Kopfschuss aus nächster Nähe - Angehöriger fand Politiker

Regierungspräsident Walter Lübcke: Das wissen LKA und Staatsanwaltschaft über seinen Tod 

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Gaben Auskunft, konnten aber nicht viel sagen: LKA-Präsidentin Sabine Thurau (von links), der Leitende Oberstaatsanwalt Horst Streiff sowie Pressesprecher Andreas Thöne (Staatsanwaltschaft) bei der Pressekonferenz

Kassels Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke starb durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe. Das teilten Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft mit. Vom Täter fehlt jede Spur.

Aktualisiert am 3. Juni um 19.45 Uhr. Lübcke war am frühen Sonntagmorgen mit einer Schussverletzung am Kopf tot aufgefunden worden. Nun ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) zum Tod des 65-Jährigen.

Im Kopf des 65-Jährigen sei ein Projektil aus einer Kurzwaffe gefunden worden, die aus nächster Nähe abgefeuert worden sei. Für einen Suizid gebe es keine Anhaltspunkte.

Der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke wurde tot aufgefunden.©

Die Staatsanwaltschaft Kassel hat deshalb ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Tötung eröffnet. Das teilten Sabine Thurau, Präsidentin des Hessischen Landeskriminalamts (LKA), und Horst Streiff, Leiter der Staatsanwaltschaft Kassel, bei einer Pressekonferenz am frühen Montagabend mit.

Zahlreiche Medienvertreter waren zu der PK bei der Staatsanwaltschaft an der Frankfurter Straße erschienen. Die meisten ihrer Fragen wurden allerdings von Thurau und Streiff nicht beantwortet. Viele nicht aus „ermittlungstechnischen Gründen“, wie die beiden betonten. Die erste Phase nach der Tat sei nämlich „ermittlungsentscheidend“.

Fest stehe, so Streiff, dass Lübcke am frühen Sonntagmorgen um 0.30 Uhr von einem Angehörigen auf der Terrasse gefunden worden sei. Anschließend habe es Reanimationsversuche gegeben, allerdings ohne Erfolg. Lübcke wurde in die Kreisklinik nach Wolfhagen gebracht, wo um 2.35 Uhr sein Tod festgestellt worden sei.

Ob Lübcke an dem Abend Besuch hatte, was er auf der Terrasse gemacht hat und ob jemand einen Schuss in Istha gehört hat, dazu wurden keine Angaben gemacht. Ebenso wenig darüber, ob Lübcke selbst eine Waffe oder einen Waffenschein hatte.

Bei der Pressekonferenz drehten sich mehrere Fragen um das Jahr 2015. Damals hatte Lübcke sich bei einem Info-Abend zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge eingesetzt und in Lohfelden erklärt, man müsse für die Werte in diesem Land eintreten: „Wer diese Werte nicht vertritt, kann dieses Land jederzeit verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen."

Daraufhin erhielt er Morddrohungen. Man habe keine Hinweise darauf, dass das Motiv des Täters im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise und den damaligen Äußerungen des Regierungspräsidenten stehe, betonte Thurau. Eine Gefährdung für den RP habe es zuletzt nicht gegeben. Lübckes Familie werde betreut. Ob sie sich derzeit noch im Haus in Istha befindet, dazu gab es keine Angaben.

„Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Thurau. Bislang gebe es noch keine Erkenntnisse auf einen Tatverdächtigen oder über ein Motiv. Das LKA habe am Sonntagmorgen die Ermittlungen übernommen. Das geschehe immer dann, wenn eine Person des öffentlichen Lebens Opfer eines Tötungsdelikts geworden ist. Die Sonderkommission mit 20 Ermittlern werde in Nordhessen angesiedelt. Zudem liefere das Bundeskriminalamt Unterstützung.

Soko bittet um Hinweise 

Die Soko hat ein Hinweistelefon unter Tel. 05 61/910-4444 eingerichtet. Zudem gibt es eine E-Mail-Adresse: wolfhagen@polizei-hinweise.de

Walter Lübcke war promovierter Wirtschaftswissenschaftler. Er galt als bodenständiger Macher und Mann des klaren Wortes.

Er selbst sagte einmal über sich, er sei „Generalist“. Seine Mitarbeiter hätten es ihm leicht gemacht. Er wisse, dass er sich auf sie verlassen könne. Seine Bilanz als Regierungspräsident lautete: „Es waren zehn gute Jahre. Dr. Walter Lübcke hinterlässt Ehefrau und zwei erwachsene Söhne.

Einen ausführlichen Nachruf zum Tod von Regierungspräsident Dr. Walter Lübke lesen Sie hier. 

Reaktionen auf den Tod von Walter Lübcke 

Auch im mittelhessischen Gießen hat der plötzliche Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Bestürzung ausgelöst. „Mit Walter Lübcke verliere ich einen liebenswerten Weggefährten, einen bürgernahen und sehr engagierten Kollegen, der sich für ,sein‘ Nordhessen und Regierungspräsidium stark gemacht hat“, sagt der Gießener Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich in einer ersten Reaktion und drückt der Familie sein Mitgefühl aus. Vor allem für seine klaren Worte habe er Walter Lübcke geschätzt und dafür, „dass bei ihm ein Wort ein Wort war – ohne Wenn und Aber.“

Starb im Alter von 65 Jahren: Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke.

Der Vorsitzende der Fraktion der Freien Demokraten im Hessischen Landtag, René Rock, hat sich erschüttert vom Tode des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gezeigt. „Mit Walter Lübcke verlieren wir einen bodenständigen und dem Leben zugewandten Menschen, der Herzen zu gewinnen verstand. Er war ein herausragender Anwalt nordhessischer Interessen, kluger Politiker und exzellenter Verwaltungsfachmann. Sein Tod bedeutet einen Verlust für ganz Hessen. Die Umstände seines Todes bestürzen mich. Sie bedürfen einer genauen Aufklärung durch die zuständigen Behörden. Unser Mitgefühl gehört der Familie Walter Lübckes.“

Spurensuche in Istha: Kasseler Regierungspräsident Lübcke tot 

Hier liegt Wolfhagen-Istha

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