstraße umgezogen. „Seitdem haben sich die Umsätze nach oben entwickelt.“ Viel nützt ihm das heute nicht. Unter den Fehlern der Chefetage in Fürth muss auch der kleine Filialist leiden. Ohne Quelle sprudeln auch bei ihm die Einnahmen nicht. „Ich werde mich eventuell anderweitig umsehen. Gespräche laufen schon“, verrät der Wildunger. Über mangelnden Betrieb kann sich Luckhart auch in diesen Tagen nicht beklagen: Viele Kunden kommen und wollen noch schnell ihre Gutscheine einlösen, bevor das Versandhaus endgültig Geschichte ist. Schnäppchenjäger umkreisen den Laden wie Geier ein verendendes Tier. Doch die Quelle-Zentrale hat den Startschuss für den Abverkauf noch nicht gegeben. Von alleine darf Luckhart die Preise nicht senken. Unterdessen verscherbelt die insolvente Quelle ihre restliche Ware im Internet. Auf der Internet-Seite des Versandhauses wurden am Freitag teils sagenhafte Preisnachlässe angeboten. So soll eine dreiteilige Möbelgarnitur mit Sitzecke, Couchtisch und Anrichte am Freitag nur 55 Euro anstatt 3200 Euro kosten. „Bei mehr als zehn Bestellungen entscheidet das Los“, hieß es. Viele andere Produkte sind ebenfalls mit Rabatten ausgezeichnet. So kostet ein Damenkleid 27,99 statt 69,99 Euro, eine Herren-Armbanduhr 64,99 statt 129,99 Euro, und eine Waschmaschine gibt es für 499,99 statt 699,99 Euro. Immerhin: Ein kleiner Lichtblick hat sich auch für die Quelle-Shops in Wal­deck-Frankenberg angekündigt: Quelle könnte womöglich doch noch eine Zukunft haben. Zwei Investorengruppen wollen das Versandhaus in abgespeckter Form weiterführen. Der Vertrieb soll, wie bisher, über Katalogversand, Internet und Läden stattfinden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare