Auch Fernradwege lassen sich ändern, wie das Beispiel R6 bei Bad Arolsen zeigt

Radwege in Waldeck-Frankenberg

+

Waldeck-Frankenberg - Wie schön der Landkreis ist, sollen auch die Fernradwege zeigen, die ihn durchqueren. Der Hessenradweg R6 bei Bad Arolsen hat mit neuer Streckenführung deutlich gewonnen. Dieses Beispiel zeigt: Wo sich Änderungen an der Route lohnen, sind sie durchaus möglich.

Beim Touristik-Service Waldeck-Ederbergland stießen Aktive des Projekts Landliebe in Lan­dau vor drei Jahren auf offene Ohren. Sie hatten die Trasse von Schmillinghausen bis zur Waldschmiede bei Volkhardinghausen abgefahren und festgestellt: wenig Schönes zu sehen und die Route für ungeübte Radfahrer oder Familien teils völlig ungeeignet.

Die Highlights: ein Stück durch die Große Allee, wenige Hundert Meter durch die Mengeringhäuser Altstadt, ein Stück malerische Landschaft im Tal der Twiste. Ansonsten: viel Wohn- und Gewerbegebiet, viel Straße, eine sehr lange und teils sehr steile Steigung auf schlecht befahrbarem Waldweg.

Schnell war ein Vorschlag gefunden, den die Landauer mit Wilhelm Müller vom Touristik-Service Bad Arolsen und Klaus Dieter Brandstetter als Verantwortlichem im Kreishaus besprachen. Und da die Trasse durch Neu-Berich führen sollte, war auch der Ortsvorsteher Hans Konn bei der Planung mit im Boot.

Gründe für die Verlegung gab es genug: Die neue Strecke ist zwar knapp vier Kilometer länger, dafür aber deutlich attraktiver: fast durchgehend geteert, führt sie nur in Teilen über öffentliche Straßen, die aber sehr wenig befahren sind. Die Steigungen sind mäßig oder zumindest nicht allzu lang.

Zu sehen ist Bad Arolsen jetzt von seiner schönsten Seite – mit Kirchplatz, Schlossstraße, Schloss und Marstall, Orangerie und Fürstlicher Reitbahn. Der Weg führt weiter durch den Driesch ins Remmeker Feld, am Golfplatz vorbei zum Strandbad und um den Twistesee herum zum Wohnmobilhafen.Von hier geht's über das 101 Jahre alte Plandorf Neu-Berich nach Vahlhausen und von dort nach Lan­dau mit denkmalgeschützter Fachwerk-Altstadt, wo Wasserkunst und Freibad direkt an der Strecke liegen. Kurz hinter Volkhardinghausen trifft der R6 jetzt wieder auf die alte Route.

2012 beantragte der Landkreis die Änderung beim zuständigen hessischen Ministerium (Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung), das wiederum den ADFC Hessen bat, die Änderung zu prüfen. Urteil: ein guter Vorschlag. 2013 waren die neuen Schilder aufgestellt auf einer Strecke mit insgesamt 17 Kilometern.

„Grundsätzlich sind Vorschläge zu Streckenverlegungen willkommen“, erklärt Norbert Sanden vom ADFC Hessen, „wenn sie Gefahrenstellen vermeiden oder schlechte Wegstrecken und damit die Gesamtsituation verbessern.“Auch das Anbinden attraktiver Ziele – wenn es nicht zu weite Umwege bedeutet – könne ein Grund für Verlegung sein. Dabei seien Kriterien wie möglichst sichere und komfortable Befahrbarkeit wichtig.

Und weiter: „Die Vorschläge sollten begründet und mit einer Übersichtskarte ausgestattet sein. Sie können an den ADFC Hessen oder Hessen Mobil gerichtet werden.

Letztlich werden sie durch uns geprüft. Das Ergebnis mit unserer Einschätzung wird Hessen Mobil berichtet und dort (auch mit dem zuständigen hessischen Ministerium) besprochen.“Befinden die Beteiligten den Verlegungsvorschlag für gut, wird er – wenn nichts anderes wie zum Beispiel eine frühere Fördermaßnahme dagegen spricht – in Abstimmung mit Hessen Mobil und den Kommunen umgesetzt.

Alternativstrecken nur, wenn‘s nötig ist

Anders sieht es aus mit Blick auf Alternativstrecken. Nach Vorgabe des Landes sollen die hessischen Radfernwege möglichst ohne auskommen, es sei denn, sie sind sachlich erforderlich. Das gilt zum Beispiel zur Umfahrung von Abschnitten, die regelmäßig von Hochwasser beeinträchtigt sind oder von Tunnelsperrungen im Winter. Innenstadtrouten und die Anbindung touristischer Ziele müssten die Kommunen selbst ausweisen, sagt der ADFC-Experten Norbert Sander.

Die frühere Route des R6 bei Bad Arolsen hat dennoch weiter Bestand, ist sie doch Teil der Oranier-Route von Nassau nach Bad Arolsen – 400 Kilometer durch drei Bundesländer auf den Spuren der beiden Königshäuser Oranien-Nassau.Eine gute Übersicht mit Informationen und Karten auch zu den Fernradwegen im Landkreis finden Sie unter www.radroutenplaner.hessen.de.

Hintergrund: Radwege in Waldeck-Frankenberg

Radfernwege: Oranier-Fahrradroute (400 km) Nassau – Siegen – Bad Berleburg – Frankenberg – Edersee – Wal­deck und Bad Arolsen Diemelradweg (110 km) Usseln – Diemelsee – Marsberg – Warburg – Liebenau – Trendelburg – Bad Karlshafen Hessische Radfernwege: R5 (233 km) Willingen – Korbach – Edersee – Bad Wildungen – Homberg – Wanfried R6 (404 km) Diemelstadt/Wrexen – Bad Arolsen – Twistesee – Edersee – Frankenberg –Rosenthal – Kirchhain – Wiesbaden – Lampertheim R8 (297 km) Frankenberg –Hatzfeld – Breidenbach –Dillenburg – Heppenheim/Bergstraße Eder-Radweg (185 km) Hilchenbach/Lützel – Erndtebrück – Hatzfeld – Frankenberg – Edersee – Fritzlar – Felsberg – Baunatal/Guntershausen Überregionale Radwege: Kassel-Edersee-Radweg 73 km Ohm-Eder-Radweg (40 km) Kirchhain – Gemünden – Frankenberg Lahn-Eder-Radweg (29 km) Lahntal/Sarnau – Wetter – Frankenberg Themen-Route: GeoRadroute Ruhr-Eder (210 km) – neu! Korbach – Lichtenfels – Medebach – Willingen – Brilon – Olsberg – Winterberg – Hallenberg – Bromskirchen – Allendorf – Frankenberg – Vöhl – Edertal – Waldeck – Korbach

Von Christiane Deuse

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare