Das sind verstecke Codes, Zeichen und Kürzel der Rechten

Rechtsextreme: Weniger in lokalen Organisationen, häufiger im Netz

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Referierte zum Thema Rechtsextremismus: Christopher Vogel vom Mobilen Beratungsteam in Kassel. 

Die „harte rechtsextreme Szene“ habe man zuletzt etwas aus den Augen verloren, gestand Christopher Vogel ein. Das soll sich ändern.

Der Mitarbeiter des Mobilen Beratungsteams gegen Rassismus und Rechtsextremismus informierte jetzt in Korbach über die versteckten Botschaften von Rechtsextremen.

Vor allem über Rechtspopulismus habe man in den vergangenen Jahren viel geredet, sagte Vogel. Nun verspüre man in Sachen Rechtsextremismus geradezu eine „Dringlichkeit“, er sei durch die Anschläge der letzten Zeit wieder mehr in den Fokus gerückt.

Studien

Seit Ende der 70er-Jahre gebe es eine Untersuchung, die immer wieder wiederholt werde. Demnach seien zehn Prozent der Bevölkerung extrem rechts. Dieser Wert sei seit langem stabil, so Vogel. Ausländerfeindlich sei etwa ein Viertel der Menschen, 24,1 Prozent. Zugenommen habe in den vergangenen Jahren die Ablehnung von Flüchtlingen sowie von Sinti und Roma. In Westdeutschland seien 13,7 Prozent der 14- bis 30-Jährigen ausländerfeindlich, im Osten seien es in der Altersklasse 23,7 Prozent. „Ältere sind das Problem“, so Christopher Vogel, weniger die jüngere Generation.

Rechte Organisationen

In der Region gebe es einen Rückgang von klassisch organisierten rechten Strukturen. Allerdings: Die Vernetzung im Internet nehme zu und dort seien die Menschen viel schwerer zu greifen. In Kassel spiele Pegida bzw. Kagida keine Rolle mehr, die Kleinstpartei „Der dritte Weg“ sei in Hessen vor einigen Jahren vor allem in Fulda präsent gewesen, nun gebe es in Nordhessen keine aktive Kameradschaft mehr. 

Ein Aufmarsch der Partei Die Rechte in Kassel vor einigen Jahren.

Die Partei „Die Rechte“ sei in Nordrhein-Westfalen sehr aktiv, in der Region auch im Schwalm-Eder-Kreis. Mittlerweile verboten sei Combat 18, die als gewaltbereiter Arm des Netzwerks Blood & Honour galten. Combat habe aus „sehr gewaltbereiten Neonazis“ bestanden. Die „Identitäre Bewegung“ spreche über soziale Netzwerke und YouTube vor allem Jugendliche an, es gebe aber nur wenige Hundert Aktive, so der Experte. Dort gebe es auch immer wieder personelle Überschneidungen mit der AfD.

Die Rolle des Internets

Verschwörungstheorien habe es schon immer gegeben, durch das Internet seien sie aber leichter zugänglich geworden, sagte Christopher Vogel. Wenn „Zeiten unübersichtlicher“ werden, finden solche Theorien besonders viele Anhänger. Denn: Sie liefern vermeintlich einfache Erklärungen und einen Schuldigen. Oft seien dies Juden.

Rechte Parteien und Organisationen seien sehr aktiv in sozialen Netzwerken. In der Anonymität des Netzes würden viele extrem Rechte wie in Filterblasen leben, sich Bestätigung holen.

Umgang mit Jugend

Grundlegend sei, zu vermitteln, was Realität sei, was tatsächliche Nachrichten und was Fake News. Und immer müsse man das Gegenüber ernst nehmen, rät Vogel. Höre ein Jugendlicher beispielsweise Musik einer fragwürdigen Band, könne man fragen, was er genau daran mag. Zuhören sei wichtig, erst danach solle man eigene Bedenken formulieren. Ein wichtiger Faktor sei es, sich ausreichend Zeit zu nehmen, immer wieder nachzufragen und am Ball zu bleiben. 

Codes und Kürzel

HFFH bedeutet „Hammerskins Forever – Forever Hammerskins“, es ist Gruß und Treuebekenntnis der Hammerskins, eine Neonazi-Vereinigung, die ursprünglich aus den USA stammt.

WAR und WAW: Im Englischen „White Aryan Resistance“, zu deutsch „Weißer Arischer Widerstand“. Die neonazistische Vereinigung wurde ebenfalls in den USA gegründet, sie will eine weiße Vorherrschaft.

28: Der Zahlencode steht für BH, „Blood & Honour“, ein rechtsextremes Netzwerk mit rassistischer Ideologie, das in Deutschland verboten ist.

168:1: Der Code weist auf den Neonazi Timothy McVeigh hin, der bei einem Attentat in Oklahoma (USA) im Jahr 1995 168 Menschen tötete.

Kleidung

Consdaple: Der Name enthält die Buchstaben NSDAP.

Erik & Sons: Die Firma wendet sich direkt an die Neonazi-Szene.

Schwarze Springerstiefel, weiße Schnürsenkel: Das tragen viele Rechte.

One Family: Die Kleidungsmarke eines Dresdner Rechtsrock-Produzenten, der auch Kleidung unter dem Label Greifvogel produziert.

Thor Steinar: Neben Lonsdale eine der bekanntesten Bekleidungsmarken in der rechten Szene.

Musik

Endstufe: Eine der ältesten aktiven Neonazibands in Deutschland. Bezeichnen sich selbst als Skinheads.

Frei.Wild: Populäre Band aus Südtirol, die vor allem mit patriotischen und heimatverbundenen Liedern auffällt. Von den extremen Rechten grenzen sie sich ab.

Skrewdriver: Spielt seit Jahrzehnten eine große Rolle in der Neonazi-Szene weltweit, eng verknüpft mit Blood & Honour.

Umstritten: Die Band Frei.Wild gilt als rechts, grenzt sich selbst immer wieder ab von extremen Rechten. Das Foto zeigt Sänger Philipp Burger.

Terrorsphära: Eine der populärsten Neonazibands im deutschsprachigen Raum, ist verbunden mit der rechten Kampfsportszene.

Den Überblick über viele weitere Symbole, Codes und weitere Infos zum Thema Rechtsextremismus gibt es auf der Seite "Das Versteckspiel".

Kontakt zum "Mobilen Beratungsteam - Gegen Rassismus und Rechtsextremismus für demokratische Kultur in Hessen" gibt es hier

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