Im Kasseler Kammerbezirk stehen bis 2020 rund 20 Prozent der Betriebe vor einer Übergabe.

Rechtzeitig um Betriebsübergabe kümmern

Waldeck-Frankenberg - Die Kreishandwerkerschaft hat das Thema Betriebsübergabe schon früh aufgegriffen. In einem Projekt seien 2009/10 schon 82 Betriebe beraten worden, davon 37 individuell, berichtet Abteilungsleiterin Silke Nagel. Nach einer Umstrukturierung 2013 waren 70 Betriebe in der Beratung, davon 14 längerfristig.

Die Kreishandwerkerschaft hat das Thema Betriebsübergabe schon früh aufgegriffen. In einem Projekt seien 2009/10 schon 82 Betriebe beraten worden, davon 37 individuell, berichtet Abteilungsleiterin Silke Nagel. Nach einer Umstrukturierung 2013 waren 70 Betriebe in der Beratung, davon 14 längerfristig.

Das Thema ist wichtig: Im Kasseler Kammerbezirk stehen bis 2020 rund 20 Prozent der Betriebe vor einer Übergabe. Auf den Kreis heruntergerechnet entspräche dies rund 270 Betrieben, sagt Nagel. Da jeder im Schnitt 5,5 Mitarbeiter hat, wären etwa 1400 betroffen.

„Die Aufgabe eines Betriebes ist das Allerschlimmste“, sagt Hauptgeschäftsführer Gerhard Brühl – „für die Familie, für Kunden, die Mitarbeiter und Auszubildenden, aber auch für ein Dorf“: Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze gehen verloren. Deshalb unterstützt die Kreishandwerkerschaft Übergaben.

Der Prozess sei komplex, „es gibt keinen Masterplan“, betont Brühl, für jeden Betrieb müsse eine individuelle Lösung gefunden werden. Und es sei für die Inhaber oft eine emotionale Angelegenheit, rechtzeitig loszulassen. Für Brühl ist die ideale Lösung, einen Betrieb innerhalb der Familie zu übergeben. Aber die Inhaber müssten sich schon fragen, welche Erwartungen sie und ihre Kinder hätten.

Zweitbeste Lösung ist für Brühl, wenn ein Mitarbeiter übernimmt. Im dritten Fall bleibt ein Außenstehender.

Inhaber sollten sich früh genug mit dem Übergang beschäftigen, mahnt Brühl. Sie sollten dabei die Altersvorsorge und das Erbsteuerrecht im Blick haben. Früh sollten sie sich wegen der Mitarbeiter auch mit dem Arbeitsrecht auseinandersetzen.

Silke Nagel rät, nicht zu früh mit dem Investieren aufzuhören, um den Wert des Betriebes beizubehalten. Eine Lösung müsse gefunden werden, wenn der Wohnsitz der Familie auf dem Firmengelände liege. Außerdem müssten Banken eingebunden und längerfristige Verträge berücksichtigt werden. Hilfreich ist auch ein guter Steuerberater. Nagel mahnt, den Zeitfaktor zu sehen, eine Übergabe könne Jahre dauern.

Auch Hilfestellungen gibt es: An erster Stelle stünden die Betriebsberater der Handwerkskammer, sagt Brühl. Unternehmer müssten die Übergabe planen und umsetzen wie einen Kundenauftrag, „die Berater sind nur das Werkzeug“. Auch Nagel sagt: „Es muss ein aktiver Prozess sein.“ Sie rät, einen Termin zu setzen, bis zu dem die Übergabe abgeschlossen sein soll. „Ein vernünftiger Vorlauf ist wichtig, dann wird auch die Bürokratie nicht so wahrgenommen“, ergänzt Brühl.

Wer einen Betrieb übernimmt, gilt als Existenzgründer und hat Anspruch auf Fördergelder und eine Beratung.

Auf einer Sonderseite, Samstagausgabe der WLZ und FZ, stellen wir zwei Betriebe vor:

Sebastian Davideit und Stefan Ulrich und die bisherigen Inhaber Bernd und Bärbel Saure ziehen an einem Strang und führen den Malerbetrieb Saure in die Zukunft.

Fleischermeister Klaus-Thomas Tent hat seinen Betrieb an Sohn Thomas-Ludwig übergeben.

Von Dr. Karl Schilling

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